Sport
Eismeister Zaugg

Eishockey-WM: Schweiz dominiert Lettland – Eismeister Zaugg schätzt ein

From left: Switzerland's Pius Suter, Switzerland's Sven Andrighetto, Switzerland's Damien Riat, Switzerland's Denis Malgin and Switzerland's Roman Josicelebrate after scoring  ...
Die Schweizer waren durch das gesamte Spiel hinweg das torgefährlichere Team.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Die Reife eines Titelanwärters beim 4:2 gegen Lettland

Die helvetischen Hockey-Festspiele in Zürich gehen weiter. Mit hohem Unterhaltungswert. Der Pflichtsieg (4:2) gegen Lettland ist ein Sturmlauf, gewürzt mit ein wenig Drama, einem Happy End und dem Bestehen einer Zwischenprüfung auf dem Weg zu höheren Zielen.
16.05.2026, 23:0616.05.2026, 23:06

Wenn Sandro Aeschlimann ins Tor darf, dann wird der Sieg erwartet. Dann droht keine Gefahr. Dann scheint alles klar. Gegen Lettland, gegen eine Mannschaft mit lediglich einem NHL-Profi im Aufgebot und mit einer Nummer 2 aus der höchsten deutschen Liga im Tor, ist die Frage nicht: Wer gewinnt? Sondern nur: Wie hoch gewinnt die Schweiz? Mit zwei, drei oder vielleicht gar fünf oder sechs Toren. An Ende werden es vier sein.

KEYPIX - From left: Switzerland's goaltender Sandro Aeschlimann, Latvia's Martins Dzierkals and Switzerland's Janis Moser fight for the puck during the 2026 IIHF Men's Ice Hockey W ...
Sandro Aeschlimann überzeugt im Tor gegen Lettland.Bild: keystone

Aber so einfach wie das Schlussresultat vermuten lässt, war es nicht. Der phasenweise begeisternde Sturmlauf zum zweiten Sieg ist zwei Drittel lang ein Geduldsspiel. Es braucht mehr als 30 Minuten und 30 Schüsse bis zur Erlösung mit dem 2:1 nach 30 Minuten und 10 Sekunden im Powerplay.

Ohne Schrecksekunden ging es nicht. Postwendend auf das 1:0 folgt der Konter zum 1:1. Und dieser Treffer zeigt, warum Sandro Aeschlimann auf diesem Niveau nicht zur Nummer 1 taugt. Wieder fehlt dieser letzte Zentimeter Grösse. Wieder kommt das Ducken einen Augenblick zu früh und der Puck zischt oben ins Netz. So wie es in der Meisterschaft halt auch hin und wieder auch der Fall ist. Aber der zweite Gegentreffer in der Schlussminute ist unhaltbar.

Dominanz garantiert nichts. Wer im Eishockey die Scheibe hat, besitzt noch lange nicht die Hoheit über das Schicksal. Die Einbahnstrasse Richtung gegnerisches Tor ist nicht immer die Via Triumphalis, die direkt zum Sieg führt. Manchmal endet sie im Kreisverkehr der Zweifel und nach zwei Dritteln resultieren aus 34:11 Torschüssen bloss zwei Treffer und am Ende sind es bei 43:22 Abschlussversuchen nur vier Tore. Wenn zehn Feldspieler in der gegnerischen Zone beschäftigt sind, dann prallt der Puck immer irgendwo an einem Stock, einem Schlittschuh, einem Bein ab. So war es gegen Lettland.

Am Ende ist es ein Pflichtsieg. Und doch haben die Schweizer in dieser Partie etwas Wertvolleres gezeigt, als es die letztlich ungenügende offensive Brillanz vermuten lässt. Sie haben eine weitere Zwischenprüfung auf dem Weg zu höheren Zielen bestanden.

Wahre Klasse zeigt sich nicht in den Spielen, in denen alles leichtfällt. Sondern dann, wenn es nicht gleich so läuft wie erwartet und der Puck einfach nicht den Weg nehmen will, den er nehmen sollte, nehmen müsste.

Die Schweizer haben sich nie frustrieren lassen. Nicht nach den vergebenen Chancen. Nicht nach dem Ausgleich. Sie sind einfach durchmarschiert. Unbeeindruckt fehlenden Glück im Abschluss. Unbeeindruckt vom Gegentor zum 1:1. Mit der Gewissheit einer Mannschaft, die weiss, dass es am Ende doch reichen wird.

Den Bann zum 2:1 bricht Timo Meier. Der offensive Titan aus der NHL. Solche Tore werden von ihm erwartet. Den Erfolg besiegelten die Stars aus unserer National League. Doppel-Torschütze Damien Riat wird zum besten Spieler der Partie gewählt.

Switzerland's Damien Riat skates with the puck during the Group A preliminary round game between Switzerland and Latvia at the men's ice hockey world championship, Saturday, May 16, 2026, in ...
Damien Riat überragt mit zwei Toren und wird zum besten Spieler der Partie gewählt.Bild: keystone

Das ist die wichtigste Erkenntnis dieses Abends: Früher hätten solche Spiele die Schweizer aus der Bahn geworfen. Früher hätte ein unerwarteter Gegentreffer Zweifel gesät. Man hätte begonnen, den Sieg erzwingen zu wollen.

Heute, nach zwei WM-Finals hintereinander ist alles anders. Diese Mannschaft hat gelernt, mit schwierigen Situationen umzugehen und doch einen Weg zum Sieg zu finden. Und nach mühseligen zwei Dritteln folgen im Schlussdrittel doch noch die klare Überlegenheit und die Effizienz die erforderlich sind, um höhere Ziele zu erreichen. Auch die interne Kommunikation funktioniert: Eine Offside-Position vor dem 4:2 wird von Video-Coach Benoit Pont erkannt, die Coaches Challenge führt zur Annullierung des zweiten Treffers der Letten (55. Minute). Nordamerikaner nennen solche Siege „character wins“. Siege des Charakters.

Und genau das ist dieses 4:2 gegen Lettland. Ein Sieg des Charakters eines Teams mit der Reife zum Titelanwärter. Das hat auch etwas mit der Ruhe von Nationaltrainer Jan Cadieux zu tun.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 14
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
14 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Curbi
17.05.2026 00:21registriert Februar 2020
Glaube nicht, dass Genoni das 1:1 gehalten hätte. Ist doch auch vollkommen egal. Sieg ist Sieg, weiter gehts.
651
Melden
Zum Kommentar
avatar
Trajan
17.05.2026 00:25registriert Juli 2021
Also das. 1:1 als haltbar zu bezeichnen finde ich mehr als unfair! Da muss Aeschlimann volle Pulle verschieben und der Schuss geht dann perfekt unter die Latte! Wie soll er da aufrecht verschieben können?
653
Melden
Zum Kommentar
avatar
Heini Hemmi
17.05.2026 03:17registriert November 2017
Kein Torhüter dieser Welt hätte das 1:0 gehalten. Aeschlimann hat Weltklasse gehalten. Auch wenn das der Genoni-Verehrer K.Z. nicht gesehen haben will.
332
Melden
Zum Kommentar
14
USA feiert ersten Sieg an der WM – Slowakei schlägt Italien
Titelverteidiger USA feiert an der WM in Zürich und Freiburg den ersten Sieg. Nach der 1:3-Auftaktniederlage gegen die Schweiz gewinnen die Amerikaner ihr zweites Spiel gegen Grossbritannien 5:1.
Zur Story