Naher Osten
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Warum Ammoniumnitrat die Explosion in Beirut verursacht haben könnte



Unmittelbar nach der gewaltigen Explosion, die sich am Dienstagabend in der libanesischen Hauptstadt Beirut ereignet hat, wurde über die Ursache spekuliert. Nach Einschätzung des libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab könnte eine sehr grosse Menge Ammoniumnitrat die Detonation verursacht haben. Es sei «unvertretbar», dass eine Ladung von schätzungsweise 2750 Tonnen der Substanz in einer Halle am Hafen gelagert worden sei, sagte Diab in der Nacht zum Mittwoch dem Präsidialamt zufolge. Der Stoff sei dort sechs Jahre lang ohne Sicherheitsvorkehrungen gelagert worden.

Zuvor hatte es bereits entsprechende Spekulationen gegeben. Berichten zufolge hatten libanesische Behörden im Jahr 2013 einem Frachtschiff die Weiterfahrt wegen verschiedener Mängel untersagt, das von Georgien ins südafrikanische Mosambik unterwegs war. Der Besatzung gingen Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff dann offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schliesslich die Ausreise genehmigt. Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dienen kann, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Herstellung von Düngemittel. Die farblosen Kristalle befanden sich auch in dem Gefahrgutlager der chinesischen Stadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen getötet wurden. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz.

In this photo released by Lebanon's government, Lebanese president Michel Aoun, left, shakes hands with French Foreign Minister Jean-Yves Le Drian, at the Presidential Palace, in Baabda, east of Beirut, Lebanon, Thursday, July 23, 2020. Le Drian is in Lebanon for two days visit to meet with Lebanese officials and top politician leaders. (Dalati Nohra/Lebanon's government via AP)

Präsident Michel Aoun (rechts) will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Bild: keystone

Präsident Michel Aoun rief für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein, um die Ursachen der Explosion zu klären. «Ich werde nicht ruhen, ehe ich den Verantwortlichen kenne und ihm die härteste Strafe gebe», sagte Aoun laut Zitaten des Präsidialamts bei Twitter.

Bei der Detonation hatte sich eine riesige Pilzwolke am Himmel gebildet. Eine Druckwelle breitete sich blitzschnell kreisförmig vom Hafen aus. Fensterscheiben zerbarsten, grosse Teile des Hafens und Bereiche im Stadtzentrum wurden schwer beschädigt. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Neruda 05.08.2020 10:09
    Highlight Highlight Ja, das sollte man eventuell halt schon nicht jahrelang ungeschützt lagern. Aber wenn wundert's in einem Land, dass von der Elite als Selbstbedienungsladen angesehen wird.
    Benutzer Bild
  • Tirggeltoni 05.08.2020 09:47
    Highlight Highlight Mosambik =/= Südafrika. Das sind 2 verschiedene Länder
    • Amateurschreiber 05.08.2020 11:23
      Highlight Highlight Es ist im Sinne von "im Süden von Afrika" gemeint.
    • Tirggeltoni 05.08.2020 14:46
      Highlight Highlight ist mir klar. Danke. Funktioniert halt hier nicht.
      Das südamerikanische Argentinien geht, das südafrikanische Namibia nicht.
  • Amateurschreiber 05.08.2020 09:46
    Highlight Highlight Als ich vom Ausmass der Explosion hörte, dachte ich auch, dass es eher ein Unfall war.
    Das (der 33-prozentige) Ammoniumnitrat gefährlich ist, weiss man eigentlich. Aber hier war es vermutlich wohl wieder so eine "Verkettung unglücklicher Umstände".
  • Steibocktschingg 05.08.2020 09:33
    Highlight Highlight Was, wenn die Verantwortlichen in der Regierung sitzen, weil sie Sicherheitsvorschriften nicht erliessen oder ihre Einhaltung nicht kontrollierten?

    Ammoniumnitrat ist übrigens auch druckempfindlich, weswegen man nicht zu viel davon an einem Ort und aufeinandergestapelt lagern sollte. Spätestens seit der Explosion von Oppau in einem Lager der BASF vor etwa 90 Jahren weiss man das.
  • echter Züricher 05.08.2020 09:16
  • Cmo 05.08.2020 09:05
    Highlight Highlight Für die die es interessiert, gemäss Wikipedia ist im Libanon die Todesstrafe erlaubt (zuletzt angewendet 2004).
    https://de.wikipedia.org/wiki/Todesstrafe
  • sikki_nix 05.08.2020 09:05
    Highlight Highlight Dem Verantwortlichem die härteste Strafe zu geben bringt nun auch nicht mehr viel. Es wurde ja wohl nicht bösartig gehandelt.
    • GabbaGandalf 05.08.2020 09:20
      Highlight Highlight Aber schwer fahrlässig
    • Hayek1902 05.08.2020 09:39
      Highlight Highlight Da geht es nur darum, dass die Regierung für einmal jemanden anderes für die Misere verantwortlich machen kann.
    • Matti_St 05.08.2020 09:56
      Highlight Highlight Aber (grob)- fahrlässig.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Glenn Quagmire 05.08.2020 08:22
    Highlight Highlight Weiss Gott was sonst noch irgendwo in Hallen und Containern in den Häfen dieser Welt gelagert wird...

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