Neues Justizdekret in Rumänien im Kreuzfeuer der Kritik

Neues Justizdekret in Rumänien im Kreuzfeuer der Kritik

22.01.2019, 20:0022.01.2019, 20:00

In Rumänien schlagen die Pläne der Regierung für eine Amnestie korrupter Politiker und Beamter weiter hohe Wellen. Staatschef Klaus Iohannis wandte sich am Dienstag gegen ein Dringlichkeitsdekret, das Justizminister Tudorel Toader am Montag bekannt gemacht hatte.

Demnach können Personen, die nach 2014 der Korruption für schuldig befunden wurden, gegen letztinstanzliche Urteile vorgehen. Iohannis nannte das Dekret den Versuch der regierenden Sozialdemokratischen Partei (PSD) , ihre Politiker weisszuwaschen, insbesondere ihren Vorsitzenden Liviu Dragnea.

Obwohl die PSD 2016 die Parlamentswahl gewonnen hatte, konnte der als «starker Mann» Rumäniens geltende Dragnea wegen seines Strafregisters nicht Regierungschef werden. Er war unter anderem 2016 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wegen Wahlbetrugs verurteilt worden.

Im vergangenen Jahr wurde Dragnea wegen einer Scheinbeschäftigungsaffäre zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Durch das neue Dekret könnte er die gegen ihn ergangenen Urteile im Nachhinein anfechten. Insgesamt könnten gestützt auf das Dekret mehr als 350 Verurteilungen aufgehoben werden.

Die Regierung rechtfertigt das Dekret damit, dass die für die Urteile verantwortlichen Richterkammern des Obersten Gerichtshofs nicht korrekt zusammengestellt wurden. Das Verfassungsgericht stellte sich im November hinter die Regierung.

Die Oppositionsparteien liefen Sturm gegen das neue Dekret. Auch Rumäniens Chefankläger Augustin Lazar sprach sich dagegen aus.

Rumänien hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne. Die Europäische Kommission erklärte, dass sie die Debatte in Rumänien genau verfolge. Ein Sprecher sagte, Rumänien müsse zurückfinden zum Kampf gegen die Korruption und zur Unabhängigkeit der Justiz. Rumänien gilt als eines der korruptesten Länder in der EU. Es wird deswegen regelmässig von Brüssel kritisiert. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!