Die Schweiz will den Import von Pelz verschärfen – und macht sich damit mächtige Feinde
Mit Luxus-Skiorten in St.Moritz, Gstaad oder Zermatt lockt die Schweiz Superreiche aus der ganzen Welt an. Und was darf nicht fehlen, wenn sich Reich und noch Reicher zum Skifahren treffen? Genau, Pelz. Nun ist die Schweiz aber kurz davor, eines der strengsten Pelzimport-Gesetze Europas einzuführen – das gefällt jedoch längst nicht allen.
Wie die NZZ berichtet, ist einer der grössten Kritiker des neuen Gesetzes der Republikaner Tom Tiffany. Der Unternehmer vertritt im amerikanischen Kongress Wisconsin. Wisconsin ist der US-Bundesstaat, der am meisten Pelze produziert und wo sich Dutzende Nerzfarmen befinden.
Als Tiffany Wind von den Plänen der Schweiz bekam, schrieb er einen Brief an Ralf Heckner, den Schweizer Botschafter in Washington. Darin beschreibt er die Schweiz gemäss der NZZ als «eine geschätzte Handelspartnerin». Die drohenden Importbeschränkungen würden jedoch Dutzende familiengeführte Pelzfarmen in Wisconsin gefährden.
Importverbot könnte Beziehung zwischen Schweiz und USA «abkühlen»
Mark Oaten, Geschäftsführer der International Fur Federation (IFF), ist der gleichen Meinung wie Tom Tiffany. Er findet dafür aber weniger freundliche Worte: «In der Schweiz sind Verwaltungsangestellte ohne wissenschaftlich fundierte Kenntnisse zum Thema Pelz am Werk», so der 61-Jährige gegenüber der NZZ.
Um sein Argument zu unterstreichen, nennt Oaten die Gitter von Käfigen. Weil die Gitterböden die Pfoten der Tiere verletzen könnten, sieht der Bundesrat diese als Tierquälerei. Oaten ist jedoch der Meinung, dass diese Begründung keine wissenschaftliche Grundlage habe. «Die Alternativen zu Gitterböden wären Böden mit Stroh. Dann würden die Tiere aber in ihrem eigenen Kot liegen.» Das sei nicht besser, weshalb die IFF als Alternative Käfige mit Gitterböden und zusätzlich erhöhten Plattformen mit festem Untergrund vorschlug.
Um zu zeigen, wie ernst der Geschäftsführer es meint, machte er deutlich, dass die USA ein Embargo als «feindselige Massnahme» sehen würden. Dies könne dazu führen, dass sich die Beziehung zwischen der Schweiz und den USA «abkühlen» könnte.
Diese Mahnung der IFF kommt, obwohl nur ein Bruchteil der in die Schweiz importierten Pelzprodukte aus den USA stammt. Trotzdem sorgen diese Äusserungen in der Schweiz für Unruhe – nicht zuletzt wegen der laufenden Zollverhandlungen mit den USA. Ein Sprecher des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung bestätigte gegenüber der NZZ nämlich, dass der Bund in Kontakt mit den Betroffenen stehen würde.
Schweiz importiert jährlich 350 Tonnen Pelz
Die Pelzinitiative, die gerade die Beziehung zwischen der Schweiz und den USA zu gefährden scheint, kommt von der Alliance Animale Suisse. Der Vorstoss möchte den Handel mit Pelz aus «tierquälerischer Produktion» verbieten. Dieses Verbot soll ab Sommer 2027 gelten und sogar noch ausgedehnt werden, wenn es nach dem Bundesrat geht.
Die Pelzproduzenten hoffen darum nun auf den Ständerat. An diesem Mittwoch, 15. Januar, befasst sich die ständerätliche Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur mit der Vorlage und führt dazu Anhörungen durch. Ziehen die Initiantinnen und Initianten ihre Forderungen nicht zurück, kommt es letztlich zu einer Volksabstimmung. Diese würde frühestens 2027, spätestens 2028 stattfinden.
Laut Schätzungen von Tierschutzorganisationen werden jährlich 350 Tonnen Pelze in die Schweiz importiert. Dafür würden umgerechnet eineinhalb Millionen Tiere sterben müssen. Zudem kommen viele dieser Pelze von Zuchtfarmen in China. Dort werden die Tiere mit quälerischen Methoden gehalten und getötet.
Eine repräsentative watson-Umfrage aus dem Jahr 2024 zeigt, dass die Pelzinitiative grosse Sympathien in der Schweizer Bevölkerung geniesst. 89 Prozent waren damals dafür oder «eher» dafür.
