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Adam und Eva, Gemälde von Tizian, um 1550 (Ausschnitt).
Adam und Eva, Gemälde von Tizian, um 1550 (Ausschnitt).
Bild: Wikipedia
Urversion auf uralten Tontafeln

Die Bibel liegt falsch: Eva war unschuldig

21.05.2014, 16:0022.05.2014, 10:45

Eva, so steht es in der Bibel, liess sich von der Schlange verführen und pflückte eine Frucht vom Baum der Erkenntnis. Sie gab Adam davon und gemeinsam assen sie die verbotene Frucht. Dieser erste Akt menschlichen Ungehorsams erzürnte Gott so sehr, dass er die beiden ersten Menschen aus dem Paradies vertrieb. Und schuld daran war natürlich: die Frau.

«Der Bibelschreiber hat Adam vermenschlicht. Und Eva trifft in der frühen Version keine Schuld. Das ist ein auffallender Unterschied zur Erzählung der Bibel.»
Marjo Korpel, Protestantische Theologische Universität

Niederländische Wissenschaftler haben nun eine Urversion der Geschichte entdeckt, die Eva rehabilitiert: Auf den sogenannten Ugaritischen Tontafeln, die aus dem 13. Jahrhundert vor Christus stammen, fanden sie eine ältere Erzählung der Vertreibung aus dem Paradies. Darin kommen Adam und Eva vor, auch die Schlange, aber keine Frucht. 

Marjo Korpel, Professorin für das Alte Testament an der Protestantse Theologische Universiteit in Amsterdam, und Johannes de Moor, ein emeritierter Professor für semitische Sprachen, haben den in Keilschrift geschriebenen Text auf den Tontafeln neu übersetzt und erstmals im Zusammenhang interpretiert. Ihre Erkenntnisse sind im April 2014 in Buchform erschienen (siehe Box).

«Es wird nun doch sehr schwierig, den Text in der Genesis buchstäblich zu lesen, wie es manche Christen tun.»
Marjo Korpel

Machtkampf in Els Weingarten

Die zwei Tontafeln wurden 1929 als Teil einer grösseren Sammlung in Syrien gefunden und in den Siebzigerjahren teilweise aus dem Ugaritischen – einer semitischen Sprache, die eng mit dem Kanaanitischen verwandt ist – übersetzt, allerdings unabhängig voneinander. 

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Adam, Eve, and the Devil
A New Beginning
Marjo Koppel, Johannes de Moor
332 Seiten
70 Euro (Listenpreis)
Sheffield Phoenix Press

In den Inschriften ist die Rede von einem «Weinberg der grossen Götter», der am selben Ort liegt wie das biblische Paradies und unter der Aufsicht eines Schöpfergottes namens El steht, des höchsten Gottes der kanaanitischen Götterwelt. El ist zugleich einer der Namen des alttestamentarischen Gottes. 

Dieses Idyll wird nun gestört durch die Machenschaften des bösen Gottes Horon, der stark dem Teufel ähnelt. Horon versucht El zu stürzen und wird zur Strafe vom Berg der Götter geworfen. Aus Rache verwandelt er sich in eine riesige Schlange und vergiftet den Baum des Lebens. Die Götter fürchten um ihre Unsterblichkeit und statten deshalb einen der ihren mit der Macht über die ganze Erde aus, damit er Horon ausschaltet: Adam. 

Doch Adam scheitert jämmerlich: Statt Horon zu besiegen, wird er von diesem gebissen. Das Gift verwandelt ihn in einen sterblichen Menschen. Zum Trost gibt ihm die Sonnengöttin eine «gute Frau» zur Seite, damit er sich fortpflanzen und auf diese Weise doch noch an der Unsterblichkeit teilhaben kann. 

Die erste Sünde

Es sei bemerkenswert, schreiben die Forscher, dass in diesem Mythos die erste Sünde nicht von einem Menschen begangen werde, sondern von einem Gott; Horons Intrige gegen El. Der wichtigste Unterschied zum Text der Genesis, der nach Ansicht von Wissenschaftlern erst um etwa 400 vor Christus verschriftlicht wurde, liegt indes wohl darin, dass auch Adam ein Gott ist.  

«Der Bibelschreiber hat Adam vermenschlicht. Und Eva trifft in der frühen Version keine Schuld. Das ist ein auffallender Unterschied zur Erzählung der Bibel», erklärte Korpel der niederländischen Zeitung «Trouw».

Die Übereinstimmungen zwischen den älteren Inschriften und dem biblischen Text seien wiederum so gross, dass es sich um denselben Adam handeln müsse. «Es wird nun doch sehr schwierig, den Text in der Genesis buchstäblich zu lesen, wie es manche Christen tun», sagte Korpel. (dhr)

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