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Montagnola feiert sein Wunderkind Ignazio Cassis



Die Bevölkerung von Montagnola, dem Wohnort des neuen Bundesrats Ignazio Cassis, hat am Mittwoch seine Wahl begeistert begrüsst. Sie freute sich für ihre Gemeinde, für das Tessin und für die ganze Schweiz.

Am Mittwochmorgen um 8 Uhr öffneten sich an der Primarschule von Montagnola, einer Gemeinde der Collina d`Oro oberhalb von Lugano, die Türen des Schul-Foyers für die Bevölkerung, welche die Wahl des Bundesrats direkt verfolgen wollte.

Das Publikum bestand vor allem aus Dorfbewohnern und Schülern, von den Behörden waren der Vizebürgermeister Giorgio Cattaneo und die freisinnige Tessiner Grossrätin Maristella Polli anwesend, die man im Tessin als Moderatorin des Schweizer Fernsehens italienischer Sprache kennt.

Applaus und Hurra-Rufe

Die Freude nach dem ersten Wahlgang war schon riesig. Nach dem zweiten Wahlgang, bei der Ankündigung, dass ein «Montagnolese», ein «Kind» des Dorfes, gewählt worden war, explodierte der Saal förmlich unter Applaus und Hurra-Rufen. Die Erwachsenen umarmten sich, während die Schüler, ein wenig aufgeregt, in ihre Klassenzimmer zurückkehrten.

Für Wanda Bernasconi, militante Freisinnige der ersten Stunde und Tante der Bürgermeisterin Cristina Ramelli, die in Bern die Wahl beobachtete, ist es ein grosser Tag für das Tessin und die italienische Schweiz.

«Wir brauchten jetzt nach 18 Jahren einen italophonen Bundesrat», sagte sie, «er wird sicher für das Tessin arbeiten, aber genauso die Italianità in der Schweiz repräsentieren und die nicht immer einfachen Beziehungen mit unseren italienischen Nachbarn erleichtern.»

Vorort von Mailand

Andere Einwohner der Gemeinde stimmen ihr zu. Auch ein Romand aus Genf, der seit Jahrzehnten in Montagnola wohnt, freut sich:«Das Tessin und seine Besonderheiten verdienen es, in Bern wahrgenommen zu werden, um sich mehr als Teil der Schweiz zu fühlen. Man kann das nicht mit Genf vergleichen, das die Metropole einer Grenzregion ist. Das Tessin ist der Vorort der grossen Metropole Mailand.»

Vizebürgermeister Giorgio Cattaneo und Grossrätin Maristella Polli, die von den Journalisten belagert werden, sind enthusiastisch: «Ignazio Cassis kann die Kultur und die besonderen Empfindlichkeiten der italienischen Schweiz dem Rest des Landes begreiflich machen.»

Ein liberaler Tessiner Bundesrat in einem Kanton, in dem die Lega dominiert? Giorgio Cattaneo nimmt kein Blatt vor den Mund: «Es gab nie einen Leghisten im Bundesrat. Vielleicht weil niemand von denen dazu fähig ist.»

Am Mittwoch zeigte sich das Dorf von Hermann Hesse von seiner schönsten Seite. Ein wolkenloser Himmel krönte die Wahl von Ignazio Cassis. Die Schweizer und die Tessiner Fahnen wurden gehisst, und nach der Wahl wurden die Kirchenglocken geläutet. (sda)

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