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MUNICH, GERMANY - SEPTEMBER 12: Migrants arrive by train at Munich Hauptbahnhof railway station on September 12, 2015 in Munich, Germany. German authorities are expecting 10,000 migrants to arrive on trains today, mostly from Hungary via Austria, on top of the approximately 20,000 that have arrived in the last 48 hours. Germany is distributing the migrants across the country and is struggling to register and house them. Many of the migrants are coming from Syria, Afghanistan and Iraq and are reaching western Europe via the Balkans. (Photo by Philipp Guelland/Getty Images)

Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan nach der Ankunft in München (12.09.2015).
Bild: Getty Images Europe

Ankunft von bis zu 13'000 neuen Flüchtlingen in München: «Einige Leute müssen die Nacht im Sitzen verbringen»



Die deutsche Stadt München kann erstmals seit Beginn der grossen Flüchtlingswanderung vor einer Woche nicht mehr allen Ankommenden eine Notunterkunft bieten. Am Samstag wurden bis Mitternacht rund 13'000 Menschen am Münchner Hauptbahnhof erwartet.

Nicht für alle werde es einen Schlafplatz geben, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand bei einer Medienkonferenz am Abend im Hauptbahnhof. Mehrere Tausend könnten ohne Nachtquartier bleiben. Bis zum Abend kamen bereits etwa 9000 Menschen in München an. «Das ist aber noch nicht der ganze Tag bis 00.00 Uhr», sagte Hillenbrand.

Abhängig davon, wie viele es letztlich sein werden, können nach Angaben von Stadt und Regierung eine Anzahl zwischen 1000 und 5000 Menschen nicht mehr unmittelbar untergebracht werden. Einige der Ankömmlinge würden sich dann im Hauptbahnhof aufhalten – oder sich selbst weiter auf den Weg machen.

epa04927789 A group of refugees who just arrived by train at the main train station in Munich, Germany, 12 September 2015, are welcomed by German Federal Police officers who are deployed to accompany them to the various reception centres. Some 1,600 refugees arrived at Munich's main railway station in the early hours of Saturday, 12 September 2015, police in the Bavarian capital said, as German officials geared up to take care of an expected 40,000 new arrivals this weekend alone.  EPA/NICOLAS ARMER

Deutsche Bundespolizisten in München begleiten Flüchtlinge in eines der zahlreichen Aufnahmezentren (12.09.2015).
Bild: EPA/DPA

Übernachten in der Olympiahalle

Die Behörden wollen die Olympiahalle kurzfristig als Übernachtungsstätte herrichten. Auch sei die Errichtung von Zelten geplant. Nach Angaben ehrenamtlicher Helfer haben die Arbeiten unter anderem in der Olympiahalle bereits begonnen.

Feldbetten seien kaum noch zu bekommen. Man werde auf Isomatten und Decken umsteigen müssen, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter. Die Hilfsbereitschaft der Münchner sei jedoch ungebrochen. Notfalls werde man einen Aufruf über die sozialen Medien starten. Das habe immer bestens funktioniert. Schon am Samstagabend kamen Menschen und brachten Decken und Isomatten in den Hauptbahnhof.

Ausser nach Nordrhein-Westfalen seien am Samstag lediglich acht Busse mit insgesamt 400 Menschen in andere Bundesländer gestartet. «Das ist einfach lächerlich», sagte Reiter. München übernehme praktisch alleine eine nationale Aufgabe.

MUNICH, GERMANY - SEPTEMBER 12: Migrants arrive by train at Munich Hauptbahnhof railway station on September 12, 2015 in Munich, Germany. German authorities are expecting 10,000 migrants to arrive on trains today, mostly from Hungary via Austria, on top of the approximately 20,000 that have arrived in the last 48 hours. Germany is distributing the migrants across the country and is struggling to register and house them. Many of the migrants are coming from Syria, Afghanistan and Iraq and are reaching western Europe via the Balkans. (Photo by Philipp Guelland/Getty Images)

Die Erleichterung ist den Flüchtlingen ins Gesicht geschrieben.
Bild: Getty Images Europe

Seit Tagen absehbar

Die Situation sei seit Tagen absehbar gewesen. Dennoch habe sich nichts getan. Er sei «bitter enttäuscht, dass es nun auf eine Situation zuläuft, in der wir sagen müssen: Wir haben für ankommende Flüchtlinge keinen Platz mehr.» Tausende weiterer Menschen würden in den nächsten Tagen ankommen. Die Balkanroute sei voller denn je, hiess es.

Bereits am Mittag hatte Reiter gesagt, er finde es seitens der anderen Bundesländer nach zehn Tagen «absolut dreist, zu sagen: Wir sind am Anschlag». Wer so spreche, solle sich in München ansehen, was «am Anschlag» bedeute.

Appell an Merkel

Reiter und Hillenbrand wiederholten ihren Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Bundesländer, München und die Region nicht allein zu lassen. Jeder Zug, der in einer anderen Kommune ankomme, sei eine Entlastung für München. Auch die Deutsche Bahn und private Bahnunternehmen seien an der Grenze ihrer Kapazitäten.

Wegen der sich dramatisch zuspitzenden Lage kommt das bayerische Kabinett an diesem Sonntag zu einer Sondersitzung zusammen, um weitere Sofortmassnahmen zu beschliessen. (sda/dpa/afp)

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