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Leiche im Hallwilersee: Pathologe Semmelweis, Bestatter Conrad und die Polizisten Doerig und Giovanoli (von links) müssen einen Mordfall aufklären.
Leiche im Hallwilersee: Pathologe Semmelweis, Bestatter Conrad und die Polizisten Doerig und Giovanoli (von links) müssen einen Mordfall aufklären.Bild: SRF/Sava Hlavacek
Start zur dritten Staffel

Papierene Dialoge, plumpe Pointen – «Der Bestatter» ermittelt wieder

06.01.2015, 21:0207.01.2015, 10:21

Es «tötelet» wieder im Aargau: Aus dem Hallwilersee wird die Leiche der schönen Putzfrau Marisa Müller-Loreda gezogen. Sie wurde vergewaltigt und erwürgt. Unter Verdacht stehen ein biederer Mathilehrer, bei dem sie heimlich Nachhilfestunden für die Berufsmatur nahm, und ein archetypischer Schnösel-Banker (Koks! Nutten!!).

Um «Offene Wunden» geht es in der ersten von sechs neuen Folgen des SRF-Serienhits «Der Bestatter». Der österreichische Pathologe Alois Semmelweis (Martin Ostermeier), der am Ende der zweiten Staffel niedergeschossen wurde, kehrt an seinen Arbeitsplatz zurück, steht aber immer noch total neben den Schuhen. Prompt vermasselt er eine Autopsie.

Semmelweis ist ziemlich durch den Wind.
Semmelweis ist ziemlich durch den Wind.bild: SRF/Sava Hlavacek

Der dämonische «Organhändler» Louis Lauener (Mathias Gnädinger) wird nach nur einem Jahr aus der JVA Lenzburg entlassen und spinnt erneut seine intriganten Fäden. Die neu entflammte Liebe zwischen Bestatter Luc Conrad (Mike Müller) und Hauptkommissarin Anna-Maria Giovanoli (Barbara Terpoorten) scheint bereits wieder zu erkalten. Und Conrads Assistent Fabio Testi (Reto Stalder) hat eine Band. Aber das tut vor allem in den Ohren weh.

Es wird viel in diesen Auftakt zur dritten Staffel hineingepackt. Zu viel. Die Episode wirkt überladen, sprunghaft und gleichzeitig seltsam statisch. Das liegt auch am Bestatter selbst, der seine Rolle als ruhender Pol der Serie etwas zu penetrant ausspielt.

Konnte man etwas Anderes erwarten? 

«Der Bestatter» mag ein Quotenhit sein, die Drehbücher bleiben der grosse Schwachpunkt. Die Dialoge sind papieren, statt zündende Ideen werden plumpe Pointen serviert. So erhält der forsche Polizist Reto Doerig (Samuel Streiff) bei seinen Ermittlungen auf einem Golfplatz einen Ball an den Kopf geknallt. Und wenn Hobbykoch Conrad dem gleichen Doerig «Palatschinken mit Vanillesauce» anbietet, versteht der natürlich nur Schweinefleisch.

Reto Doerig hält den Ehemann des Opfers im Zaum.
Reto Doerig hält den Ehemann des Opfers im Zaum.Bild: SRF/Sava Hlavacek

Dabei bleibt Doerig ein Lichtblick der Serie. Die Macher haben seine Rolle in der dritten Staffel aufgewertet, zu Lasten von Anna-Maria Giovanoli, die noch blasser und profilloser wirkt als bisher. Am Ende entpuppt sich der Koksbanker als Mörder. Er wird vom Ehemann des Opfers – Typus besitzergreifender Schlappschwanz – in einem Showdown gestellt, bei dem jede Glaubwürdigkeit flöten geht. Immerhin entwickelt sich endlich ein wenig Spannung.

Man habe den Krimiaspekt der Serie stärken wollen mit in sich abgeschlossenen Fällen, teilt das SRF mit. Um die Zuschauer bei Laune zu halten, wird auch das Cliffhanger-Element weitergeführt. So zeichnet sich in Folge eins ab, dass Lauener der Hintermann des Anschlags auf den von Flashbacks geplagten Semmelweis war. Der will seinen Fall in Eigenregie aufklären und gerät in grösste Gefahr. 

Wie gerne wäre man nett mit dem «Bestatter»! Die Grundidee der Serie ist originell, sie gefällt mit Lokalkolorit und einem charismatischen Hauptdarsteller. Mit derart unausgegorenen Skripts aber bleibt der erhoffte Verkauf ins Ausland – bislang hat erst der WDR angebissen – für das SRF ein Traum. Mike Müller hat in einem Interview mit der «Basler Zeitung» gefordert, das für den Film vorgesehene Bundesgeld solle «in die Entwicklung guter Drehbücher investiert werden». Er weiss, wovon er spricht.

Was möglich wäre, konnte man über die Neujahrstage bei der ARD erleben, wo die norwegische Miniserie «Mammon» ausgestrahlt wurde. Der Plot ist hanebüchen, mit Klischees wird nicht gespart, doch die Skandinavier können erzählen und starke Figuren entwickeln: Man bleibt dran, obwohl man merkt, dass man handlungsmässig auf den Holzweg geführt wird.  

Norwegen hat rund fünf Millionen Einwohner, weniger als die Deutschschweiz. 

Und welche ist Ihre Lieblings-Serie? Verraten Sie es im grossen Duell der TV-Serien  

RanglisteStand: 30.11.21 – 10:32

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