Schweiz
Ostschweiz

Süchtiger Ostschweizer Arzt stellt sich Medikamentenrezepte aus

Süchtiger Ostschweizer Arzt stellt sich Medikamentenrezepte aus

04.05.2026, 14:1304.05.2026, 14:13

Die St. Galler Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Assistenzarzt einer Privatklinik in der Ostschweiz wegen Urkundenfälschung und Identitätsmissbrauch bestraft. Er stellte sich selbst Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente aus, um seine Arzneimittelabhängigkeit zu stillen.

Medikamente sind nicht mehr verfügbar, weil die Preise zuletzt stark gesunken sind und sich Hersteller aus dem unattraktiven Schweizer Markt zurückziehen.
Ein Arzt aus der Ostschweiz hat sich selbst mit Medikamenten versorgt.Bild: Getty

Der heute 38-jährige Mediziner besorgte sich die Medikamente in Apotheken, indem er seine eigenhändig ausgestellten Rezepte vorlegte. Dafür benutzte er Rezeptblöcke der Privatklinik, in der er angestellt war. In einzelnen Fällen setzte er den Namen eines anderen Klinikarztes darunter und fälschte dessen Unterschrift.

Auf diese Weise bezog der medikamentenabhängige Beschuldigte in verschiedenen Apotheken der Schweiz diverse starke Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Narkosemittel, Antidepressiva, Aufputschmittel, Opiate oder Medikamente zur Behandlung von Alzheimer-Demenz sowie Schizophrenie.

Rezeptblöcke nicht zurückgegeben

Sein Vorhaben kostete ihn den Job. Als die Ostschweizer Privatklinik als Arbeitgeberin des Assistenzarztes merkte, was dieser im Schilde führte, kündigte sie ihm sein Arbeitsverhältnis fristlos.

Seine gefälschten Rezepte benutzte er während rund eines halben Jahrs nach seiner Kündigung weiter, wie aus einem Strafbefehl der St. Galler Staatsanwaltschaft hervorgeht. Die Aufforderung, die entwendeten Rezeptblöcke zurückzubringen, ignorierte er. Stattdessen fälschte er weiter Rezepte für verschreibungspflichtige Medikamente. Auch gelang es ihm laut Strafbefehl zunächst, bei seiner ehemaligen Arbeitgeberin die Login-Daten für E-Rezepte weiter zu nutzen.

Rezeptfälschung flog mehrfach auf

Schliesslich bezog der Mann zwischen März und August 2025 in rund einem Dutzend Apotheken zahlreiche Medikamentenpackungen. In einer Praxis in St. Gallen erhielt er bei einem Arzttermin ein Rezept für eine Packung Attetin à 30 Stück.

Dieses Rezept änderte der Beschuldigte auf vier Packungen à 130 Stück ab und wollte das Medikament in einer Apotheke in Winterthur beziehen. Dort war eine solch grosse Menge laut Strafbefehl nicht vorrätig. Der Apothekenleitung erschien das Rezept ungewöhnlich. Deshalb hielt sie Rücksprache mit der Arztpraxis. Dabei flog die nachträgliche Abänderung des Rezepts auf.

Auch in anderen Apotheken lief nicht alles rund. In Basel verweigerten Apothekenangestellte dem Mann einen Medikamentenbezug, weil das Rezept als ungültig eingestuft wurde. Aufgrund der unüblich grossen Menge an Medikamenten für eine Einzelperson schöpfte auch eine Apotheke in Zürich Verdacht. Nach Rücksprache mit der Ostschweizer Privatklinik, der vermeintlichen Ausstellerin des Rezepts, wurde das Rezept als Fälschung erkannt.

In Wil SG wurde dem Mann die Herausgabe von Medikamenten aufgrund einer Meldung der Kantonsapotheke verweigert. Diese wies darauf hin, dass der Beschuldigte versuchte, mittels gefälschter Rezepte Medikamente zu beziehen.

6800 Franken Busse und Gebühren

Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen sprach den Mann schliesslich wegen mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfachen Identitätsmissbrauchs schuldig. Sie sprach eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 130 Franken aus.

Hinzu kam eine Busse von 4800 Franken, die bei Nichtbezahlung in eine Ersatzfreiheitsstrafe von 37 Tagen umgewandelt wird. Auch muss der Mann Gebühren der Staatsanwaltschaft und der Polizei von 2000 Franken bezahlen. (dab/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
31 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Ameo
04.05.2026 15:32registriert Oktober 2025
Also ganz klar hat er sich schuldig gemacht. Er ist süchtig und hat Probleme. Er wurde entlassen, angezeigt und verurteilt. Ich hätte gerne etwas davon gelesen, dass man ihm die Hand gereicht und zu einer Begleitung, Therapie und Entzug geführt hätte.
633
Melden
Zum Kommentar
avatar
Voraus denken!
04.05.2026 16:38registriert März 2022
So eine kleine Urkundenfälschung ist doch nicht der Rede wert. Er hat ja niemandem geschadet. Das war ja nur für ihn selbst!
/z

So würde die Argumentation der Schwurblerszene lauten würde er Hockeytrainer sein.
4414
Melden
Zum Kommentar
31
Festivals am Limit: «Die dünne Luft ist noch dünner geworden»
Schweizer Musikfestivals ziehen weiter Massen an. Doch hinter den Kulissen entscheiden oft Details über Gewinn oder Verlust.
100'000 Menschen auf einem Festivalgelände. Das klingt nach langen Schlangen an den Essständen, Zelten auf jedem freien Fleck, Barbetrieb und Bassgedröhne bis tief in die Nacht. Und nach vollen Kassen.
Zur Story