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Oligarchen-Yacht gondelte inkognito über die Weltmeere – dann schlug Fidschi zu

Der dekadenteste Nebenschauplatz des russischen Angriffskrieges in der Ukraine sind die beschlagnahmten Mega-Yachten der Oligarchen. Nun steht ein weiteres Hundert-Millionen-Dollar-Schiff im Fokus.
28.04.2022, 18:46

Es könnte ein Plot aus einem James-Bond-Film sein: Der Bösewicht flüchtet auf seiner Super-Yacht quer durch die Ozeane. Den Transponder ausgeschaltet, damit man ihn nicht aufspüren kann.

Doch am Ende wird er geschnappt. Selbstverständlich im malerischen pazifischen Inselstaat Fidschi – schliesslich hat der Bösewicht nicht nur viel Geld, sondern auch viel Stil.

Doch die besten Geschichten schreibt bekanntlich das Leben selbst: Tatsächlich pflügte sich die Yacht «Amadea» Anfang April laut Medienberichten innert 18 Tagen von Antigua über Panama und Mexiko nach Fidschi – und versuchte so, den Behörden zu entgehen. Doch die Flucht endete abrupt in Fidschi, wo das Schiff von den lokalen Behörden festgesetzt wurde.

«Amadea» lief 2017 vom Stapel der deutschen Werft Lürssen-Kröger. Sie ist stattliche 106 Meter lang und 18 Meter breit, verfügt über einen Swimmingpool, ein Helikopterdeck und einen Spa-Bereich.
«Amadea» lief 2017 vom Stapel der deutschen Werft Lürssen-Kröger. Sie ist stattliche 106 Meter lang und 18 Meter breit, verfügt über einen Swimmingpool, ein Helikopterdeck und einen Spa-Bereich. Screenshot: www.lurssen.com

Am 19. April berichtete der britische «Guardian», dass die USA bei der fidschianischen Staatsanwaltschaft eine einstweilige Verfügung eingereicht hätten, um die Superyacht «Amadea» zu beschlagnahmen.

>> Ukraine-Krieg: Alle Entwicklungen im Liveticker

Daraufhin reichte der Direktor der Staatsanwaltschaft, Christopher Pryde, beim Obersten Gerichtshof einen Antrag ein, um das Luxusschiff am Verlassen Fidschis zu hindern.

Denn die «Amadea» ist mutmasslich die Super-Yacht des russischen Milliardärs Kerimow, gegen den seitens der USA und der EU Wirtschaftssanktionen als Reaktion auf Russlands Kriege in Syrien und der Ukraine verhängt wurden.

Süleyman Kerimow verfolgt das Spiel während der Europa-League-Qualifikationsphase zwischen Anzhi Machatschkala und AZ Alkmaar in Moskau, 2012.
Süleyman Kerimow verfolgt das Spiel während der Europa-League-Qualifikationsphase zwischen Anzhi Machatschkala und AZ Alkmaar in Moskau, 2012. Bild: AP

Die «Amadea» ankerte damals seit einer Woche vor Fidschi und war bereits in den Fokus der fidschianischen Polizei gerückt und festgesetzt worden, wie die «Sun» vermeldet hatte: Das Luxusschiff habe gegen die Richtlinien der obligatorischen Zollabfertigung verstossen, wie Brigadier-General Qiliho gegenüber erklärte.

Je nach Medienbericht ist «Amadea» zwischen 250 und 350 Millionen Dollar wert. Sie ist unter der Holding «Millemarin Investment Ltd» auf den Caymaninseln registriert.

Gegenüber Reuters sagte ein mit der Angelegenheit Vertrauter, dass die Anwälte des Schiffes bestreiten würden, dass Kerimow der Eigentümer der «Amadea» sei. «Die rechtlichen Eigentumsverhältnisse des Schiffes werden noch untersucht», sagte eine Sprecherin des Büros des Generalstaatsanwalts von Fidschi gegenüber Reuters.

Süleyman Kerimow
Kerimow ist 13,7 Milliarden Dollar schwer und verdankt den Grossteil seines Reichtums einer 76-Prozent-Beteiligung an Russlands grösstem Goldproduzenten «Polyus», wie Forbes schreibt. Daneben macht er Investitions-Geschäfte in Banken und Unternehmen.

Nur wenig ist über den Russen bekannt. Bislang hat er kein einziges Interview gegeben.

Verhandlungen hinter verschlossener Tür

Am vergangenen Montag, 25. April, behandelten der High Court in Suva, der Hauptstadt Fidschis, den Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verhandlungen fanden jedoch hinter verschlossenen Türen statt.

Denn die USA hätten darum gebeten, dass die Erklärung des Gerichts nicht an die Medien weitergegeben werde, da vertrauliche Informationen über die US-Sanktionen Teil der Verhandlung seien, wie Jayneeta Prasad, Anwältin im Büro der Staatsanwaltschaft, gegenüber der «Fiji Times» sagte.

Auf Anfrage des Handelsblattes sagte die US-Botschaft in Deutschland zur Causa «Amadea» lediglich: «Wir erhöhen weiterhin den Druck auf (Russlands Präsident Wladimir) Putins Oligarchen und arbeiten mit Verbündeten und Partnern zusammen, um die korrupten Gewinne einiger der Putin nahestehenden Personen zu verfolgen – unabhängig davon, wo in der Welt sie sich befinden».

Die Wahrscheinlichkeit, dass die «Amadea» in den nächsten Tagen bis Wochen definitiv von den Behörden konfisziert und den USA übergeben wird, ist gross. Denn auch andere Mega-Yachten von Oligarchen wurden bereits medienwirksam eingezogen.

(yam)

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quelle: keystone / alejandro zepeda
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84 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Liebu
28.04.2022 19:09registriert Oktober 2020
Schleppt all die Kähne in die Häfen der Ukraine. Dann werden eventuell ein paar Raketen weniger auf sie abgefeuert.
Nur so als Idee.
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Heimscheisser
28.04.2022 19:30registriert April 2021
"die Anwälte des Schiffes bestreiten würden"

Ernsthaft, die Anwälte des SCHIFFES?! 😂😂
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G.
28.04.2022 19:48registriert Dezember 2014
Bravo, weiter so!

#fckptn
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