Er riskierte den Tod, um nicht an die ukrainische Front zu müssen
Maramures ist eine Region im Norden von Rumänien, kurz nach der westlichen Grenze der Ukraine. Viktor Pinkhasov hat es soeben über die Grenze, aus der Ukraine geschafft und ist somit seiner Pflicht, an die Front zu gehen und zu kämpfen, entkommen.
CNN hat mit dem 34-jährigen Viktor darüber gesprochen, wie ihm die Flucht gelang und was er nun mit seinem Leben vorhat.
Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft habe laut Angaben des Medienunternehmens «Ukrainska Pravda» knapp 290'000 Strafverfahren wegen unerlaubter Abwesenheit von Soldaten eröffnet. Das ukrainische Kriegsrecht verbietet allen Männern im Alter von 23 bis 60 Jahren, die wehrpflichtig sind, das Land zu verlassen.
Somit hätte auch Viktor nicht fliehen dürfen.
Viktors Leben und seine Flucht
Viktor sagt, dass er eigentlich aus der Hauptstadt Kiew komme, dort arbeitete er als Taxifahrer. Auf CNN erzählt er, dass das Leben während des russischen Angriffskriegs unerträglich geworden sei.
Er habe einen Monat in die Vorbereitung seiner Flucht investiert. Die Überquerung geplant und auf verschiedenen Navigationsapps geschaut, wo er über die Grenze nach Rumänien könne. Er sei in Telegram-Gruppen gewesen, wo andere Geflüchtete ihre Tipps teilten und erzählten, wie sie die Flucht geschafft hätten.
Er habe sich mit Überlebensausrüstung und Energieriegeln eingedeckt. Am letzten Tag seiner Reise liess er die ganzen vorbereiteten Sachen liegen. Er rannte, sprintete zur Grenze, um vor ukrainischen Grenzsoldaten zu fliehen, vor seinen eigenen Landsmännern.
Seit dem Beginn des Konflikts 2022 seien über 30'000 Männer über die rumänische Grenze geflohen. Sie alle erhalten einen vorübergehenden Schutzstatus.
Der ukrainische Grenzschutzdienst sagt, sie hätten mehr als 25'000 Menschen, die fliehen wollten, an allen Grenzen der Ukraine abgefangen.
Flucht über die Berge
Auch der 42-jährige Dima ist aus der Ukraine nach Rumänien geflohen. Er hätte in den Anfangszeiten des Kriegs an die Front gehen sollen, doch dies wollte der zweifache Vater nicht.
Um nach Rumänien zu gelangen, müssen die Fliehenden durch ein Gebirge. Dima habe dies auf sich genommen, mit der Hilfe von zwei Schmugglern. Sie hätten Tage in Temperaturen unter null Grad verbracht. Wenn man genügend Geld habe, könne man Schmuggler bezahlen, sodass man die Flucht nicht alleine antreten müsse.
Einer der beiden Schmuggler sei während eines Schneesturms erfroren. Dima verlor alle seine Zehen. Er sei überzeugt gewesen, dass er sterbe. Der rumänische Rettungsdienst «Salvamont Maramures» habe Dima gerade noch rechtzeitig vom Berg retten können.
Dan Benga ist für diese Rettungsaktionen zuständig. Er sagt gegenüber CNN, dass er und die anderen Retter während vier Jahren bereits 377 Ukrainer auf der Flucht gerettet hätten.
Er sagt, viele von ihnen seien nicht gut genug ausgerüstet. Zudem seien sie erschöpft, müde und oft unterkühlt.
Einige der Männer, die an den Grenzen erwischt wurden, seien kurze Zeit darauf an die Front eingezogen worden. Und müssten nun für ihr Land im Krieg gegen Russland kämpfen.
Viktor habe es mittlerweile weiter nach Rumänien geschafft und wurde laut CNN mit seiner fünf Monate alten Tochter in der Schweiz wiedervereint. (nib)
