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«Wir waren friedlich, sie haben geschossen» – heftige Proteste im Irak fordern 9 Tote



Anti-government protesters chant slogans during a protest in Baghdad, Iraq, Wednesday, Oct. 2, 2019. Iraqi officials said several protesters have been killed Wednesday and scores injured amid gunfire and clashes in Baghdad. (AP Photo/Hadi Mizban)

Anti-Regierungs-Protestanten auf einer Brücke in Baghdad. Bild: AP

Bei Protesten gegen Korruption und Arbeitslosigkeit sind im Irak innerhalb von 24 Stunden mindestens neun Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. In Nassirija 300 Kilometer südlich von Bagdad wurden am Mittwoch fünf Demonstranten und ein Polizist erschossen.

Am Dienstag war dort ein Demonstrant getötet worden, in Bagdad waren zwei weitere gestorben. In der Hauptstadt wurde die sogenannte Grüne Zone abgeriegelt.

In der Hauptstadt Bagdad feuerten bei den Protesten gegen Korruption, Missmanagement und Arbeitslosigkeit am Mittwoch Polizisten in die Luft und setzten Tränengas ein. Weitere Demonstrationen fanden im zentralirakischen Nadschaf und in Basra im Süden des Landes statt.

Nach den schweren Unruhen vom Vortag war der Tahrir-Platz in Bagdads Zentrum am Mittwoch von den Sicherheitskräften abgeriegelt, doch versammelten sich erneut Demonstranten am Rand. Kleinere Proteste gab es auch im nördlichen Stadtteil al-Schaab und im südlichen Stadtteil Saafaranija. «Ich bin heute auf der Strasse zur Unterstützung meiner Brüder auf dem Tahrir-Platz», sagte der 27-jährige Abdallah Walid in Saafaranija, wo Demonstranten Reifen in Brand steckten.

Protesters react to tear gas fired by Iraqi security forces during a demonstration in Baghdad, Iraq, Wednesday, Oct. 2, 2019. Iraqi officials said several protesters have been killed Wednesday and scores injured amid gunfire and clashes in Baghdad, raising the number of overall deaths in two days of protests to at least five. (AP Photo/Hadi Mizban)

Bild: AP

«Wir wollen Jobs und bessere öffentliche Dienstleistungen. Wir fordern dies seit Jahren, doch die Regierung reagiert nicht», sagte Walid der Nachrichtenagentur AFP. Der arbeitslose Universitätsabsolvent Mohammed Dschuburi sagte, er fühle sich angesichts der Polizeigewalt «wie ein Fremder im eigenen Land». «Wir waren friedlich, doch sie haben geschossen.»

«Wir wollen Jobs und bessere öffentliche Dienstleistungen. Wir fordern dies seit Jahren, doch die Regierung reagiert nicht.»

Präsident Barham Saleh verurteilte die Gewalt und rief zu «Zurückhaltung und zur Einhaltung des Gesetzes» auf. «Friedlicher Protest ist ein Verfassungsrecht, das den Bürgern gewährt wird», betonte Saleh.

Regierungschef lobt Sicherheitskräfte

Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi, seit einem Jahr im Amt, lobte dagegen die Sicherheitskräfte und machte für die Gewalt nicht näher bezeichnete «Angreifer» verantwortlich, die «gezielt Opfer verursacht» hätten. In Online-Netzwerken stiessen diese Äusserungen auf Kritik.

In this photo released by official website of the Office of the Iranian Presidency, Iraqi Prime Minister Adel Abdel Mahdi, left, and Iranian President Hassan Rouhani, meet at the Saadabad Palace in Tehran, Iran, Monday, July 22, 2019. (Iranian Presidency Office via AP)

Iraks Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi zu Besuch bei Rohani in Teheran. Bild: AP

Der nationalistische schiitische Prediger Moktada al-Sadr forderte eine «faire Untersuchung» der Gewalt auf dem Tahrir-Platz. Für Donnerstag rief er zu «friedlichen Sit-ins» und einem Generalstreik auf.

2016 hatten Demonstranten auf seinen Aufruf hin die sogenannte Grüne Zone gestürmt, in der Gebäude der irakischen Regierung und viele ausländische Botschaften liegen. Am Mittwochabend wurde die besonders gesicherte Zone nach Angaben aus Regierungskreisen vorsorglich abgeriegelt.

Korruption, Strom- und Wasserengpässe

Die irakische Regierung ist seit Jahren immer wieder mit Protesten gegen die verbreitete Korruption und die chronischen Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung konfrontiert. Teilweise gibt es nur vier Stunden Strom am Tag, und die Jugendarbeitslosigkeit liegt laut der Weltbank bei 25 Prozent.

Zu den Protesten hatte dieses Mal ungewöhnlicherweise keine Partei aufgerufen. Eine Zeitung sprach von den ersten Protesten «ohne Flagge, ohne Plakate und ohne Parteislogan». (jaw/sda/afp)

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