Schweiz
Migration

NZZ-Artikel über Migration in Deutschland wird von Maassen retweet

Warum dieser NZZ-Artikel für einen Shitstorm sorgte – und er von Maassen retweetet wurde

Ein NZZ-Artikel zum Thema Migration in Deutschland schlägt hohe Wellen im Netz – nicht zuletzt weil er vom ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maassen retweetet wurde. Der Hintergrund.
10.07.2019, 03:2610.07.2019, 19:36

Gestern Dienstag veröffentlichte die NZZ einen Artikel mit dem Titel «In deutschen Städten sieht die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen». Verfasst wurde er von Michael Rasch, NZZ-Wirtschaftskorrespondent aus Frankfurt. Folgend ein kurzer Auszug aus dem Text:

«In deutschen Grossstädten geht inzwischen die Mehrheitsgesellschaft ihrem Ende entgegen – das bedeutet, dass Deutsche ohne Migrationshintergrund (nach Definition des Statistischen Bundesamts) nicht mehr die absolute Mehrheit (>50%) sind, sondern neben Deutschen mit Migrationshintergrund und Ausländern lediglich noch die grösste Gruppe darstellen.»
Michael Rasch, NZZ

In Frankfurt am Main, Offenbach, Heilbronn, Sindelfingen und anderen Städten seien Deutsche ohne Migrationshintergrund zwar noch die grösste Gruppe – die absolute Mehrheit stellten sie jedoch nicht mehr, führt der Autor weiter aus.

Raschs Artikel schlug Wellen – und das bis nach Deutschland. Nicht zuletzt weil er im Verlaufe des Tages vom früheren deutschen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maassen auf Twitter geteilt wurde – zusammen mit dem Text: «Für mich ist die NZZ so etwas wie Westfernsehen.»

Maassens Retweet und seine damit verbundene indirekte Kritik an den Deutschen Medien löste einen Sturm der Entrüstung aus. Der Grünen-Politiker Volker Beck etwa erwiderte: «Wir haben also nach Ihrer Ansicht, geschätzter Herr Maassen, in Deutschland Zensur & staatlich gelenkte Medien wie in der DDR? Habe ich Sie richtig verstanden, dass damit die FDGO (Anm.: freiheitliche demokratische Grundordnung), die Sie als Verfassungsschutzpräsident schützen sollten, Ihrer Meinung bereits ausser Kraft ist?»

Der frühere CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz meinte: «Ein früherer Präsident des Verfassungsschutzes vergleicht die deutschen Medien mit der SED-Einheitspresse. Bisher brüllten nur die völkisch-nationalistische AfD und Pegida ‹Lügenpresse›. Die sog. ‹WerteUnion› verliert völlig die Orientierung.»

Maassen ist Mitglied der CDU und der Werte-Union, die sich als konservative Strömung in der Union versteht.

Auch in der Schweiz wurde der NZZ-Artikel von vielen Seiten kritisiert. So twitterte SP-Nationalrat Cédric Wermuth: «Keine Grenzen mehr nach Rechts für die NZZ».

Besonders kritisiert wurden die Ausdrücke «Ur-Deutsche» und «Bio-Deutsche», die in einer ersten Fassung des Artikels verwendet wurden. Gemäss der NZZ wurde der Artikel vor Redigierung veröffentlicht, in einer zweiten Fassung waren die Begriffe geändert.

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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