10'000 Franken für vier Sitzungen – verdienen Verwaltungsräte zu viel?

Jeder Verwaltungsrat der kantonseigenen BDWM-Bahn im Aargau verdient mindestens 10'000 Franken – für vier Sitzungen pro Jahr. Das stört SVP-Grossrat Martin Keller: Er lanciert einen Vorstoss.

18.08.15, 08:28 18.08.15, 22:51

Jörg Meier / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der

In der Regel tagt der sechsköpfige Verwaltungsrat der BDWM Transport AG vier Mal pro Jahr. 2015 soll jeder gewöhnliche Verwaltungsrat für diese vier Sitzungen 10'000 Franken Honorar erhalten, der Vizepräsident 14'000 und der Präsident gar 32'000 Franken. 

Jeder Sondereffort wird zusätzlich mit 200 Franken pro Stunde vergütet. Zusätzliches Geld gibt es auch für das Mitwirken etwa im Prüfungs- und Risikoausschuss. Schliesslich erhalten alle Verwaltungsräte als pauschale Spesenentschädigung ein Generalabonnement der 1. Klasse.

Martin Keller, SVP-Grossrat und Nationalratskandidat stört sich an den seiner Meinung nach zu hohen Honoraren und Entschädigungen. Er verlangt jetzt Auskunft vom Regierungsrat. 

SVP-Mann Martin Keller. bild: pr

Steigerung um 525 Prozent

Die BDWM Transport AG entstand im Jahr 2000 aus der Bremgarten-Dietikon-Bahn und der 1997 auf Busbetrieb umgestellten Wohlen-Meisterschwanden-Bahn. Sie betreibt auch den SBB-Bus Zofingen/Reiden, den Schnellbus Bremgarten/Remetschwil-Zürich Enge und die Limmat Bus AG.

Die BDWM Transport AG mit Sitz in Bremgarten gehört zu 51,84 Prozent dem Kanton Aargau, zu 30,28 Prozent dem Bund. Der Kanton Zürich besitzt 7,87 Prozent, diversen Gemeinden gehören 7,44 Prozent, diversen Privaten 2 Prozent – und 1 Prozent gehört der BDWM selber.

Weil der Kanton Hauptbesitzer der BDWM ist, stellt Grossrat Martin Keller in einer Interpellation dem Regierungsrat verschiedene, aus seiner Sicht drängende Fragen. Keller hat recherchiert und gerechnet. Und hat herausgefunden, dass die Honorare für Verwaltungsratstätigkeiten von 2001 bis 2015 zwischen 272 und 525 Prozent gestiegen sind. 

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Konkret: Bezog ein Verwaltungsratsmitglied 2001 noch 1600 Franken pro Jahr, sind es heute bereits 10'000. Der Vizepräsident erhielt 2001 noch 2600 Franken, heute sind es 14'000 – und der VR-Präsident steigerte sich von 8600 auf 32'000 Franken. «Das erinnert an einen Selbstbedienungsladen», erklärte Keller gegenüber der AZ. Denn die Aufgaben des Verwaltungsrates seien keineswegs grösser oder schwieriger geworden. Zumal die Geschäftsleitung der BDWM Transport AG hervorragende Arbeit leiste.

GA für 5970 Franken

Deshalb möchte Keller vom Regierungsrat wissen, ob der Kanton Aargau als Hauptaktionär die überdurchschnittlich gestiegenen Honorare bemerkt und bewilligt habe. Und wie sich das mit der Sorgfaltspflicht im Bezug auf Steuergelder vereinbaren lasse. Keller möchte weiter wissen, wie sich das Anrecht auf ein kostenloses Generalabonnement 1. Klasse als Spesenpauschale rechtfertigen lasse. Zur Erinnerung: Es handelt sich um vier Sitzungen in Bremgarten; ein GA 1. Klasse kostet zurzeit 5970 Franken.

Keller wundert sich, dass die BDWM Transport AG die «Altersguillotine» wieder aufweicht, nachdem man erst vor wenigen Jahren das Pensionsalter von 65 Jahren für den Verwaltungsrat festgelegt hatte. Von der Aufhebung profitiert Verwaltungsratspräsident Herbert Huber, er kann auch mit Jahrgang 1947 weiter im Amt bleiben. Weiter möchte Martin Keller wissen, wie der Kanton als Hauptaktionär den Verwaltungsrat künftig kontrollieren wird; ob sich die BDWM Transport AG nicht mit weniger Verwaltungsräten führen liesse.

Schliesslich erkundigt sich Keller, wie es mit dem Synergiepotenzial bei den Verwaltungsräten der Privatbahnen im Aargau bestellt sei. Ob es Möglichkeiten zum Know-how-Transfer und zur Honorarsenkung gebe. Für einen Verwaltungsrat kommt dieser Vorstoss zur denkbar schlechtesten Zeit: Walter Dubler, Wohler Gemeindeammann und unter politischem Dauerbeschuss wegen umstrittenen Geldbezüge, sitzt seit 2001 auch im BDWM-Verwaltungsrat. 

(aargauerzeitung.ch)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Crecas 18.08.2015 12:21
    Highlight 10000 sind nun wirklich sehr tiefe Bezüge für einen VR. Aber da es sich um ein staatliches Unternehmen handelt, gibt es vom VR wohl auch wenig Arbeit zu verrichten. Darum ist die Höhe wohl gerechtfertigt oder zu hoch. Aber das kann man aus der Fer e schlecht beirteilen.

    Der Eigentümer des Unternehmens legt das VR Gehalt fest. Nicht wie in einem anderen Kommentar geschrieben der VR selber. Dieser macht nur einen Vorschlag. Das Problem ist, dass viele Aktionäre ihre Pflicht zu kontrollieren und abzustimmen nicht wahrnehmen. Jetzt macht dies ein Politiker und er hat auch das Recht dazu, da der Kanton ja Mehrheitseigner ist. Das ist auch gut so. Der Eigentümer entscheidet.
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  • Samst4r 18.08.2015 10:22
    Highlight Verwaltungsrat zu sein ist kein Beruf, sondern viel mehr eine Funktion in welcher man seine Erfahrungen - welche man durch den Beruf erlernt hat - nun anwenden kann.
    Bei Familienfirmen wird oft die jüngere Generation in den VR aufgenommen, damit ihnen die Gesamtsicht vermittelt werden kann. Beruflich stehen sie jedoch noch am Beginn, also noch nicht in der Teppichetage.
    Sind TCHF 10 gerechtfertigt? Kommt aufs Resultat an, aber nüchtern betrachtet ist dies nicht der höchste Betrag, welchen ich schon als VR-Bezug gesehen habe.
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  • PolloHermano 18.08.2015 09:23
    Highlight Ich denke, das Problem liegt darin, dass die Verwaltungsräte bei weniger hohen Salärzahlungen abgewerbt würden. Die DBWM-Bahn muss fast solch hohe Saläre bezahlen, denn die anderen tun es
    ja auch. Genau darin liegt die Ursache des Problems! Die Löhne für Verwaltungsräte sind branchen- und firmenübergreifend zu hoch angesetzt.
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    • Karl33 18.08.2015 09:50
      Highlight Und wer legt die Vergütungen fest? Die Verwaltungsräte. Clever.
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  • Asmodeus 18.08.2015 09:18
    Highlight So ist das Leben eines Verwaltungsrats halt.

    Kaum Arbeit. Viel Kohle.

    Vor Allem da Verwaltungsräte ja meistens nicht nur bei einer Firma angestellt sind sondern bei X verschiedenen.

    Da arbeitet man halt gerne mal mit ner 50%-Stelle bei 6 verschiedenen Firmen und streicht mal locker 7-stellige Beträge im Jahr ein.

    Die Abzockerinitiative hätte regeln sollen, dass Verwaltungsräte/CEOs keine Zweitjobs annehmen können. Wenn ich ne Firma leite, bin ich gefälligst auch 100% nur dafür zuständig.
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  • Karl33 18.08.2015 08:59
    Highlight Ich finde, in einer Zeit des angelsächsischen Raubtierkapitalismus, den die SVP unter Blocher auch in der Schweiz salonfähig gemacht hat, sind die Bezüge voll i.O. Fast schon Taschengeld aus der Portokasse.
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