Apple

Ein ungewöhnliches Gadget aus dem Zürcher Unterland. Bild: zvg

Abhörsicher und strahlenfrei

iStone statt iPhone – An diesem Schweizer «Smartphone» beisst sich nicht nur die NSA die Zähne aus 

Matt glänzend, in edlem Schwarz liegt das neue Gadget da. Nur mit dem Einschalten will es überhaupt nicht klappen. Das sei gut so, sagt Horst Bohnet. 

11.02.14, 09:28 11.02.14, 10:44

Natürlich hat ein Schweizer das perfekte Mittel gegen den «Dichtestress» erfunden. Es ist 180 Gramm schwer und sieht wie ein iPhone aus.

Auch bei der Namensgebung hat sich «Smartphone»-Bauer Horst Bohnet aus dem zürcherischen Buchs von Apple inspirieren lassen: Werden ihn die US-Anwälte postwendend verklagen?

Mehr als 200 Stück verkauft

Seit Dezember 2013 ist der iStone für 88 Franken auf dem Markt – und mittlerweile über 200 Mal verkauft worden, wie sein Erschaffer gegenüber watson verrät. Bohnet ist leidenschaftlicher Bildhauer und Philosoph. Er wolle mit dem Gadget – das ja eigentlich «nur» ein geschliffener und gravierter Steinklotz ist – , ein Zeichen setzen. «Es ist für alle, die sich selber dabei ertappen, dass sie viel Lebenszeit in der virtuellen Welt verschwenden und so ganz nebenbei das reale Leben verpassen.»

Der Fachmann erklärt, dass die Hardware aus «Nero Assoluto» oder «Gabro» bestehe. «Allgemein verständlich spricht man von Schwarzem Granit.» Als Ausgangsmaterial verwende er Steinplatten, die aus China oder Indien importiert würden. 

«Weil nur dort tiefschwarzes und feinkörniges Material vorkommt, das optisch den Eindruck eines echten Smartphones oder einer Touchscreen-Oberfläche erweckt.» Und weil damit auch eine Brücke geschlagen werde zu den Produktionsstätten der digitalen Geräte.

«Face to Face» statt «FaceTime»

Bearbeitet, geschnitten, geschliffen, poliert und beschriftet werden die Steine in der Schweiz, betont der Künstler. Alles von Hand. Und selbstverständlich gibt es die perfekte «Software» dazu – eine Hülle aus 100 Prozent Naturwollfilz, die in Deutschland hergestellt wird.

Er besitze kein eigenes Smartphone oder Handy, verrät Bohnet. «Wenn ich ausgehe und unter Leuten bin, habe ich immer den iStone dabei.» Das sei als persönliches Statement gedacht für echte Begegnungen und störungsfreie «Face to Face»-Kontakte.

Wo immer er das Kunsthandy zücke, entstehe eine Diskussion zum Thema Medienkonsum und Medienkompetenz. Der iStone sei ein Hingucker, sagt er mit Stolz. «Daneben verstummen die Gespräche über neue Apps

«Zeit und Ruhe sind der neue Luxus.»

Horst Bohnet sieht die jüngsten technischen Errungenschaften kritisch: «Wir sind von digitalen Kommunikationsmitteln versklavt und von einem Tempo getrieben, dem wir nicht mehr folgen können.»

Zeit und Ruhe seien der neue Luxus, findet der Bildhauer. «Die ständige Störung durch virtuelle Nichtigkeiten vertreibt, was uns im Leben am wichtigsten ist: Echte Freundschaften und Momente für uns selber.»

«Meine Skulpturen sind dreidimensionale Mitteilungen an die Mitmenschen», sagt Horst Bohnet. Bild: zvg

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 11.02.2014 18:35
    Highlight Die Samsung-Kopie, "Galaxy Stone", müsste dann künstlerisch aus Kunststoff (Granulat aus PET-Flaschen) aus einem 3D-Drucker kommen.
    2 1 Melden
    • iStone 12.02.2014 08:32
      Highlight Das wäre dann ein "Pet-Stone". Ein Revival aus den 60ern.
      0 0 Melden
  • poesie_vivante 11.02.2014 17:22
    Highlight Das iStone überzeugt mich vollends. Ich habe mich – obohl erst Mitte 20 – vor zwei Monaten von meinem iPhone verabschiedet und legte mir ein Samsung Handy zu, welches nichts kann als SMS schreiben und telefonieren. Und es fühlt sich fantastisch an! Natürlich habe ich auch kein iPad oder sonst irgendein Gadget, welches mich vom eigentlichen langweiligen Leben mit seichter Ablenkung beschützen will. Vielleicht kaufte ich mir nächstens ein iStone, da mich viele beim Gebrauch meines Steinzeit-Handys komisch anschauen ;-) Irgendwann wird sich wohl auch bei anderen Smartphone-Benutzern eine gewissen Ermüdungserscheinung einstellen ... und dann werde ich vielleicht nicht mehr krumm angeschaut werden.
    4 0 Melden
    • iStone 12.02.2014 08:36
      Highlight Du wirst sehen, wenn du das wirkliche Steinzeithandy "iStone" zückst, hast du sofort viele neue Freunde welche sagen: "gefällt mir!" Das Teil wird trotz permanenre Stummschaltung zum "talking piece" Viel Spass beim App-schalten...
      1 0 Melden
    • steven g. 12.02.2014 21:13
      Highlight "Zeit und Ruhe seien der neue Luxus, findet der Bildhauer." finde ich auch.
      0 0 Melden

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