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Spannungsvolle Präsidentschaftswahl in Frankreich



Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich hat sich eine ähnliche Wahlbeteiligung abgezeichnet wie vor fünf Jahren. Der Ausgang der spannungsvollen Richtungswahl war völlig offen.

Drei Stunden vor Schliessung der letzten Wahllokale in den Grossstädten um 20 Uhr lag die Wahlbeteiligung bei 69.4 Prozent, wie das Innenministerium bekanntgab. Vor fünf Jahren waren es zur selben Zeit 70.5 und vor zehn Jahren 73.8 Prozent.

Meinungsforscher von Ifop-Fiducial und Harris Interactive erwarteten, dass sich am Schluss wie vor fünf Jahren rund 20 Prozent der Wahlberechtigten der Stimme enthielten.

Die Wahl gilt als richtungsweisend für die künftige Europapolitik Frankreichs. Die beiden in Umfragen favorisierten Kandidierenden stehen für völlig entgegengesetzte Modelle: Der laut letzten Umfragen knapp vorn liegende Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron will die EU und die Eurozone vertiefen und die partnerschaftlichen Beziehungen zu Deutschland ausbauen.

Sozialisten droht Debakel

Seine chancenreichste Konkurrentin, die Rechtsextreme Marine Le Pen, wirbt dagegen für einen «Frexit», also einen EU-Austritt, und die Rückkehr zum Franc als alleinige Währung.

Aussichten auf einen Einzug in die Stichwahl der beiden Bestplatzierten am 7. Mai haben zudem der Konservative François Fillon und der Linksaussen-Kandidat Jean-Luc Mélenchon.

Den regierenden Sozialisten von Staatschef François Hollande droht hingegen ein Debakel: Ihr Kandidat, der Parteilinke Benoît Hamon, rutschte zuletzt in Umfragen auf deutlich unter zehn Prozent ab und würde damit abgeschlagen auf dem fünften Platz landen.

Alle der insgesamt elf Kandidierenden gaben bis zum Nachmittag ihre Stimme ab. Macron wählte im nordfranzösischen Badeort Le Touquet, wo er und seine Frau Brigitte von begeisterten Anhängern empfangen wurden.

Le Pen gab ihre Stimme in der nordfranzösischen Stadt Hénin-Beaumont ab, wo ihre rechtsextreme Partei Front National (FN) den Gemeindepräsidenten stellt. Dort demonstrierten Aktivistinnen der feministischen Gruppe Femen barbusig und mit Le-Pen-Masken gegen die Politikerin, wurden aber nach kurzer Zeit von Polizisten abgeführt.

Doch noch an die Urnen

Die rege Beteiligung an der Wahl überrascht, denn viele Französinnen und Franzosen hatten sich bis zuletzt unentschlossen gezeigt. Vor vielen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen, unter anderem in Paris, aber auch vor französischen Auslandsvertretungen wie etwa in London.

Deutlich niedriger war die Beteiligung dagegen in einigen Gebieten im Grossraum von Paris sowie im Département Sarthe nordwestlich der Haupstadt, wo der Konservative Fillon seine Hochburg hat. Dort stimmten bis zum Mittag rund 28.9 Prozent der Wahlaberechtigten ab, sechs Prozentpunkte weniger als 2012.

Fillon hatte lange als Favorit für die Präsidentschaftswahl gegolten, ist aber seit Bekanntwerden einer Scheinbeschäftigungsaffäre in den Umfragen abgestürzt.

Sollten er und der Sozialist Hamon es nicht in die zweite Wahlrunde schaffen, wäre das ein Denkzettel für die etablierten Parteien: Erstmals in der Geschichte der Fünften Republik wäre dann kein Kandidat aus dem Lager der Konservativen oder der Sozialisten in der Stichwahl vertreten.

Wahl im Ausnahmezustand

Insgesamt sind fast 47 Millionen Staatsbürgerinnen und Staatsbürger zur Wahl aufgerufen. In einigen Überseegebieten wie etwa den Karibik-Inseln Guadeloupe und Martinique hatte die Wahl bereits am Samstag begonnen. Die letzten Wahllokale schliessen um 20.00 Uhr, danach werden erste Hochrechnungen erwartet.

Es ist das erste Mal, dass eine Präsidentschaftswahl im Ausnahmezustand stattfindet. Dieser war nach den Attentaten vom 13. November 2015 in Paris mit 130 Toten verhängt und immer wieder verlängert worden.

Nach dem tödlichen Anschlag auf Polizisten in Paris am Donnerstagabend fand die Wahl nun unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. 50'000 Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um die Wahl zu schützen. (sda/reu/afp/dpa)

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