Milliardendeal: Apple greift zu Googles KI, um Siri endlich weniger dumm zu machen
Bei Apples Sprachassistentin Siri sollen künftig KI-Modelle des Rivalen Google unter der Haube laufen. Nach reifer Überlegung habe man entschieden, dass Googles Technologie die beste Basis für Apples Lösungen bei Künstlicher Intelligenz sei, teilte der iPhone-Konzern dem Wirtschaftssender CNBC mit.
Schätzungen gehen davon aus, dass Apple für den Zugang zu Google Gemini rund eine Milliarde US-Dollar pro Jahr bezahlt. Bestätigt wurde diese Zahl von den Konzernen nicht. Der Deal befeuerte die Google-Aktie. Der Google-Mutterkonzern Alphabet hat erstmals einen Börsenwert von mehr als vier Billionen Dollar erreicht und ist derzeit das zweitwertvollste Unternehmen der Welt hinter dem Chiphersteller Nvidia.
KI-Siri ist strunzdumm nicht verlässlich genug
Apple hatte bereits im Juni 2024 eine besonders hilfreiche Siri versprochen – weil die Software Zugang zu persönlichen Informationen der Nutzer habe und quer über verschiedene Apps aktiv sein werde.
Als ein Beispiel wurde genannt, dass man Siri einfach fragen können würde, wann man losfahren müsse, um Verwandte vom Flughafen abzuholen – und die Software etwa automatisch wissen würde, wann das Flugzeug ankommt und wie die Verkehrslage ist.
Im März 2025 gab Apple dann aber bekannt, dass man dafür länger brauchen werde – schätzungsweise bis 2026. Software-Chef Craig Federighi erklärte, bei interner Nutzung habe man festgestellt, dass die Software nicht verlässlich genug funktioniert habe.
Google Gemini statt ChatGPT
Ursprünglich versuchte Apple, die neuen Funktionen mit eigenen KI-Modellen umzusetzen, scheiterte aber wiederholt daran. Dies soll intern für erhebliche Unruhen gesorgt haben. Der Finanzdienst Bloomberg berichtete schon im vergangenen August, dass Apple darum darüber verhandle, die Technologie hinter der Google-KI Gemini als Basis zu nutzen.
Apple reagierte auf die langsame KI-Entwicklung mit internen Reorganisationen. Das KI-Team musste Federn lassen. In den vergangenen Monaten verliessen zahlreiche ranghohe KI-Führungskräfte Apple und wechselten zu Rivalen, insbesondere zum Meta-Konzern.
Google als Sieger des KI-Booms?
Vor drei Jahren hatte der bei der KI-Firma OpenAI entwickelte Chatbot ChatGPT die Tech-Schwergewichte aufgeschreckt. Google holte aber mit Gemini rasch auf und gilt derzeit als KI-Anbieter, der im Konsumentenmarkt am schnellsten wächst. Googles KI wird von Hunderten Millionen Usern genutzt. Google hat den Vorteil, Gemini direkt in der Google Suche, Android, YouTube, Gmail, aber auch Geschäftssoftware wie Google Workspace integrieren zu können.
Apple-Nutzer können aktuell auf Wunsch Siri allgemeine Anfragen an ChatGPT weiterreichen lassen. App-übergreifende KI-Funktionen auf dem iPhone soll nun aber Gemini ermöglichen.
Googles KI-Modelle sollen also nicht nur als Grundlage für die neue Siri, sondern auch für andere neue Fähigkeiten von Apple Intelligence dienen. Laut Bloomberg betrachten daher immer mehr Investoren Googles Mutterkonzern Alphabet als «einen der grössten Sieger des KI-Booms». Auch Samsungs KI-Funktionen basieren bislang in grossen Teilen auf Googles KI-Modellen.
Google gilt auch als KI-Gewinner, da es eines von wenigen Unternehmen ist, das nebst Nvidia eigene KI-Chips entwickelt. Google kann sich damit für einen gewaltigen Bedarf an Rechenkapazitäten in der KI-Ära rüsten und die Abhängigkeit von Nvidia reduzieren.
(sda/awp/dpa/oli)
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