Darum zieht die Schweiz in den Halbfinal ein – und diese Gefahren lauern gegen Schweden
WM-Final 2013 gegen Schweden mit 1:5 verloren, WM-Viertelfinal 2017 gegen Schweden mit 1:4 verloren und den WM-Final 2018 gegen Schweden im Penaltyschiessen verloren. In den letzten 13 Jahren traf die Schweiz in K.o.-Spielen dreimal auf Schweden und ging immer als Verlierer vom Eis.
Nun wird die Schweiz nach einer perfekten Gruppenphase an der Heim-WM im Viertelfinal ausgerechnet mit «Angstgegner» Schweden belohnt. Vor dem kapitalen Spiel gegen die Skandinavier schauen wir, was für das Team von Nati-Trainer Jan Cadieux spricht und worauf die Schweizer achten müssen.
Die Form
Während die Schweiz in der Gruppenphase jedes Spiel gewann und dies meistens in souveräner Art und Weise (immer mit mindestens zwei Toren Differenz), quälte sich Schweden bisher durch das Turnier. Nicht nur verlor das Team von Trainer Sam Hallam gegen Kanada und Tschechien, sondern blamierte sich auch noch gegen Aussenseiter Norwegen.
Am Dienstag spielte die Schweiz gegen Finnland im letzten Vorrundenspiel nur noch um den Gruppensieg, während es für die Schweden gegen die Slowakei bereits um alles ging. Nach einem Horrorstart konnte der 11-fache Weltmeister die Partie noch drehen und sicherte sich so doch noch das Viertelfinalticket.
Unterzahl
Während die Schweiz und Schweden an dieser WM fast das gleich gute Powerplay haben (Schweizer Erfolgsquote: 34,78 Prozent, Schweden: 33,33 Prozent), gibt es beim Penalty Killing einen grossen Unterschied. Die Schweiz kassierte im ganzen Turnier bisher erst einmal ein Tor in Unterzahl und überstand die Situation mit einem Mann weniger auf dem Eis 13-mal schadlos. Kein Team an dieser WM ist in Unterzahl bisher so gut wie die «Eisgenossen».
Im unteren Mittelfeld klassiert sich dagegen Schweden. In fünf von 19 Unterzahlsituationen schlug es im Tor der Tre Kronor ein. Nur Tschechien hat von den Viertelfinalisten ein noch schlechteres Penalty-Killing als die Schweden.
Goalies
Ohne Diskussionen: Leonardo Genoni ist bisher der beste Torhüter an diesem Turnier. In vier Partien kassierte der Schweizer Schlussmann erst zwei Treffer und blieb zwei Spiele (gegen Österreich und Ungarn) ohne Gegentor. Der 38-Jährige zeigt einmal mehr, dass er in der Nationalmannschaft eigentlich immer in bestechender Form ist. Mit Reto Berra kann die Schweiz auch noch auf eine starke Nummer zwei zählen.
Auf der anderen Seite stehen zwei schwedische Torhüter, die an diesem Turnier bisher gar nicht überzeugen konnten. Arvid Söderblom (Fangquote: 89,13 Prozent) und Magnus Hellberg (Fangquote: 85,53 Prozent) zeigen bisher sehr enttäuschende Leistungen. Ausgerechnet jetzt wartet die bisher beste Offensive dieses Turniers. 39 Tore erzielte die Schweiz, mehr als jeder sechste Schuss der Schweiz ist bisher ein Treffer.
Offensive Breite
Da kommen wir gleich zum nächsten grossen Schweizer Vorteil. Gleich vier Schweizer sind in der Skorerliste in den Top Ten dabei. Neben Sven Andrighetto, mit 13 Skorerpunkten aktuell der WM-Topskorer, sind auch Timo Meier, Denis Malgin und Nico Hischier aktiv am Punkte sammeln.
Bei Schweden ist einzig Lucas Raymond (11 Skorerpunkte) in den ersten 15 vertreten. An der laufenden WM hat Schweden bisher zwölf Tore weniger erzielt als die Schweiz.
Heimpublikum
Die Swiss Life Arena wird am Donnerstagabend beben. Die gesamte Hockey-Nation sehnt sich nicht nur nach der ersten WM-Goldmedaille, sondern auch nach einem Sieg gegen diese Schweden.
Wenn die Schweizer auch im Viertelfinal ähnlich wie in den anderen Partien wie die Feuerwehr starten, kann es eigentlich nur gut kommen.
Die Gefahren
Punktemaschine Raymond
Der bereits oben erwähnte Lucas Raymond sammelte an dieser WM bisher in jedem Spiel mindestens einen Skorerpunkt und gegen Dänemark war der Flügel der Detroit Red Wings gleich an drei Treffern beteiligt.
In der NHL zeigte der 24-Jährige eine starke Saison und sammelte wie in den zwei Jahren zuvor über siebzig Skorerpunkte. Bei den Olympischen Spielen gehörte Raymond zu den drei besten Skorern des Turniers.
Der Druck liegt bei der Schweiz
Wahrscheinlich zum ersten Mal in der Geschichte der Eishockey-WM ist die Schweiz in der K.o.-Phase gegen Schweden Favorit. Eigentlich spricht alles für die Schweizer Nati, aber die Schweden können nach der schwierigen Viertelfinalqualifikation wohl mit weniger Druck auf den eigenen Schultern antreten.
Dazu kommt, dass die Schweden wissen, wie man die Schweizer schlagen kann. Nicht nur gab es in den letzten Jahren bittere Niederlagen für die Nati, sondern auch in der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft im eigenen Land verlor die Schweiz zweimal klar und deutlich gegen den Angstgegner.
Kann die Schweiz mit Rückständen umgehen?
Kleine Rückschläge gab es für die Schweizer bereits an dieser WM. Zum Beispiel am letzten Spieltag, als Finnland ein 0:2 im zweiten Drittel aufholen konnte. Die Schweizer zeigten Charakter und sorgten drei Minuten vor dem Ende für die Entscheidung.
Doch wie reagiert die Schweiz darauf, wenn sie im Viertelfinal gegen Schweden schnell mit einem oder zwei Toren zurückliegt? Beantworten kann man diese Frage fast nicht und muss hoffentlich auch nicht. Im gesamten Turnier lag die Schweiz bisher noch nie im Rückstand.
