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Für dieses Plakat erntet die Organisation Helvetas heftige Kritik. bild: helvetas

«Rückständig» und «rassistisch»: Heftige Vorwürfe gegen Helvetas-Kampagne

Die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus spricht von einer paternalistischen Kampagne der Helvetas.

pascal ritter / schweiz am sonntag



Drei Gesichter strahlen von Plakaten des Hilfswerks Helvetas. Zwei dunkelhäutige Frauen und ein Kind werben um Spenden. Auf dem Bild stehen drei Sätze: «Ging hinters Gebüsch», steht bei der Grossmutter, «ging aufs Plumpsklo», steht bei der Mutter, «drückt die WC­-Spülung», steht beim Kind. Das und ähnliche Sujets des Hilfswerks Helvetas sollen dazu animieren, für «echte Veränderung» Geld zu spenden.

«Die Bilder arbeiten mit dem Vorurteil, dass Afrikaner nur mithilfe des Nordens Fortschritte erreichen können. Das ist paternalistisch.»

Martine Brunschwig Graf, Präsidentin der Kommission gegen Rassismus

Es sorgt aber zurzeit vor allem für einen Proteststurm. Die Plakate seien rassistisch und von einer kolonialen Sichtweise auf Afrika geprägt, lautet der Vorwurf. Dunkelhäutige Menschen würden pauschal als rückständig und hilfsbedürftig dargestellt.

Einen offenen Brief der Organisation «Afro Swiss» mit der Forderung, die Plakate abzuhängen, haben über 200 Einzelpersonen und Organisationen unterschrieben. War die Empörung bisher vor allem in der Westschweiz hörbar, erreicht sie nun die Deutschschweiz. So kritisiert etwa der Blog «das Lamm» die Plakate.

Heikle Pauschalisierung

Nun schaltet sich die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus in die Diskussion ein. «Das ist keine gute Kampagne», sagt Präsidentin Martine Brunschwig Graf (FDP) auf Anfrage der «Schweiz am Sonntag». «Die Bilder arbeiten mit dem Vorurteil, dass Afrikaner nur mithilfe des Nordens Fortschritte erreichen können. Das ist paternalistisch.»

Helvetas sei gut beraten, in Zukunft auf solche Pauschalisierungen und Stereotypisierungen zu verzichten. Die Hilfsorganisation habe zwar gute Intentionen und sei «ganz sicher keine rassistische Organisation». Bei dieser Kampagne setze sie aber auf die falschen Bilder, so Brunschwig Graf, Nationalrätin aus Genf.

Helvetas hat bisher nicht offiziell auf die Vorwürfe reagiert. Einzig in den sozialen Medien antwortete das Hilfswerk auf kritische Kommentare. Gegenüber der «Schweiz am Sonntag» verteidigt nun Sprecher Matthias Herfeldt die Kampagne. Schwarze würden auf den Plakaten nicht als rückständig dargestellt. Im Gegenteil: «Die Plakate erzählen die Geschichten von selbstbewussten, würdevollen Menschen, die auf das Erreichte stolz sind und zuversichtlich in die Zukunft blicken. Wir bedauern es, wenn sich durch diese Darstellung jemand verletzt fühlt.»

Helvetas sucht zurzeit den Dialog mit Kritikern und zeigt sich selbstkritisch: «Rückblickend betrachtet hätten wir die Kampagne von Anfang an mit Sujets aus verschiedenen Kontinenten starten können – wie das für die Zukunft sowieso geplant ist», so Herfeldt. Künftig sollen zudem Entwicklungsbeispiele gezeigt werden, die über die Grundbedürfnisse wie Wasser, Toiletten und Ernährung hinausgehen.

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