Wie die US-Eishockeystars den Trump-Besuch rechtfertigen
Das US-Nationalteam im Eishockey liess sich in der Nacht auf Mittwoch bei Donald Trumps Rede zur Lage der Nation feiern. Sowohl die Republikaner als auch die Demokraten begrüssten die Stars mit stehenden Ovationen. Der US-Präsident lud die Stars aufgrund des Gewinns der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen ein und nahm dies auch zum Anlass vor dem US-Kongress zu verkünden: «Unser Land gewinnt wieder!»
Ausserdem erklärte Trump, Goalie Connor Hellebuyck, der im Final gegen Kanada mit mehreren sensationellen Paraden glänzte, die «Freiheitsmedaille des Präsidenten» zu verleihen.
Weil sie sich so von Trump für seine politischen und selbstdarstellerischen Zwecke instrumentalisieren lassen, stehen die Eishockey-Profis in der Kritik. Bei Jack Hughes stösst dies auf wenig Verständnis. «Wir sind so stolz, die USA zu repräsentieren. Es ist sehr patriotisch, wenn man die Chance kriegt, ins Weisse Haus zu gehen und den Präsidenten zu treffen. Wir sind stolz, Amerikaner zu sein», erklärte der Siegtorschütze vom Sonntagabend gemäss der «Daily Mail». Ausserdem fügte er an: «Alles ist immer so politisch. Wir sind Sportler.»
In der Vergangenheit äusserte Hughes auch schon seine Unterstützung für die Pride Nights in der NHL, die zur Würdigung der LGBTQ-Community dienen. Trump sieht diese eher kritisch, was für den 24-jährigen NHL-Star kein Problem zu sein scheint: «Egal, was die persönlichen Ansichten sind, wir sind alle sehr aufgeregt, ins Weisse Haus zu gehen und Teil davon zu sein.»
Auch Jacks Bruder Quinn Hughes empfand Vorfreude, bei der «State of the Union» dabei zu sein. «Es ist etwas, was man nicht jeden Dienstag tun kann», so der Verteidiger bei «Good Morning America», «es wird sehr speziell für uns.»
Für Matthew Tkachuk war es das zweite Treffen mit Donald Trump innert Kürze. Im Januar wurde er mit den Florida Panthers vom US-Präsidenten für den Titelgewinn im letzten Sommer geehrt. Dabei überreichten Tkachuk und Co. Trump einen goldenen Eishockeystock. Nun liess der 28-Jährige Trump seine Goldmedaille tragen. «Ich werde sie nicht zurückgeben», scherzte Trump, woraufhin Tkachuk antwortete: «Ich tausche sie gegen einen Stift.» Der Stürmer gilt wie sein Bruder Brady Tkachuk als Trump-Supporter. Für sie dürfte es wie für einige andere Stars ohnehin keine Frage gewesen sein, auf den Besuch im Regierungssitz des Landes zu verzichten.
Trump hatte das Eishockey-Nationalteam kurz nach dem Gewinn der Goldmedaille angerufen und den Spielern gratuliert. Dabei sprach er zudem die Einladung zur Rede zur Lage der Nation aus und fügte über das Telefon von FBI-Direktor Kash Patel, der mit dem US-Team feierte, an: «Ich muss euch sagen, wir müssen das Frauenteam mitbringen. Ansonsten werde ich wahrscheinlich des Amtes enthoben.» Viele der Spieler reagierten mit Gelächter auf den Kommentar über die US-Frauen, die ebenfalls Gold gewannen.
Jack Hughes fand nun, dass die Kritik daran überzogen war. «Die Leute sind so negativ und versuchen einfach etwas zu finden, um uns niederzumachen. Sie machen etwas aus fast nichts», so der Teamkollege von Nico Hischier, Timo Meier und Jonas Siegenthaler. Die Hockey-Männer und -Frauen verbinde eine extrem enge Beziehung. Nach dem Sieg vom Sonntag hätten die beiden Teams bis frühmorgens miteinander in der Cafeteria des olympischen Dorfs gefeiert. «Sie alle wissen, wie sehr wir sie unterstützen und wie stolz wir auf sie sind», erklärte Hughes.
Seine Mutter, die beim US-Frauenteam als Beraterin für die Spielerentwicklung tätig ist, sprach bei der «Today Show» ebenfalls von einer starken Verbindung zwischen den beiden Nationalteams. «Wenn ihr sehen könnten, was wir von innen sehen – wie sich die Männer und Frauen Unterkünfte und Gemeinschafträume teilen, wie sie sich gegenseitig anfeuern –, dann würden sie verstehen, worauf es ankommt», so Ellen Weinberg-Hughes. Quinn Hughes erzählte zudem, dass sie zuletzt ein paar Mal mit dem Nationalteam der Frauen trainiert hätten.
Dieses schlug die Einladung Trumps aus, zeigte sich aber geehrt. Die Absage wurde mit den engen Terminplänen aufgrund der Partien und des Studiums einiger Nationalspielerinnen begründet. Trump verkündete, sie aber in Zukunft einmal zu empfangen.
Fünf der 25 US-Helden blieben dem Treffen mit Donald Trump fern: Brock Nelson, Jackson LaCombe, Jake Guentzel, Jake Oettinger und Kyle Connor. Für sie geht die Saison bereits in der Nacht auf Donnerstag, also am Tag nach der «State of the Union Address» von Trump an. «Ich möchte mich einfach auf die wichtige zweite Saisonhälfte vorbereiten», erklärte Connor und fügte mit Bezug auf Trumps Witz über das Frauenteam an: «Ich habe keine wirklichen Gedanken dazu. Wir haben Gold gewonnen und es passiert gerade so viel, dass ich mich nicht mehr richtig daran erinnern kann, was er gesagt hat.»
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