Der gestrandete Wal vor Deutschland hat sich befreit – erste Aufnahmen sind da
Was ist passiert?
Der Wal, der nahe der deutschen Küste in der Ostsee gestrandet war, hat sich befreit. Das hat der Biologe Robert Marc Lehmann am Freitagmorgen bestätigt. Schon davor machte in deutschen Medien die Meldung die Runde, dass das Tier in der Nacht verschwunden war. Später meldete die Bild zudem, dass der Wal durch den Einsatz von Drohnen in der Lübecker Bucht bei Sierksdorf gesichtet wurde.
Wie konnte sich das Tier befreien?
Am Donnerstag kämpfte ein Rettungsteam bis spät am Abend um die Befreiung des gestrandeten Wals in der deutschen Ostsee. Mit Baggern wurde eine Rinne gegraben, welche dem Tier die Befreiung erleichtern sollte. Auch Taucher waren im Einsatz – unter anderem Biologe Lehmann, der den Wal anzufeuern versuchte.
Vor allem am Abend bewegte sich der Wal immer weiter in Richtung der rettenden Rinne, erreichte diese aber nicht. Aus Sicherheitsgründen wurde die Rettungsaktion auf Freitag verschoben.
Gemäss deutschen Medienberichten hatte sich der Wal am Donnerstag rund 40 Meter von seinem ursprünglichen Ort in Richtung der Rinne bewegt. Zum Zeitpunkt des Abbruchs fehlten ihm noch rund zehn Meter zu dieser. Dem Tier dürfte zugute gekommen sein, dass der Wasserpegel in der Bucht nachts wegen des Windes gemäss einem Koordinator etwa einen halben Meter angestiegen war.
Wie geht es nun weiter?
Der Wal steckt zwar nicht mehr fest, gerettet ist er aber noch nicht. Robert Marc Lehmann sagt, er verspüre «vorsichtige Euphorie». Gleichzeitig bleibt das Schicksal des Wals unklar. «Er ist ja in keinem guten Gesundheitszustand», so der Biologe. Weiter seien noch immer die Reste eines Netzes in seinem Maul.
Eine definitive Prognose wagt Lehmann deshalb nicht. «Vielleicht finden wir ihn wieder und vielleicht sehen wir ihn nie wieder. Oder vielleicht liegt er einen Monat später tot am Strand», sagt er. Er würde aber «vorsichtig Entwarnung» geben, sollte das Tier in den nächsten Wochen nicht an einem anderen Strand auftauchen.
Zentral ist nun, dass der Wal den Weg aus der Ostsee in Richtung Nordsee und ins offene Meer findet. Um dem Tier zu helfen, begleiten es nun sechs Schiffe der Küstenwache, der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft und von Wissenschaftlern in Richtung Dänemark. Von dort aus soll es der Wal in den Atlantik schaffen.
Was weiss man über den Zustand des Wals genau?
Biologe Lehmann erklärte am Freitag, dass es sich um ein ausgewachsenes, altes Tier handle. Zunächst war davon ausgegangen worden, dass es ein Jungtier ist. Er ist schätzungsweise zwischen 12 und 15 Meter lang sowie rund 15 Tonnen schwer.
Wie es um den Gesundheitszustand des Tiers genau steht, ist schwer zu sagen. Biologen machte zuletzt vor allem der Zustand der Haut des Meeressäugers Sorgen. «Sie sieht schlecht aus», so Lehmann. Die Ostsee hat einen geringen Salzgehalt, was der Haut des Tieres schadet.
Auch sonst dürfte der Wal unter der langen Strandung gelitten haben. «Er ist schwach, der hat lange nichts gefressen», sagt Lehmann. Gleichzeitig sagte er am Donnerstag, dass er davon ausgehe, dass der Wal nicht zum Sterben in die Nähe der Küste gekommen sei. Das Tier wolle leben. (dab)
