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Liedpoet und «Drachentöter» Wolf Biermann wird heute 80 Jahre alt



«Ich möchte am liebsten weg sein - und bliebe am liebsten hier.» Solche Widersprüche haben das Leben des deutschen Liedermachers Wolf Biermann immer wieder bestimmt. Heute wird der berühmte DDR-Dissident 80 Jahre alt.

Sein grösstes Geschenk hat sich Wolf Biermann selbst gemacht: Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag erschien seine Autobiografie «Warte nicht auf bessre Zeiten!» - und katapultierte den Liedermacher und einstigen DDR-Kritiker auf einen Schlag wieder ins wohlige Rampenlicht. Kein Sender, keine Zeitung, kaum eine Talkrunde, die an dieser sehr persönlich gefärbten Lebensgeschichte vorbeikam.

Nun also der runde Geburtstag. Und, seltsamer Zufall, nur einen Tag später der 40. Jahrestag seiner Ausbürgerung aus der DDR. Der unerwartete Widerstand prominenter DDR-Künstler wie Christa Wolf, Stephan Hermlin und Heiner Müller gegen die Verbannung des populären Barden läutete damals den Anfang vom Ende der DDR ein. Biermann wurde zu der historischen Figur, die er heute ist.

25 Jahre Leben verbrachte Biermann im Arbeiter- und Bauernstaat. Sein Vater, ein kommunistischer Jude, war von den Nazis im KZ Auschwitz ermordet worden. Mutter Emma schickte ihren Sohn mit 16 aus der Heimatstadt Hamburg in die DDR, damit er dort die kommunistischen Ideen seines Vaters umsetze.

Nach unverhohlener Begeisterung zu Beginn eckte Biermann mit seinen subversiv-poetischen Liedern zunehmend bei den Machthabern an, ehe er 1965 ganz verboten wurde. «Du, lass dich nicht verhärten/In dieser harten Zeit/Die all zu hart sind, brechen/Die all zu spitz sind, stechen/Und brechen ab sogleich», schrieb er 1968 in seinem berühmten Lied «Ermutigung».

Im eigenen Land durfte er keine Zeile mehr veröffentlichen, doch im Westen wurden seine Songs so populär, dass sie - heimlich kopiert - massenhaft auch in der DDR kursierten.

Die Ausbürgerung traf ihn wie ein Schlag. Es dauerte nach eigenem Bekenntnis Jahre, bis er sich im Westen akklimatisierte. Inzwischen glühender Kommunistenhasser, kehrte er in seine Heimatstadt Hamburg zurück, ging mit neuen Songs auf Tournee und mischte sich immer wieder in die deutsch-deutsche Tagespolitik ein. (sda)

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