Sport
Olympia 2026

Camille Rast hat keinen Bock mehr auf Olympia: «Wie ein Junioren-Rennen»

KEYPIX - Camille Rast of Switzerland reacts in the finish area during the women's alpine skiing second run of the giant slalom race at the 2026 Olympic Winter Games at the Tofane Alpine Skiing ce ...
Camille Rast will lieber wieder im Weltcup starten als bei Olympia.Bild: keystone

«Wie ein Junioren-Rennen»: Camille Rast hat keinen Bock auf Olympia-Slalom

Camille Rast, die zweitbeste Riesenslalom-Fahrerin dieser Saison, kann die Bilanz der Schweizer Frauen in Cortina nicht aufbessern. Nach dem 12. Platz findet sie harsche Worte für die Olympiapiste.
15.02.2026, 16:3315.02.2026, 16:33
marcel hauck, cortina d'ampezzo / keystone-sda

Das Lachen von Camille Rast ist am Ende einer Reihe von Interviews gequält. Irgendwann fällt der Satz: «Ich schaue nach vorne, die Spiele sind bald vorbei. Ich freue mich wieder auf den Weltcup.» Hoppla. Aber da ist ja noch der Olympia-Slalom vom kommenden Mittwoch?

«Ja, auf einer Juniorenstrecke mit 44 Sekunden», entgegnet Rast, und das Lachen wird noch etwas gequälter. Ihre Begeisterung für die Olympiapiste in Cortina hält sich in Grenzen. «Es ist schon schade, gleich da drüben gibt es einen super Slalomhang», sagt sie. «Das ist für uns leider ein bisschen schade.» Weil aber die Zeiten des Gigantismus auch bei Olympia vorbei sein sollen, gibt es nur ein Zielstadion, und die Techniker müssen wohl oder übel mit dem unteren Teil der Speedstrecke, der nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, vorlieb nehmen.

Zwei Fehler sind zwei zu viel

So resultierte für Rast auf der Olimpia delle Tofane das zweitschlechteste Resultat der Saison nach dem Auftakt in Sölden. Bei den letzten sieben Riesenslaloms war die 26-jährige Walliserin nie schlechter als Fünfte, nun war es ein enttäuschender 12. Platz. In einem – hinter der überlegenen Siegerin Federica Brignone – äusserst engen Rennen fehlten Rast jedoch nur 37 Hundertstel zum Podest.

Die Slalom-Weltmeisterin des letzten Jahres wusste auch genau, wo sie die entscheidende Zeit verloren hatte. «In beiden Läufen habe ich eine Kurve nicht richtig erwischt und die Geschwindigkeit nicht mitgenommen», analysierte sie. «Dafür bezahle ich teuer. Auf so einem einfachen Schnee, auf einer einfachen Piste und mit einer einfachen Kurssetzung muss man ganz genau auf den Punkt kommen.» Im Weltcup würden sie in der Regel auf viel anspruchsvollerem Gelände und stärker drehenden Kursen fahren.

Auch andere Mitfavoritinnen hatten ihre Mühe. Die Weltcup-Dominatorin Julia Scheib (vier Siege, zwei 2. Plätze) verpasste als Fünfte eine Medaille um sieben Hundertstel, die zweifache Saisonsiegerin Alice Robinson als Achte um deren 18, Mikaela Shiffrin klassierte sich als Elfte direkt vor Rast. Federica Brignone widerlegte allerdings die These von der zu einfachen Piste, auf der es kaum möglich war, den Unterschied zu machen, ebenso wie Sara Hector, die ihrem Olympiasieg von Peking nun Silber folgen liess.

Der Wert einer Olympiamedaille

Rast zeigt sich am Ende einigermassen fatalistisch. Dass sie bei Grossanlässen durchaus brillieren kann, zeigte sie im letzten Jahr in Saalbach im Slalom. Und vor dem Start in Cortina hatte sie herausgestrichen, dass es Olympische «Spiele» heisse, man solle das ganze also als Spiel ansehen. So recht Begeisterung ist nun aber nicht aufgekommen.

«Die Frage ist, wie viel wert so eine Olympiamedaille hat», sinniert sie. «Die Konstanz über eine ganze Saison und die Schwierigkeit von jedem Rennen finde ich schon etwas anderes.» Die Laune wolle sie sich aber nicht verderben lassen. «Es ist immer schön, eine Medaille zu haben, aber die Weltcupsaison ist bis jetzt so gut gelaufen, und ich hoffe, ich kann in den nächsten Rennen noch gute Sachen zeigen.»

Camille Rast s'est offert son premier succès de la saison en slalom, mettant fin à une série de cinq victoires de rang de l'Américaine Mikaela Shiffrin.
Im Weltcup läuft es Camille Rast hervorragend.Bild: fxp-fr-sda-rtp

Den Olympia-Slalom meint sie damit wohl eher nicht, aber mit ihrer Klasse ist ihr eine Medaille trotz einfacher Strecke allemal zuzutrauen. (nih/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Olympischen Spiele Mailand-Cortina 2026
1 / 87
Die besten Bilder der Olympischen Spiele Mailand-Cortina 2026

Auch die Aerials-Athleten fliegen wieder durch die Lüfte. Auf diesem Bild sieht man die Schweizerin Lina Kozomara.

quelle: keystone / anna szilagyi
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Marco Odermatt feiert seine Olympiamedaillen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
59 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Loeffel
15.02.2026 16:39registriert Oktober 2016
Recht hat sie. Die Pisten an dieser Olympiade sind lächerlich einfach.

Nur können halt die Italienerinnen auch auf einfachen Pisten schnell fahren und gewinnen.
15322
Melden
Zum Kommentar
avatar
Tobes
15.02.2026 16:49registriert Oktober 2017
Eigentlich widerlegt Brignone die Aussagen von Rast nicht. Brignone ist ja genau Spezialistin darin das Tempo mitzunehmen. Sie kommt auch mehr vom Speed (Super G) wie Rast als Slalom Spezialistin. Wenn jemand die Situation widerlegt, dann Hector. Sie ist die Technikerin und "trotzdem" zweite.
Auch wenn ich Rast verstehe, mit der Einstellung wird's nicht einfach für den Slalom... Auch wenn die Piste fragwürdig ist hoffe ich dass sie sich noch darauf einstellen kann und beweist das sie auch bei solchen Bedingungen eine der aktuell stärksten Slalomfahrerinnen ist.
972
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rannen
15.02.2026 16:45registriert Januar 2018
Ich verstehe sie und zudem hat sie drn Mut dies auszusprechen. Olympiade verliert mehr und mehr den Glanz
11118
Melden
Zum Kommentar
59
«Sie müssen sich die Hand vor den Mund halten»: Vinicius äussert sich zum Rassismus-Eklat
In der Champions League kam es am Dienstagabend zu einem Eklat. Vinicius Junior soll von seinem Gegenspieler Gianluca Prestianni rassistisch beleidigt worden sein. Während der Argentinier die Schuld von sich weist, erhält er Unterstützung von seinem Verein.
In der 50. Minute erzielte Vinicius Junior am Dienstagabend im Hinspiel der Champions-League-Playoffs das 1:0 für Real Madrid und zeigte daraufhin einen ausgiebigen Tanz an der Eckfahne. Dies gefiel den Benfica-Fans überhaupt nicht und auch für Schiedsrichter François Letexier war es zu viel, weshalb er dem Brasilianer die Gelbe Karte zeigte.
Zur Story