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Justiz

Schweden: Mann verkauft Frau mehr als 300 Mal an Freier – verurteilt

Schwede verkauft seine Frau mehr als 300 Mal an Freier – so lange muss er hinter Gitter

Ein 61-Jähriger liess seine Ehepartnerin überwachen, misshandelte sie laut Gericht und bot sie 120 Kunden an, teils mehrfach. Die Strafe bleibt hinter dem zurück, was die Staatsanwaltschaft forderte.
18.06.2026, 04:3718.06.2026, 05:05
Niels Anner, Kopenhagen / ch media
Das Gerichtsgebäude in Härnösand, Schweden.
Das Gerichtsgebäude in Härnösand, Schweden.Bild: Mats Andersson/Iago

Der letzte Sexkunde war gerade gegangen, als der Schwedin in einer Nacht im letzten Oktober die Flucht gelang. Sie hatte herausgefunden, wo der blinde Winkel der im ganzen Haus installierten Kameras war; Kameras, mit denen ihr Mann sie jahrelang überwacht und beim Sex mit anderen Männern gefilmt hatte.

Jetzt rannte sie nackt von dem abgelegenen Hof ausserhalb der mittelschwedischen Kleinstadt Kramfors davon und rief die Polizei an. «Ich war gefangen in meinem eigenen Haus», berichtete sie, man hörte ihr die Angst an. Nach drei Jahren gelangte sie in Sicherheit.

Seit 2022 hatte sie ihr 61-jähriger Mann laut Anklageschrift immer wieder mit Gewalt bedroht, sollte sie ihn verlassen. Er soll ihr Rippen gebrochen, Drogen verabreicht und ihr gedroht haben, sie anzuzünden. Gleichzeitig bot der Mann, der früher Mitglied der Rockergruppe Hells Angels war und sich selbst als «Monster» bezeichnete, seine Frau 120 Freiern zum Sex an – mindestens 300 Mal kam es laut der Staatsanwaltschaft zu sexuellen Handlungen online und physisch, im eigenen Campingwagen oder an anderen Orten wie Hotels.

Der Fall hat in Schweden schockiert und grosse Aufmerksamkeit erregt, nicht zuletzt, weil er an die Misshandlungen des Franzosen Dominique Pelicot erinnert. Dieser hatte seine Frau Gisèle über Jahre hinweg betäubt und Dutzenden Männern zu Vergewaltigungen überlassen.

Viereinhalb Jahre Gefängnis und Schmerzensgeld

Am Dienstag wurde der 61-jährige Schwede Thomas R. nun vor Gericht wegen schwerer Zuhälterei, versuchter Vergewaltigung und weiterer Delikte zu vier Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Zudem muss er umgerechnet 17'000 Franken Schmerzensgeld bezahlen. R. habe seine Frau bedroht, beschimpft und erniedrigt und sie rücksichtslos ausgebeutet, erklärte das Gericht. Und er habe die Kunden gesucht und die Einkünfte der bis ins Detail geplanten Sexgeschäfte kassiert.

Allerdings wurde der Angeklagte nicht wegen mehrfacher Vergewaltigung verurteilt, wie es die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Das Gericht erklärte, es sehe nicht alle Vorwürfe der Anklage als erwiesen an. Die Beweise, die neben den Aussagen des Ehepaars aus einer grossen Menge von Videoaufnahmen, Chats und anderen Handydaten bestanden, zeigten nicht klar, dass die Frau gegen ihren Willen an den sexuellen Handlungen beteiligt gewesen sei. Erschwerend kam laut dem Gericht hinzu, dass sich das Opfer an viele Situationen nicht mehr erinnern konnte.

Der Angeklagte hatte zu seiner Verteidigung erklärt, er habe seine Frau nie gezwungen, sondern ihr lediglich geholfen, ihren Traum zu verwirklichen, als «Luxusprostituierte» zu arbeiten. Seine Gattin dagegen hatte ausgesagt, sie sei geflohen, als sie endlich einen Beweis für den Zwang zur Prostitution hatte: Ein SMS, in dem R. schrieb, sie solle «einfach Sex haben und gehorchen». Die Staatsanwaltschaft vertrat die Auffassung, das Opfer sei vollständig kontrolliert worden und habe faktisch gar nicht nein sagen können zum Sexverkauf.

Weil das Gericht die Vergewaltigungsvorwürfe nicht als erwiesen ansah, fiel die Strafe deutlich tiefer aus als bei Pelicot, der 20 Jahre Haft erhielt. «Leider», sagte die Verteidigerin der Schwedin, Silvia Ingolfsdottir, zeige dieses Urteil, dass es noch ein weiter Weg sei, Frauen vor solcher Ausbeutung zu schützen. Sie gehe davon aus, dass ihre Mandantin in Berufung gehen wolle.

Zusätzlich zu R. wurden 28 weitere Männer verurteilt – wegen Sexkäufen. Diese sind in Schweden illegal, bestraft werden aber nur Freier, nicht Prostituierte. Das Gericht sah 56 Sexkäufe als erwiesen an; in vielen Fällen fehlten Beweise oder sie waren verjährt. Zwei Männer erhielten Gefängnisstrafen, der Rest wurde zu Geldbussen oder gemeinnütziger Arbeit verurteilt. (schweizheute.ch)

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53 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Doppellottotreffer
18.06.2026 04:58registriert September 2021
So, das ist also die gerichtliche Handhabung des "nordische Modells"... nur gerade mal 4 lumpige Jahre Haft und lächerliche 17'000.- Entschädigung für seine Ehefrau unter Gewaltanwendung und Todesdrohungen zwangsprodtituiert zu haben
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Malaclypse
18.06.2026 04:54registriert Oktober 2023
What the...???
...vier Jahre und fünf Monaten Gefängnis... 17'000 Franken Schmerzensgeld... Seit 2022... viele Fälle...waren verjährt... ...wurde zu Geldbussen oder gemeinnütziger Arbeit verurteilt.

Also reicht es in Schweden, wenn man es nicht direkt Prostitution nennt und das Opfer kein photographisches Gedaechtnis hat um alles im Detail zu beschreiben, damit man jemanden einsperren und ausbeuten kann ohne wirkliche Strafe zu befuerchten?
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stronghelga
18.06.2026 07:00registriert März 2021
Der Verurteilte Tomas Runsten, ehemaliger Berufsmilitär und Hells Angels Präsident, war bereits früher wegen Körperverletzung (2003) sowie Körperverletzung und Nötigung (2006, 5 Monate Freiheitsstrafe) verurteilt worden. (Quellen: Dagens Nyheter, 04.12.2003; Zaramis, 21.11.2020 und 17.02.2026)

Die Opfervertreterin Silvia Ingolfsdottir kündigte einen Weiterzug an. (Omni, 17.06.2026)
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