Ukraine-Krieg: So entkam ein Soldat den Russen mehrere Male

epaselect epa09955624 A picture taken during a visit to Mariupol organised by the Russian military shows Russian serviceman reflect on the wall with Ukraine national flag in the destroyed bunker of Uk ...
Mariupol ist eine Stadt im Osten der Ukraine, nahe der russischen Grenze.Bild: keystone

Wie der ukrainische Soldat Oleksandr die Russen austrickste

29.12.2025, 17:1714.01.2026, 11:25

Es ist Mai 2022 in der ukrainischen Stadt Mariupol. Oleksandr Iwanzow befindet sich in einer alten Stahlfabrik. Doch von dieser ist wenig übrig.

Am 16. Mai 2022 kommt der Befehl zur Kapitulation. Die rund 2500 ukrainischen Soldaten ergeben sich fast alle, was für sie die Kriegsgefangenschaft bedeutet. Doch Oleksandr weigert sich, sich zu ergeben. Dies schreibt der Spiegel.

epa11912662 A view of the Azovstal steel factory from the Russian Orthodox Church of the Holy Prince Alexander Nevsky in Mariupol, Donetsk region, 16 February 2025 (issued 21 February 2025). The Azovs ...
Die Stahlfabrik in Mariupol wird mittlerweile von den Russen genutzt.Bild: keystone

Die wenigen Soldaten, die sich nicht ergeben, sitzen im Stahlwerk und warten, bis die Russen sie in Kriegsgefangenschaft nehmen.

Die Flucht unter die Erde

Oleksandr geht zu einem Schachtdeckel und hebt diesen hoch. Im darunterliegenden Tunnel liegen alle Vorräte, die der 31-jährige Ukrainer auf die Schnelle finden konnte, wie der Spiegel berichtet.

«Ich wusste: Wenn ich es nicht probiere, werde ich es für immer bereuen.»
Iwanzow zum Kampf für seine Freiheit

In dem kleinen Schacht wird Oleksandr zehn Tage lang bleiben. Er akzeptiert, dass er in diesem Krieg sterben wird, doch er will nicht, dass ihn die Russen kampflos kriegen.

Das Leben vor dem Krieg

Geboren wird Oleksandr Iwanzow 1994 in Luhansk, einer ukrainischen Grossstadt nahe der russischen Grenze.

Er macht eine Ausbildung zum Koch und träumt davon, die Welt zu bereisen.

epa04113222 Armed men in military uniform march outside the territory of a Ukrainian military unit in the village of Perevalnoye, outside Simferopol, Ukraine, 07 March 2014. The Crimea's parlimen ...
2014 wird die ukrainische Halbinsel Krim von russischen Streitkräften annektiert.Bild: EPA/EPA

2014 ergreifen Separatisten mit russischer Hilfe die Macht in der Ostukraine. Oleksandr verlässt aus Sicherheitsgründen seine Heimat.

Der Anfang der Konflikte

2015 trifft er die Entscheidung, sich dem Asow-Regiment anzuschliessen.

Das Asow-Regiment, später eine Brigade, gehört zu den umstrittensten der ukrainischen Armee. Denn es wurde von Rechtsextremen gegründet und viele der Kämpfer tragen bis heute rechtsextreme Symbole. Im Jahr 2020 verlässt er das Regiment und arbeitet später als Sicherheitsbeamter von Frachterschiffen vor Somalia.

Der Weg nach in den Krieg

Oleksandrs Frau schreibt ihm im Februar 2022, zwei Tage nach Kriegsbeginn, folgende Nachricht: «Raketen schlagen in Kiew ein.» Oleksandr will kämpfen und kehrt in die Ukraine zurück, wie der Spiegel schreibt. Ein Rekrut erzählt Oleksandr, dass seine ehemalige Brigade Freiwillige suche. Oleksandr meldet sich sofort.

«Der Wunsch, mit ihnen zu kämpfen, war grösser als meine Angst.»
Oleksandr zum freiwilligen Beitritt in den Krieg

Zum Zeitpunkt der Kapitulations-Anweisung hat Oleksandr bereits Wochen in dem Stahlwerk verbracht. Am Tag der Kapitulation macht er sein Versteck bereit. Ein Kamerad, der sich ergibt, schenkt ihm sein Smartphone. Dieses enthält Karten der Frontlinie. Er lernt diese auswendig, um vor den Russen fliehen zu können, falls er es aus dem Stahlwerk hinausschafft, wie der Spiegel berichtet.

Die Tage auf dem Weg in den Tod

Am 24. Mai 2022 um 22 Uhr kriecht er aus seinem Versteck. Er schleicht sich aus dem Stahlwerrk. Doch kaum in der zerstörten Stadt angekommen, erwarten ihn russische Checkpoints.

«Ein Teil von mir ist in Mariupol gestorben.»
Oleksandr zu seiner Zeit in seinem Versteck, gegenüber dem Spiegel.

Zu seinem Erstaunen wird er vorbeigelassen und darf weitergehen. Bis er doch festgenommen, durchsucht, befragt und festgenommen wird. Die Russen bringen ihn in ein improvisiertes Gefängnis. Dort bleibt er tagelang.

epa10206246 A car transits in front of a destroyed building in Mariupol, eastern Ukraine, 25 September 2022. From 23 to 27 September, residents of the self-proclaimed Luhansk and Donetsk People's ...
Zerbombte Wohnhäuser in der ukrainischen Stadt Mariupol.Bild: keystone

Später wird er in ein Gefängnis nach Donezk verlegt.
Einige Tage nach seiner Verlegung wird der ukrainische Soldat freigelassen.

Die Freiheit

Oleksandr findet sich auf einer Strasse inmitten eines zerstörten Donezk wieder. Er kauft sich ein Handy und bittet einen Kollegen um Hilfe. Dieser kontaktiert die Asow-Führung, also die Führung des früheren Bataillons von Oleksandr. Diese kann ihm jedoch so schnell nicht zu Hilfe kommen.

Also geht Oleksandr zu Fuss in Richtung ukrainische Grenze. Er schafft es, dass eine Dame ihn mit dem Auto über die Grenze mitnimmt, wie der Spiegel schreibt.

epa12602938 Members of the State Border Guard Service of Ukraine guard at a crossing point on the border with Belarus in Chernihiv Oblast, Ukraine, 18 December 2025 (issued 19 December 2025). The brid ...
Auch an der Grenze glauben die Russen, Oleksandrs Geschichte.Bild: keystone

Oleksandr hat die Russen besiegt. Seitdem sind mittlerweile knapp drei Jahre vergangen. Oleksandr denkt jeden Tag an seine Freunde, die noch immer in Kriegsgefangenschaft sind.

Heute verteidigt Oleksandr die Ostfront der Ukraine. Er schickt Drohnen über die Grenze nach Russland. Sein Traum ist es, die besetzten ukrainischen Gebiete zu befreien. Und irgendwann in seine Heimat Luhansk zurückzukehren. (nib)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kaoro
29.12.2025 18:47registriert April 2018
Ich hoffe Putin wird irgendwann dafür büssen.
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Celtic Swiss
29.12.2025 18:35registriert Juni 2024
Krass, traurig und macht wütend!

Slava Ukraini!
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Brasilianischer Schweizer
29.12.2025 18:42registriert Mai 2025
Mein Respekt gilt diesem Mann. Er hat es geschafft mehrmals die Russen zu überlisten. Und das mit Strategie und Überlegung. Was für eine tolle Geschichte
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