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Liebe statt Zensur: So tricksen Tinder-User Putins Internet-Wächter aus

21.03.2022, 14:4423.03.2022, 19:36
User input
Der User schickt’s, wir bringen’s.

Es sind nicht nur Super-Promis wie Arnold Schwarzenegger, die versuchen, die russische Bevölkerung über den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg von Putin aufzuklären. Das Hacktivisten-Kollektiv Anonymous hat schon früh dazu aufgerufen, die russische Online-Zensur auszutricksen, zum Beispiel mit Rezensionen bei Google Maps oder mit der populären Dating-App Tinder. Ein watson-User hat's ausprobiert.

Was hat Tinder mit dem Ukraine-Krieg zu tun?

Putin rechtfertigt den Überfall auf die Ukraine mit Lügen und Propaganda, die er über die staatlich kontrollierten Medien unter der russischen Bevölkerung verbreitet. Das hat auch das Hacktivisten-Kollektiv Anonymous früh erkannt und verschiedene Tricks zur Zensur-Umgehung empfohlen.

Seither wurde die populäre Dating-App zweckentfremdet, um die russische Desinformation zu kontern und dortige User auf Kriegsverbrechen in der Ukraine hinzuweisen.

Bringt's das?

watson-User Dave hat uns am Donnerstag geschrieben und seinem Hinweis einen Smiley 😁 angefügt:

«Bei mir hat es heute geklappt und ich habe auch schon ein paar Likes bekommen, was auf Erfolg hinweist.»

Wie geht das?

Das Vorgehen ist schnell erklärt, wobei anzumerken ist, dass es einen kostenpflichtigen Tinder-Plus-Account braucht.

  • Man geht in die Tinder-Einstellungen und ändert den eigenen Standort – zu einer russischen Stadt.
  • Dann ändert man das eigene Profil so, dass Informationen über den Ukraine-Krieg angezeigt werden. Zum Beispiel lässt sich ein neues Profilbild verwenden: ein Selfie, bei dem man ein Bild aus dem Ukraine-Krieg hält.
  • Der «Über mich»-Text lässt sich auch anpassen. Hier braucht es eine Botschaft auf Russisch (siehe unten).

Es gibt sogar eine Website, die Tinder-User bei der Zensur-Umgehung helfen will: specialloveoperation.com. Sie wurde laut Berichten von einer slowakischen Werbeagentur eingerichtet. Die Initiative sei von «einer unabhängigen Gruppe von Kreativprofis» ins Leben gerufen worden. Diese gehöre keiner politischen Partei und keinem NGO an, heisst es.

screenshot: specialloveoperation.com

Zu ihrer Motivation schreiben die Macher:

«Die Russen kennen die Wahrheit über den Krieg in der Ukraine nicht. Soziale Netzwerke werden gesperrt. Internationale Medien sind verboten. Offizielle russische Kanäle lügen, während unschuldige Menschen getötet werden. Putin ignoriert die ganze Welt, aber vielleicht ignoriert er sein eigenes Volk nicht. Wir haben einen Weg gefunden, die Zensur mit Tinder zu umgehen. Ja, auf Tinder. Lasst uns zeigen, dass Liebe und Wahrheit stärker sind als Krieg.»

Ihre an die russischen Tinder-User gerichtete Botschaft, die per Copy-Paste übernommen werden kann, lautet:

Дорогие россияне, Запад вас не ненавидит. Мы ненавидим войну. Мы ненавидим неспровоцированное вторжение в Украину. Российская армия убивает невинных людей, а Путин лжет и скрывает от вас правду. Ваши братья и сестры умирают из-за безумия и заблуждений диктатора. Распространяйте правду. Занимайтесь любовью, а не войной!

Und in der Übersetzung:

Liebe Russen, der Westen hasst euch nicht. Wir hassen den Krieg. Wir hassen die unprovozierte Invasion der Ukraine. Die russische Armee tötet unschuldige Menschen, während Putin lügt und euch die Wahrheit verheimlicht. Eure Brüder und Schwestern sterben wegen des Wahnsinns und der Täuschung eines Diktators. Verbreitet die Wahrheit. Liebe machen, nicht Krieg!

Auf specialloveoperation.com können auch Fotos heruntergeladen werden, die belegen, welche Auswirkungen die russische Invasion auf die ukrainische Bevölkerung hat.

Anzumerken bleibt, dass angeblich auch die russischen Invasoren Tinder verwenden – um ukrainische Frauen zu belästigen, wie britische Boulevard-Medien berichteten.

Ist Tinder in Russland noch frei verfügbar?

Dazu gibt es widersprüchliche Meldungen.

Sicher ist: Arnold Schwarzenegger, der sich diese Woche mit einem eindringlichen Appell an die russische Bevölkerung gewendet hat, hat schlaue Köpfe im Team: Das virale Video der österreichisch-amerikanischen Schauspiel-Legende ist nicht nur über die in Russland gesperrten, grossen Social-Media-Plattformen wie Twitter und Facebook zugänglich, sondern auch über seinen Telegram-Kanal teilbar.

screenshot: twitter

Was ist mit Google Maps?

Viele Menschen fingen wegen der Online-Zensur an, Fotos von der Zerstörung und den Toten in der Ukraine in Google-Maps-Reviews zu russischen Lokalen und Geschäften hochzuladen. So gelang es, den Russinnen und Russen einen Eindruck vom tatsächlichen Geschehen zu vermitteln.

Allerdings schob Google dem Ganzen einen Riegel vor – wohl vor allem wegen der Fotos von toten und gefangen genommenen Soldaten, wie «Vice» berichtete. Das Unternehmen habe sich auf seine Nutzungsbedingungen berufen.

Die Highlights aus Schwarzeneggers Botschaft ans russische Volk:

Video: watson
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Bilder des Ukraine-Kriegs, die um die Welt gehen

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Chinesischer Reporter mit exklusiven Zugang zu Moskaus Seite der Invasion

Video: watson

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18 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Jazzchops
21.03.2022 15:47registriert August 2019
Ich bin dieser Dave und ich muss noch anmerken, dass mein Profil am nächsten Tag gesperrt wurde für 24h😅
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Bikemate
21.03.2022 15:53registriert Mai 2021
Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich denke jede Aktion, die hilft die Russen ausserhalb der Propaganda zu Informieren ist sinnvoll. Nur ein informiertes Volk kann sich wehren. Und ich kann endlich meiner Frau erklären warum ich ein Tinder Plus Abo brauche ;-)
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banda69
21.03.2022 14:50registriert Januar 2020
....das mache ich seit knapp zwei Wochen. Es gibt gute Gespräche. Die Leute haben aber Angst. Eine Person mit der ich Kontakt habe, wurde entlassen, weil sie sich gegen den Krieg geäussert hat.

Die Situation ist auch in Russland sehr unschön.
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