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Natur als Spekulationsobjekt – könnte so die Umwelt besser geschützt werden?
Natur als Spekulationsobjekt – könnte so die Umwelt besser geschützt werden?
bild: shutterstock
Green Economy

Die Natur als Teil des Kapitalismus: Ist das die Lösung für alle Umweltprobleme? 

Kann man das Landen einer Biene auf einer Blume, sauberes Wasser oder frische Luft mit Geld aufwiegen? Ja, sagen Experten in einer TV-Doku. Man müsse es sogar, um den Untergang der Natur zu verhindern.
01.02.2015, 10:2325.02.2015, 09:18

«Haben Sie einmal eine Rechnung von einer Biene bekommen?» Der Wirtschaftswissenschaftler Pavan Sukhdev ist der internationale Guru der Green Economy. Er will die Schöpfung zum Finanzprodukt erklären. Um sie schützen.

«Wenn wir die Verluste der Natur in Geld umrechnen, verlieren wir jedes Jahr zwei bis vier Billionen US-Dollar», rechnet Sukhdev in der Dokumentation «Natur – Spekulationsobjekt mit Zukunft» des französisch-deutschen Fernsehsendes Arte vor. «Das ist fast genauso viel, wie wir bei der Finanzkrise 2008 verloren haben. Aber diese Verluste sind unsichtbar. Denn wenn ein Wald- oder Sumpfgebiet verschwindet, rechnen wir diesen Verlust nicht in Geld um.»

«Unser Wirtschaftssystem zerstört die Natur.»
Pablo Solon, Ex-UNO-Botschafter Boliviens

Sukhdev ist einer von vielen, die ausgerechnet in der Spekulation die aussichtsreichste Methode sehen, die Erde zu schützen. Der frühere UNO-Botschafter Boliviens, Pablo Solon, fordert ein Umdenken der Manager.

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Denn der Mensch sei nicht automatisch der Ursprung allen Übels. «Menschen gibt es seit Millionen von Jahren auf der Erde. Der Prozess, der zu der Zerstörung der Natur führt, setzte aber erst vor 150 Jahren ein.» Solon folgert: «Es sind also nicht die Menschen, die die Natur zerstören, sondern es ist ihr Wirtschaftssystem.»

Arte suchte rund um die Welt nach Positiv- und Negativbeispielen. In Uganda fallen viele Menschen der Spekulation mit der Natur zum Opfer. In Brasilien werden massenhaft Lügenmärchen über die angebliche Rettung des tropischen Regenwaldes verbreitet.

«Es wäre günstiger, die Fliegen zu töten.»
Bürgermeister von Colton/New York

Hoffnung macht das Vorgehen in der US-Kleinstadt Colton. Der Bundesstaat Kalifornien verhängte hier ein Verbot neuer Industrieansiedlungen, um die vom Aussterben bedrohte Sandfliege zu schützen, und beendete einen Boom.

Eine Umweltbank kaufte 130 Hektar und nimmt Geld über Aktien ein. Dafür erhalten Aktionäre anderenorts Baugenehmigungen. Doch macht diese Lösung nicht alle glücklich. «Wegen dieser Fliege haben wir schon mehrere Millionen Dollar verloren und viele Jahre», schimpft der Bürgermeister. «Es wäre günstiger, die Fliegen zu töten.»

Für Europäer ungewohnt: Artenschutz liegt in den Vereinigten Staaten in Händen der Umweltbanken. Unternehmen, Bauträger, Strassenbaufirmen – alle die durch ihre Arbeit Tiere und ihren Lebensraum gefährden – zahlen dafür an die Umweltbanken.

Diese haben bereits 500'000 Hektar zu besonderen Schutzgebieten erklärt, das entspricht der Fläche des Wallis. Anleger können in Schutz von Sumpfgebieten, Kakteen, Präriehunden oder Eidechsen investieren.

Lukrative Arten überleben

«Unsere Kunden kennen unsere Produkte», sagt Steve Morgan, Vorstand von Wildlands, der grössten Umweltbank im Westen der USA. «In der Regel kommen sie und sagen: ‹Ich werde einen Supermarkt bauen und dadurch den Lebensraum von Eulen zerstören. Ich möchte für die Schäden, die ich anrichte, Ausgleichszahlungen leisten.›»

Sein Umsatz liegt bei mehr als 40 Millionen Dollar im Jahr. Man helfe den Kunden, «Verantwortung zu übernehmen und damit ihr Gewissen zu erleichtern». Wildlands bietet verschiedene seltene Tiere als Aktien an – etwa Strumpfbandnatter, Regenbogenforelle, Präriebussarde.

Der Markt mit dem Erhalten ausgewählter Arten boomt. Im Internet finden sich etwa 700 Umweltbanken. «Dieser Markt setzt jährlich zwischen 2,5 und 4 Milliarden Dollar um», so Branchenexperte Michael Jenkins.

Doch in der guten Tat liegt ein Risiko. Ex-UNO-Botschafter Solon warnt: «In Zukunft wird es Tier- und Pflanzenarten geben, die lukrativer sind als andere und in die dementsprechend mehr investiert wird. Andere Arten, die als weniger lukrativ gelten, werden dagegen keine Investoren finden. Das hat zur Folge, dass die lukrativen Arten überleben werden und die anderen aussterben.» (sda/dpa)

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