Israels Augen sind «weit geöffnet in Bezug auf den Iran»

Israels Augen sind «weit geöffnet in Bezug auf den Iran»

17.05.2026, 20:3417.05.2026, 20:34
FILE - Israel's Prime Minister Benjamin Netanyahu attends a ceremony at the Military Cemetery on Mount Herzl in Jerusalem, April 21, 2026. (Ilia Yefimovich/Pool Photo via AP, File)
Israel Politic ...
Netanyahu wartet bezüglich Iran auf Trump.Bild: keystone

Israel stellt sich nach Medienberichten angesichts stockender diplomatischer Bemühungen auf eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe im Iran ein. Bei einer Kabinettssitzung in Jerusalem sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu:

«Unsere Augen sind weit geöffnet in Bezug auf den Iran.»
Benjamin Netanjahu

Er werde in Kürze mit US-Präsident Donald Trump sprechen. «Es gibt gewiss viele Möglichkeiten, wir sind auf jedes Szenario vorbereitet.»

Die israelische Armee sei in Erwartung einer möglichen Wiederaufnahme der Angriffe im Iran in höchster Bereitschaft, schrieb die Zeitung «Jediot Achronot» unter Berufung auf israelische Regierungsvertreter. Israel warte auf eine Entscheidung Trumps, hiess es.

Trump droht: «Für den Iran tickt die Uhr»

Der US-Präsident drohte dem Iran Stunden später erneut mit Zerstörung. «Für den Iran tickt die Uhr, und sie sollten sich besser SCHNELL bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrig bleiben», schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, und fügt hinzu:

«DIE ZEIT DRÄNGT!»
Donald Trump

Das Nachrichtenportal «Axios» zitierte ihn nach einem Telefoninterview zudem mit der Aussage, dass der Iran «viel härter» getroffen werde, sollte die Führung des Landes in den Bemühungen um ein Kriegsende keinen besseren Vorschlag vorlegen.

Militärische Beratungen erwartet

Dem US-Medium zufolge sagten nicht namentlich genannte US-Beamte, dass Trump einen Deal zur Beendigung des Kriegs wolle, militärische Optionen aktuell aber wieder auf dem Tisch lägen. Hintergrund ist demnach die Ablehnung von US-Forderungen durch Teheran sowie mangelnde Bereitschaft des Irans, bei seinem umstrittenen Atomprogramm bedeutende Zugeständnisse zu machen.

Es werde erwartet, dass Trump am Dienstag mit seinem nationalen Sicherheitsteam im «Situation Room», dem streng gesicherten Lagezentrum der US-Regierungszentrale in Washington, zusammenkommen werde. Dort sollten Optionen für militärische Massnahmen erörtert werden, zitiert «Axios» zwei US-Beamte.

Atomkraftwerk in den Emiraten angegriffen

Bei einem Drohnenangriff in den Vereinigten Arabischen Emiraten brach derweil an einem Atomkraftwerk ein Feuer aus. Ein Stromgenerator der Anlage in der Wüstenregion westlich von Abu Dhabi sei in Brand geraten, teilte das Medienbüro der Hauptstadt mit. Der Brand habe die Sicherheit der Anlage aber nicht gefährdet und der Betrieb laufe normal, hiess es. Auch Verletzte habe es nicht gegeben.

Der Verdacht richtete sich schnell gegen den Iran, der die Emirate seit Kriegsbeginn im Nahen und Mittleren Osten besonders stark angegriffen hat. Das Land meldete seit Ende Februar nahezu 3'000 iranische Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern.

Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, zeigte sich schwer besorgt über den Vorfall. «Militärische Handlungen, die die Atomsicherheit gefährden, sind nicht hinnehmbar», teilte er mit. Die Emirate hätten die IAEA aber informiert, dass die Strahlenwerte normal seien.

Kostengünstigere Drohnenabwehr in Aussicht gestellt

Die Abwehr iranischer Drohnen ist für die Golfstaaten eine grosse Herausforderung. Nun führt deren Verbündeter Grossbritannien eine kostengünstigere Abwehrwaffe ein. Das Verteidigungsministerium in London erklärte, seine Kampfflugzeuge im Nahen Osten vom Typ Typhoon würden mit neuen und kostengünstigen Raketen speziell zur Drohnenabwehr ausgerüstet. Damit sei die präzise Zerstörung von Zielen möglich – und das «zu einem Bruchteil der Kosten der Raketen, die aktuell dafür genutzt werden».

epa12761369 UK Defence Procurement Minister Luke Pollard attends a press conference following the E5 defense ministers' meeting in Krakow, Poland, 20 February 2026. Poland is hosting a meeting of ...
Luke Pollard will Golf Staaten bei der Drohnenabwehr abhelfen.Bild: keystone

Das Waffensystem werde dabei helfen, «bei viel geringeren Kosten viel mehr Drohnen abzuschiessen», erklärte Verteidigungsminister Luke Pollard. Die Typhoon-Kampfflugzeuge verteidigten im Nahen Osten britische Staatsbürger und Interessen sowie Verbündete.

Die neue Anti-Drohnen-Waffe (Kürzel APKWS) nutzt demnach ein Laser-Zielsystem, das einfache Raketen in günstige Präzisionswaffen umwandelt. Das Ministerium nannte keinen genauen Preis für das System.

Festgefahrene Verhandlungen frustrieren Washington

Die USA und Israel begannen den Iran-Krieg Ende Februar. Teheran reagierte auf das massive Bombardement mit Gegenangriffen auf Israel sowie die Staaten am Persischen Golf, die es als US-Verbündete betrachtet. Aktuell gilt in dem Krieg eine Waffenruhe. Spannungen in der Region hatten diese jedoch mehrfach ins Wanken gebracht. Zudem sorgte der mangelnde Fortschritt bei den diplomatischen Bemühungen in Washington zunehmend für Frust.

President Donald Trump shakes hands with Israel's Prime Minister Benjamin Netanyahu at the end of a news conference at Mar-a-Lago, Dec. 29, 2025, in Palm Beach, Fla. (AP Photo/Alex Brandon, File) ...
Netanyahu und Trump bereiten sich auf Wiederaufnahme der Angriffe im Iran vor.Bild: keystone

Die «New York Times» hatte bereits am Freitag berichtet, das Pentagon bereite sich auf einen möglichen Neubeginn des Kriegs vor. Hintergrund sei, dass die bisherigen Ziele – insbesondere mit Blick auf das iranische Atomprogramm – bislang nicht erreicht worden seien. Die USA und Israel seien mit intensiven Vorbereitungen auf eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe im Iran schon in der neuen Woche beschäftigt, berichtete das Blatt unter Berufung auf zwei Repräsentanten aus dem Nahen Osten.

Auch der israelische Fernsehsender N12 meldete, in Israel gehe man davon aus, dass eine Entscheidung über ein militärisches Vorgehen «sehr bald» fallen könnte. Man rechne damit, dass neue Kämpfe «Tage bis Wochen» dauern würden.

Begrenzte Schläge oder Bodenoperationen

«Jediot Achronot» zufolge wird derzeit nicht erwartet, dass Trump einen umfassenden Krieg mit dem Ziel eines Sturzes der iranischen Führung beginnen will. Stattdessen rechne man eher mit begrenzten Angriffen auf Kraftwerke und Brücken.

Denkbar seien aber auch Bodenoperationen zur Einnahme der für den Export wichtigen Insel Charg oder zur Bergung der Bestände von rund 440 Kilogramm Uran, das im Iran auf 60 Prozent angereichert wurde und bei weiterer Anreicherung zum Bau mehrerer Atomwaffen ausreichen könnte. (sda/dpa)

Video: watson/nina bürge
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1