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Ukraine

Ukrainische Männer verlassen das Land, um nicht im Krieg zu kämpfen

epa04344085 A man looks at a damaged house in Donetsk, eastern Ukraine, 07 August 2014. The death toll mounted on 06 August as Ukrainian and separatist forces fought for control of several eastern cit ...
Alle Männer zwischen 23 und 60 Jahren, die wehrpflichtig sind, dürfen die Ukraine nicht verlassen. (Symbolbild)Bild: EPA/EPA

Er riskierte den Tod, um nicht an die ukrainische Front zu müssen

23.12.2025, 12:5223.12.2025, 15:44

Maramures ist eine Region im Norden von Rumänien, kurz nach der westlichen Grenze der Ukraine. Viktor Pinkhasov hat es soeben über die Grenze, aus der Ukraine geschafft und ist somit seiner Pflicht, an die Front zu gehen und zu kämpfen, entkommen.

CNN hat mit dem 34-jährigen Viktor darüber gesprochen, wie ihm die Flucht gelang und was er nun mit seinem Leben vorhat.

«Ich möchte frei sein und leben.»
Viktor über seine Pläne in seiner jetzigen Freiheit

Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft habe laut Angaben des Medienunternehmens «Ukrainska Pravda» knapp 290'000 Strafverfahren wegen unerlaubter Abwesenheit von Soldaten eröffnet. Das ukrainische Kriegsrecht verbietet allen Männern im Alter von 23 bis 60 Jahren, die wehrpflichtig sind, das Land zu verlassen.

Somit hätte auch Viktor nicht fliehen dürfen.

Viktors Leben und seine Flucht

Viktor sagt, dass er eigentlich aus der Hauptstadt Kiew komme, dort arbeitete er als Taxifahrer. Auf CNN erzählt er, dass das Leben während des russischen Angriffskriegs unerträglich geworden sei.

«Niemand will Frieden. Weder Putin, noch Selenskyj, noch Trump.»
Viktor über den Ukrainekrieg

Er habe einen Monat in die Vorbereitung seiner Flucht investiert. Die Überquerung geplant und auf verschiedenen Navigationsapps geschaut, wo er über die Grenze nach Rumänien könne. Er sei in Telegram-Gruppen gewesen, wo andere Geflüchtete ihre Tipps teilten und erzählten, wie sie die Flucht geschafft hätten.

Er habe sich mit Überlebensausrüstung und Energieriegeln eingedeckt. Am letzten Tag seiner Reise liess er die ganzen vorbereiteten Sachen liegen. Er rannte, sprintete zur Grenze, um vor ukrainischen Grenzsoldaten zu fliehen, vor seinen eigenen Landsmännern.

In this photo taken on Saturday Dec. 20, 2025 and provided by Ukraine's 24th Mechanized Brigade press service, ruins in the town of Kostyantynivka, the site of heavy battles with the Russian troo ...
Ein vom Krieg zerstörtes Dorf in der ukrainischen Region Donezk.Bild: keystone

Seit dem Beginn des Konflikts 2022 seien über 30'000 Männer über die rumänische Grenze geflohen. Sie alle erhalten einen vorübergehenden Schutzstatus.

Der ukrainische Grenzschutzdienst sagt, sie hätten mehr als 25'000 Menschen, die fliehen wollten, an allen Grenzen der Ukraine abgefangen.

Flucht über die Berge

Auch der 42-jährige Dima ist aus der Ukraine nach Rumänien geflohen. Er hätte in den Anfangszeiten des Kriegs an die Front gehen sollen, doch dies wollte der zweifache Vater nicht.

Um nach Rumänien zu gelangen, müssen die Fliehenden durch ein Gebirge. Dima habe dies auf sich genommen, mit der Hilfe von zwei Schmugglern. Sie hätten Tage in Temperaturen unter null Grad verbracht. Wenn man genügend Geld habe, könne man Schmuggler bezahlen, sodass man die Flucht nicht alleine antreten müsse.

In this image provided by Salvamont Maramures, a Romanian mountain rescue service, 28 year-old Vladislav Duda from Ukraine, is loaded in an ambulance in the Carpathian Mountains , northern Romania, Fr ...
Die rumänische Bergrettung rettet regelmässig Ukrainer, die auf der Flucht sind. Bild: keystone

Einer der beiden Schmuggler sei während eines Schneesturms erfroren. Dima verlor alle seine Zehen. Er sei überzeugt gewesen, dass er sterbe. Der rumänische Rettungsdienst «Salvamont Maramures» habe Dima gerade noch rechtzeitig vom Berg retten können.

Dan Benga ist für diese Rettungsaktionen zuständig. Er sagt gegenüber CNN, dass er und die anderen Retter während vier Jahren bereits 377 Ukrainer auf der Flucht gerettet hätten.

«Sie würden lieber bei der Flucht in den Bergen sterben als im Krieg.»
Dan Benag über die flüchtenden Ukrainer

Er sagt, viele von ihnen seien nicht gut genug ausgerüstet. Zudem seien sie erschöpft, müde und oft unterkühlt.

Einige der Männer, die an den Grenzen erwischt wurden, seien kurze Zeit darauf an die Front eingezogen worden. Und müssten nun für ihr Land im Krieg gegen Russland kämpfen.

Viktor habe es mittlerweile weiter nach Rumänien geschafft und wurde laut CNN mit seiner fünf Monate alten Tochter in der Schweiz wiedervereint. (nib)

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199 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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FrancoL
23.12.2025 13:30registriert November 2015
So Sätze wie; keiner will FRieden und dabei den eigenen Präsidenten, ähnlich hinzustellen wie ein Putin, zeigt nur eines, eine sehr selektive Sicht auf sein Land. Vermutlich würde er auch flüchten, wenn die Russen einmarschieren und sich anderswo niederlassen. Nur das war nie die einzige lösung und wird sie auch in Zukunft nicht sein.

Natürlich verstehe ich, dass man nicht sterben will, aber dann die Idee ein Land zu schützen, anderen zu überlassen und die Schuld so global zu verteilen ist nicht gerade ein mündiges Verhalten.
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Saima
23.12.2025 13:54registriert November 2022
Ich verstehe schon, dass er in Freiheit leben möchte.... das können seine Landsleute in den besetzten Gebieten leider nicht mehr... totale Unterdrückung und abartige Misshandlungen, Nur, weil man Ukrainer ist und vielleicht nicht die Möglichkeit hatte zu fliehen.....
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Dong
23.12.2025 14:02registriert Oktober 2016
Danke, dass Ihr diese Perspektive auch mal gebracht habt. Selber in den Krieg müssen ist etwas ganz anderes als in der warmen Schweizer Stube „Slava Ukraini“ zu tippen. Peace!
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