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Bombenentschärfung wird Geduldsprobe für Behörden in Frankfurt



Die Entschärfung einer Sprengbombe aus dem Zweiten Weltkrieg in Frankfurt hat Beamte und Experten vor Schwierigkeiten gestellt. Uneinsichtige Anwohner sorgten für Verzögerungen - die Feuerwehr reagierte genervt. Zudem war die Entschärfung schwieriger als gedacht.

Mehr als 60'000 Anwohner hatten im Umkreis von 1.5 Kilometern um den Fundort Bombe ihre Wohnungen verlassen müssen. Die Luftmine war bei Bauarbeiten nahe dem Uni-Campus Westend entdeckt worden. Es war die grösste Evakuierungsaktion in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Rund 500 Menschen wurden am Sonntagmorgen mit Spezialtransporten in Sicherheit gebracht, 600 waren es bereits am Samstag. Auch Altersheime und zwei Spitäler wurden evakuiert. Weil bis zum Mittag immer neue Bitten um Hilfe bei der Feuerwehr eingingen, dauerten die Transporte länger als geplant.

Das sei «super ärgerlich und super aufwendig» gewesen, sagte ein Sprecher der Frankfurter Feuerwehr. Bei einem der Krankentransporte gab es laut Polizei einen Zwischenfall. Eine Person sei beim Transport bewusstlos geworden und habe reanimiert werden müssen.

Behörden sichtlich sauer

Für die längste Verzögerung sorgten jedoch renitente Anwohner, die sich weigerten, ihre Häuser zu verlassen. «Wegen weniger als einem Dutzend Leuten ist jetzt die ganze Maschinerie angehalten», schimpfte Feuerwehrchef Reinhard Ries. Ries sprach von einer Mischung aus «Ignoranz und Dummheit».

Rettungskräfte, die Hilfsbedürftige aus der Sicherheitszone brachten, hätten Anwohner winkend am Fenster gesehen. «Ich hoffe, dass das Konsequenzen hat», sagte der Feuerwehrchef.

Eine Person musste nach Polizeiangaben in Gewahrsam genommen werden. Der Mann musste mit einer Drehleiter über den Balkon aus der Wohnung geholt werden.

Die Behörden prüfen, ob sich der renitente Anwohner damit strafbar gemacht hat oder ob man ihm die Kosten für den längeren Polizeieinsatz in Rechnung stellen kann. Einige Anwohner hätten sich auch zunächst versteckt und dann doch Angst bekommen und die Polizei gerufen. Statt wie geplant um 12.00 Uhr konnte die Entschärfung erst zweieinhalb Stunden später beginnen.

Zünder raus, Gefahr nicht gebannt

Die Entschärfung der britischen Luftmine mit 1.4 Tonnen Sprengstoff erwies sich schliesslich als komplizierter als erwartet. Wie Polizei und Feuerwehr am frühen Sonntagabend berichteten, sind zwar alle drei Zünder entfernt.

Aber bei Zweien habe die Sprengladung beim Ausbau der Zünder nicht mit entfernt werden können. Die Sprengkapseln mussten gesondert ausgebaut werden, bevor die Reste der Bombe transportsicher gemacht werden können.

Wenn es zu keinen weiteren Verzögerungen kommt, könnte der ursprüngliche Zeitplan doch noch gehalten werden, sagte Polizeichef Gerhard Bereswill. Gegen 20 Uhr könnte der Verkehr wieder freigegeben werden. Zuvor sollten Kranke und Alte zurückgebracht werden.

Weniger Probleme in Koblenz

Bereits am Samstag hatten wegen einer Bombenentschärfung in Koblenz (Rheinland-Pfalz) rund 21'000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen. Die Entschärfung des Blindgängers US-amerikanischer Herkunft aus dem Zweiten Weltkrieg gelang ohne Probleme.

Doch auch hier begann die Entschärfungsaktion mit geringer Verzögerung, weil einige Menschen ihre Wohnungen in der Sperrzone erst nach intensiveren Gesprächen verlassen wollten. In zwei Fällen hätten Wohnungen vom Ordnungsamt geräumt werden müssen, sagte ein Feuerwehrsprecher. (sda/dpa)

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