Wie der ukrainische Soldat Oleksandr die Russen austrickste
Es ist Mai 2022 in der ukrainischen Stadt Mariupol. Oleksandr Iwanzow befindet sich in einer alten Stahlfabrik. Doch von dieser ist wenig übrig.
Am 16. Mai 2022 kommt der Befehl zur Kapitulation. Die rund 2500 ukrainischen Soldaten ergeben sich fast alle, was für sie die Kriegsgefangenschaft bedeutet. Doch Oleksandr weigert sich, sich zu ergeben. Dies schreibt der Spiegel.
Die wenigen Soldaten, die sich nicht ergeben, sitzen im Stahlwerk und warten, bis die Russen sie in Kriegsgefangenschaft nehmen.
Die Flucht unter die Erde
Oleksandr geht zu einem Schachtdeckel und hebt diesen hoch. Im darunterliegenden Tunnel liegen alle Vorräte, die der 31-jährige Ukrainer auf die Schnelle finden konnte, wie der Spiegel berichtet.
In dem kleinen Schacht wird Oleksandr zehn Tage lang bleiben. Er akzeptiert, dass er in diesem Krieg sterben wird, doch er will nicht, dass ihn die Russen kampflos kriegen.
Das Leben vor dem Krieg
Geboren wird Oleksandr Iwanzow 1994 in Luhansk, einer ukrainischen Grossstadt nahe der russischen Grenze.
Er macht eine Ausbildung zum Koch und träumt davon, die Welt zu bereisen.
2014 ergreifen Separatisten mit russischer Hilfe die Macht in der Ostukraine. Oleksandr verlässt aus Sicherheitsgründen seine Heimat.
Der Anfang der Konflikte
2015 trifft er die Entscheidung, sich dem Asow-Regiment anzuschliessen.
Das Asow-Regiment, später eine Brigade, gehört zu den umstrittensten der ukrainischen Armee. Denn es wurde von Rechtsextremen gegründet und viele der Kämpfer tragen bis heute rechtsextreme Symbole. Im Jahr 2020 verlässt er das Regiment und arbeitet später als Sicherheitsbeamter von Frachterschiffen vor Somalia.
Der Weg nach in den Krieg
Oleksandrs Frau schreibt ihm im Februar 2022, zwei Tage nach Kriegsbeginn, folgende Nachricht: «Raketen schlagen in Kiew ein.» Oleksandr will kämpfen und kehrt in die Ukraine zurück, wie der Spiegel schreibt. Ein Rekrut erzählt Oleksandr, dass seine ehemalige Brigade Freiwillige suche. Oleksandr meldet sich sofort.
Zum Zeitpunkt der Kapitulations-Anweisung hat Oleksandr bereits Wochen in dem Stahlwerk verbracht. Am Tag der Kapitulation macht er sein Versteck bereit. Ein Kamerad, der sich ergibt, schenkt ihm sein Smartphone. Dieses enthält Karten der Frontlinie. Er lernt diese auswendig, um vor den Russen fliehen zu können, falls er es aus dem Stahlwerk hinausschafft, wie der Spiegel berichtet.
Die Tage auf dem Weg in den Tod
Am 24. Mai 2022 um 22 Uhr kriecht er aus seinem Versteck. Er schleicht sich aus dem Stahlwerrk. Doch kaum in der zerstörten Stadt angekommen, erwarten ihn russische Checkpoints.
Zu seinem Erstaunen wird er vorbeigelassen und darf weitergehen. Bis er doch festgenommen, durchsucht, befragt und festgenommen wird. Die Russen bringen ihn in ein improvisiertes Gefängnis. Dort bleibt er tagelang.
Später wird er in ein Gefängnis nach Donezk verlegt.
Einige Tage nach seiner Verlegung wird der ukrainische Soldat freigelassen.
Die Freiheit
Oleksandr findet sich auf einer Strasse inmitten eines zerstörten Donezk wieder. Er kauft sich ein Handy und bittet einen Kollegen um Hilfe. Dieser kontaktiert die Asow-Führung, also die Führung des früheren Bataillons von Oleksandr. Diese kann ihm jedoch so schnell nicht zu Hilfe kommen.
Also geht Oleksandr zu Fuss in Richtung ukrainische Grenze. Er schafft es, dass eine Dame ihn mit dem Auto über die Grenze mitnimmt, wie der Spiegel schreibt.
Oleksandr hat die Russen besiegt. Seitdem sind mittlerweile knapp drei Jahre vergangen. Oleksandr denkt jeden Tag an seine Freunde, die noch immer in Kriegsgefangenschaft sind.
Heute verteidigt Oleksandr die Ostfront der Ukraine. Er schickt Drohnen über die Grenze nach Russland. Sein Traum ist es, die besetzten ukrainischen Gebiete zu befreien. Und irgendwann in seine Heimat Luhansk zurückzukehren. (nib)
