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Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden, accompanied by his wife Jill Biden, speaks at a primary election night campaign rally Tuesday, March 3, 2020, in Los Angeles. (AP Photo/Chris Carlson)

Ein Totgesagter trumpft auf: Joe Biden mit Ehefrau Jill am Dienstag in Los Angeles. Bild: AP

Analyse

Biden und Sanders müssen sich vereinen – dann schlagen sie Trump

Joe Biden ist nach dem Super Tuesday der klare Favorit für die Nomination als Herausforderer von Donald Trump. Die Demokraten dürfen aber nicht den gleichen Fehler machen wie 2016 und Bernie Sanders ausgrenzen.



Seltsame Dinge geschehen im US-Wahlkampf. Da lag Joe Biden gerade noch am Boden, angezählt und kurz vor dem K. o. Nun reckt er triumphierend die Fäuste. Am Super Tuesday hat sich der 77-jährige ehemalige Vizepräsident endgültig zum Favoriten für die Nomination als Präsidentschaftskandidat der Demokraten aufgeschwungen.

Es war kein Durchmarsch, aber eine beeindruckende Siegesserie. Die Strategie, die Kandidierenden des moderaten Flügels noch vor diesem Grosskampftag hinter Biden zu versammeln, ist voll aufgegangen. Einige Erfolge stechen ins Auge, in erster Linie natürlich jener im gewichtigen Bundesstaat Texas mit seiner grossen Latino-Bevölkerung.

Noch symbolträchtiger ist Bidens klarer Sieg in Massachusetts, der eine bittere Niederlage ist für Elizabeth Warren (es ist ihr Heimatstaat) und Bernie Sanders (er stammt aus dem benachbarten Vermont). Beide haben sich gegenseitig die Stimmen der linken Wählerschaft abgejagt, aber Massachusetts ist auch ein relativ wohlhabender Bundesstaat.

Keine linken «Experimente»

Das passt zu Bidens Erfolgen in den Suburbs. In diesen Vororten haben die Demokraten bei den Midterms 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert. Daraus lässt sich schliessen, dass ein beträchtlicher Teil der demokratischen Basis wenig von linken «Experimenten» hält und einen Kandidaten will, der in die Mitte ausstrahlt.

Bernie Sanders ist nicht aus dem Rennen, er hat immerhin in Kalifornien gewonnen. Ansonsten verlief der Super Tuesday für ihn ernüchternd. Die «Washington Post» verweist darauf, dass die Beteiligung der Jungen – das wichtigste Segment des 78-jährigen Senators – unterdurchschnittlich war. Sanders’ vollmundige Behauptung, er könne die Jungen mobilisieren, hat sich in diesem Vorwahl-Zyklus bislang überhaupt nicht materialisiert.

Sanders ist nicht aus dem Rennen, aber für ihn wird es schwierig. Schon am nächsten Dienstag – einem «Mini Super Tuesday» mit Wahlen in sieben Staaten – könnte ihm Biden endgültig enteilen. Für die Parteielite wäre dies ein Wunschszenario, doch sie darf den Fehler nicht wiederholen, den sie bei den Wahlen vor vier Jahren gemacht hat.

Democratic presidential candidate Sen. Bernie Sanders, I-Vt., accompanied by his wife Jane O'Meara Sanders, speaks during a primary night election rally in Essex Junction, Vt., Tuesday, March 3, 2020. (AP Photo/Charles Krupa)
Bernie Sanders

Trotz Siegerpose: Der Super Tuesday verlief für Bernie Sanders ernüchternd. Bild: AP

Damals wurde Bernie Sanders nach einem erbitterten Vorwahl-Duell gegen Hillary Clinton faktisch marginalisiert, zum grossen Ärger seiner eingefleischten Anhänger. Dies zeigte sich am Parteikonvent in Philadelphia. Als Sanders pflichtbewusst zur Wahl von Clinton aufrief, verliessen einige seiner Fans unter Absingen wüster Lieder die Arena.

Gemeinsame Wahlplattform

Viele blieben am Wahltag zu Hause, einige wählten Trump. Ein solches Szenario müssen die Demokraten so weit wie möglich verhindern. Das geht nur, wenn Biden und Sanders rechtzeitig aufeinander zugehen und eine gemeinsame Wahlplattform zimmern.

Biden und die «Moderaten» müssen anerkennen, dass Sanders mit seinen radikalen Ideen einen Nerv bei vielen Jungen trifft, für die die USA längst kein «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» mehr sind. Ein höherer Mindestlohn, ein besserer Zugang zu einer Krankenversicherung und zu Hochschul-Bildung gehören ins Wahlprogramm.

Sanders und seine Fans wiederum müssen einsehen, dass sich sein Programm selbst dann nicht umsetzen lässt, wenn er ins Weisse Haus einziehen sollte. Er dürfte an den Realitäten in Washington scheitern, ob im Kongress oder im Obersten Gerichtshof. Dieser könnte seine geplante Vermögenssteuer für Superreiche als verfassungswidrig kassieren.

Bloomberg bald out?

Davor warnt Mike Bloomberg, der sonst durchaus der Meinung ist, dass Milliardäre wie er mehr Steuern zahlen sollten. Für den ehemaligen Bürgermeister von New York verlief der Super Tuesday frustrierend. Obwohl er 500 Millionen Dollar in Werbung investiert hat, lag Bloomberg in sämtlichen Bundesstaaten hinter Biden und Sanders.

Er steht laut Medienberichten unter massivem Druck, sich zurückzuziehen und seine finanzielle Feuerkraft in den Dienst von Joe Biden zu stellen. Dies dürfte eher früher als später geschehen. Und was Elizabeth Warren in diesen Vorwahlen noch erreichen will, weiss nur sie allein. Sie kann einzig Sanders’ Kandidatur beschädigen.

Kein idealer Kandidat

Kommt es zum Schulterschluss, sind die Chancen der Demokraten auf einen Sieg gegen Trump besser, als viele meinen. Natürlich wäre Biden kein idealer Kandidat. Er ist berüchtigt für seine verbalen Fehltritte, und in letzter Zeit leistete er sich Aussetzer, die Zweifel an seiner geistigen Fitness weckten und von Trump genüsslich ausgeschlachtet werden.

Kritiker verweisen zudem auf die Ukraine-Affäre um seinen Sohn Hunter Biden. Wer so argumentiert, verfällt dem Trump-Narrativ. Ist nicht der Präsident ein Ausbund an Korruption, der wie die Karikatur eines Mafioso regiert? Ist er mit komplexen Themen nicht total überfordert, wie derzeit sein Umgang mit der Corona-Krise zeigt?

Joe Biden hat eine reelle Chance gegen Donald Trump. Gefährlich für die Demokraten ist ein anderer Faktor. In Texas erhielten demokratische Wähler mysteriöse Roboter-Anrufe, in denen es hiess, die Wahl finde erst am Mittwoch statt. Sie sollten offensichtlich vom Wählen abgehalten werden. Es ist ein Vorgeschmack auf die schmutzigen Tricks, die bis zur Wahl im November zu erwarten sind.

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