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Türkei: 14 Putschisten festgenommen nach gescheitertem Anschlag auf Erdogan



Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei sind auch jene Soldaten gefasst worden, die Präsident Recep Tayyip Erdogan in seinem Hotel aus dem Verkehr ziehen sollten. Die 14 Soldaten wurden in den westtürkischen Küstenstädten Marmaris und Izmir festgenommen.

Einige von ihnen sollen für den nicht näher beschriebenen «Anschlag» auf ein Hotel in Marmaris verantwortlich gewesen sein, in dem sich Erdogan bis am Freitagabend in den Ferien befunden hatte. Das berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntagabend.

Nach seiner Ankunft in Istanbul hatte der Präsident von einem Bombenangriff auf das Hotel gesprochen, der aber erst nach seiner Abreise stattgefunden habe. Die nun gefassten Soldaten wurden umgehend dem Haftrichter vorgeführt.

Erdogan und die islamisch-konservative Regierung in Ankara griffen am Wochenende bei Militär und Justiz scharf durch. Die Zahl der Festnahmen belief sich nach Regierungsangaben auf rund 6000 und dürfte sich noch erhöhen.

Die Massenproteste in türkischen Grossstädten gegen den Putschversuch gehen derweil weiter. In Istanbul, Ankara und vielen anderen Städten versammelten sich am Sonntagabend zehntausende Menschen auf den Strassen und zentralen Plätzen, um gegen den Umsturzversuch zu demonstrieren.

Die Demonstranten folgten damit einem erneuten Aufruf Erdogans. Auf Twitter hatte dieser am Sonntagabend geschrieben: «Aufhören gilt nicht, Weggehen gilt nicht. Wir lassen die Plätze nicht leer.»

Diplomat festgesetzt

Auf Ansuchen aus Ankara wurde zudem ein türkischer Diplomat bei einer Zwischenlandung in Saudi-Arabien festgenommen. Wie der Sender Al-Arabija am Montagmorgen und Berufung auf saudische Quellen berichtete, habe der an der Botschaft in Kuwait stationierte türkische Militärattaché nach Düsseldorf fliegen wollen.

Bei einer Zwischenlandung seines Passagierflugzeuges in Damman im Osten Saudi-Arabiens sei der Offizier festgesetzt worden. Eine offizielle Erklärung aus Riad gab es dazu nicht. Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan eine umfassende «Säuberung» von Militär und Justiz angekündigt.

Hindernis für EU-Beitrittsverhandlungen

Das harte Durchgreifen der türkischen Regierung nach dem Putschversuch beeinträchtigt nach Einschätzung von Europapolitikern der Union die EU-Beitrittsverhandlungen mit dem Land. Wenn Präsident Erdogan die Situation ausnutze, «um weitere Verfassungsrechte einzuschränken, dann werden die Beitrittsverhandlungen schwierig bis unmöglich», sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament, Elmar Brok, dem «Handelsblatt».

Die EU hatte ihre Verhandlungen mit der Türkei über einen EU-Beitritt im Juni ausgeweitet. Beide Seiten vereinbarten damals den Beginn von Gesprächen über Verhandlungskapitel 33 zu Haushaltsfragen. Die Eröffnung hatten die EU-Staats- und Regierungschefs Ankara im März im Gegenzug für die Rücknahme von Flüchtlingen aus Griechenland versprochen.

Die Verhandlungen mit der Türkei über einen EU-Beitritt laufen seit Oktober 2005. Nun sind 16 von insgesamt 35 Verhandlungskapiteln eröffnet, in denen die EU-Standards für eine Mitgliedschaft festgelegt sind. (sda/dpa/afp)

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