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Libyen: TV-Sender der bisherigen Regierung in Tripolis gestürmt

31.03.2016, 02:00

Mutmassliche Anhänger des Chefs der libyschen Einheitsregierung, Fajis al-Sarradsch, haben am Mittwochabend in Tripolis einen TV-Sender gestürmt. Sie hätten die Mitarbeiter von Al-Nabaa mit Waffengewalt gezwungen, den Betrieb einzustellen.

Verletzt worden sei niemand, teilten zwei Journalisten des Senders mit, der der bisherigen, international nicht anerkannten Regierung in Tripolis nahesteht. Al-Saaradsch war am Mittwoch in Tripolis eingetroffen, um die von feindlichen Milizen kontrollierte Hauptstadt zum Sitz seiner von der UNO gestützten Regierung zu machen.

Der Chef der bisherigen Regierung mit Sitz in Tripolis, Chalifa Ghweil, hatte al-Sarradsch umgehend aufgefordert, die Hauptstadt wieder zu verlassen. Dieser Aufruf war von Al-Naaba ausgestrahlt worden.

International wurde die Ankunft al-Sarradschs hingegen begrüsst: Der UNO-Sondergesandte für Libyen, Martin Kobler, würdigte dessen «beachtlichen persönlichen Mut» und appellierte an die Milizen, die Macht friedlich an die Einheitsregierung zu übergeben.

Einem Bericht der unabhängigen Internetseite Al-Wasat zufolge kündigte Al-Sarradsch bei seinem Eintreffen an, Aussöhnung und die Rückkehr von Vertriebenen anzustreben. Seine Regierung werde einen Plan vorlegen und zur Zusammenführung der Bemühungen in dem Land im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufrufen.

Übergangsregierung für zwei Jahre

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi vor fünf Jahren regiert in Libyen das Chaos. Seit Mitte 2014 stritten sich zwei Regierungen - eine international anerkannte mit Sitz in Tobruk und die nicht anerkannte in Tripolis - um die Macht. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) konnte sich durch das Machtvakuum im Land festsetzen.

Am 17. Dezember hatten Vertreter der beiden libyschen Regierungen in Marokko schliesslich ein von der UNO vermitteltes Abkommen für einen Ausweg aus der Staatskrise unterzeichnet. Der Vertrag sieht eine Einheitsregierung samt dem Präsidialrat für eine Übergangszeit von bis zu zwei Jahren vor. Zudem sollen eine neue Verfassung verabschiedet und Parlamentswahlen abgehalten werden. (sda/afp/dpa)

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