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Ist da irgendjemand im Büro? Derzeit nicht wirklich.
Ist da irgendjemand im Büro? Derzeit nicht wirklich.
bild: keystone

Keine Lust, ins Büro zu gehen – nur 15 Prozent der Büroflächen werden derzeit genutzt

Neue Gewohnheiten und Angst vor Delta: Die Menschen kehren nur zaghaft ins Büro zurück.
29.08.2021, 10:57
Florence Vuichard / schweiz am wochenende

Eigentlich war vorgesehen, dass die Menschen nach den Sommerferien wieder zurückkehren an ihren angestammten Arbeitsplatz, oder wenigstens teilweise. Aber dem ist nicht so. Bei weitem nicht. Das zeigen die neusten Belegungsdaten der Zürcher Firma Locatee, deren Geschäft darin besteht, immer genau zu wissen, wie viele Personen sich im Büro befinden.

Und das sind derzeit nicht viele: In der Schweiz werden gerade mal 15 Prozent der Büroflächen genutzt. Der Wert ist damit zwar doppelt so hoch wie in Grossbritannien und auch besser als in Frankreich und Italien, aber deutlich tiefer als in Deutschland, wo mittlerweile immerhin wieder gut ein Viertel der Büroflächen genutzt wird.

Gründe, weshalb die Belegungszahlen international auf tiefem Niveau verharren, reichen von den unterschiedlichen regulatorischen Vorgaben über die Schwierigkeiten, Routinen zu verändern, bis hin zur wachsenden Unsicherheit, die mit der Ausbreitung der Delta-Variante zusammenhängt.

Der Weg zurück ins Büro ist schwieriger als der Weg ins Homeoffice

So haben etwa in den Vereinigten Staaten bereits etliche Unternehmen den offiziellen Bürorückkehrtag vom September vorsorglich nach hinten geschoben in den Oktober, darunter etwa auch Google oder der US-Ableger der Credit Suisse.

Amazon und Facebook sind sogar einen Schritt weitergegangen und haben angesichts der steigenden Ansteckungszahlen den Bürostart ins kommende Jahr verlegt.

«Die Rückkehr ins Büro ist deutlich schwieriger als der Gang ins Homeoffice, der im März 2020 quasi über Nacht verordnet wurde», sagt denn auch Locatee-Gründer Thomas Kessler. «Und das widerspiegelt sich in unseren Zahlen.»

Thomas Kessler, Gründer und CEO von Locatee.
Thomas Kessler, Gründer und CEO von Locatee.
bild: zvg

In der Tat: Im März des vergangenen Jahres stürzt der Belegungswert in allen Ländern ab – von rund 70 Prozent auf praktisch Null. Im Sommer 2020 startet die erste Rückholaktion, mit der hierzulande wieder über ein Drittel der Büroarbeitsplätze besetzt werden.

Im September 2020 kommt die Schweiz auf eine Auslastung von knapp 44 Prozent, ein Wert, der weder in Deutschland, Frankreich, Italien noch Grossbritannien erreicht wird. Danach geht es wieder abwärts, und mit der bundesrätlich verordneten Homeoffice-Pflicht sinken die Zahlen gar unter die 10-Prozent-Marke, wo sie bis Ende Juli 2021 auch bleiben.

Kessler ist überzeugt, dass sich die Art der Büronutzung nachhaltig wandeln wird: «In einer hybriden Arbeitswelt wird sich die Rolle des Büros verändern.» Vor Corona sei die Büropräsenz der Standard gewesen, von Zuhause aus arbeiten durften nur ein paar wenige, privilegierte Mitarbeitende.

Und diese taten das am liebsten am Montag oder am Freitag, wie sich aus Kesslers Bürobelegungszahlen aus den Jahren vor der Pandemie ablesen lässt. «Doch nun ist Flexibilität der neue Mainstream.»

Ort der Begegnung statt reiner Arbeitsort

Die Folge: «Das Büro wird zunehmend zum Ort der Begegnung», sagt Kessler. Welche Auswirkungen das auf die benötigten Flächen haben wird, sei aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar. Weniger individuell reservierte Arbeitsplätze reduzierten zwar den Flächenbedarf, gleichzeitig brauche es mehr Raum für Sitzungszimmer, für informelle Treffen und den direkten Austausch.

«Es wird jetzt darum gehen, die richtige Balance zu finden zwischen den Bedürfnissen und der Zufriedenheit der Mitarbeitenden und den Kosten für die Bürofläche, welche die Arbeitgeber bezahlen müssen.»

Locatees Kunden sind grosse Firmen, verteilt in rund 60 Ländern, die wissen möchten, wie gut sie ihre Büroflächen ausnutzen. Und genau diese Antwort liefert ihnen das Unternehmen, das Kessler 2015 gemeinsam mit Benedikt Köppel gegründet hat und das heute rund 60 Angestellte hat. «Wir zählen Leute», sagt Kessler.

Aber nicht mit Stift und Papier, wie das früher der Fall war, sondern indem er ein technisches Messsystem in den Büroräumlichkeiten einbaut, dass die Funksignale von Computer und Mobiltelefonen misst.

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