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Die berühmte Nacht der langen Messer: Alle kommen für die Show



Scheinwerferlicht, Mikrofone und Kameras im Foyer, reges Treiben und lockere Gespräche zwischen Politikern und Journalisten an der Bar: Die Nacht der langen Messer im Berner Luxushotel Bellevue gehört zur Tradition. Am Ausgang der Wahl zweifelt dieses Jahr kaum einer.

Es ist 19 Uhr, als Kronfavorit Ignazio Cassis den Ort betritt, der in der Vergangenheit schon Wahlen in die Schweizer Landesregierung mitgeprägt hat: das Hotel Bellevue, nur einen Steinwurf von der Bundeshauskuppel entfernt. Wenig später verschwindet Cassis in ein Restaurant - und taucht erst nach 22 Uhr noch einmal kurz auf.

Als Zeichen gedeutet werden kann dieser Kurzauftritt des Tessiner Bundesratskandidaten nicht. Denn die allermeisten anwesenden Journalisten und Parlamentarier hegen keinen Zweifel daran, dass er im Laufe des Mittwochvormittags zum Nachfolger von Didier Burkhalter gewählt werden wird.

Vorsichtiger SVP-Chef

«Heute Nacht kann noch viel passieren, aber nichts Entscheidendes mehr», sagt etwa CVP-Präsident Gerhard Pfister der Nachrichtenagentur sda. Wenige Stunden zuvor hat seine Fraktion noch offen gelassen, wen sie am Wahltag auf den Zettel schreiben wird: Isabelle Moret, Pierre Maudet oder Cassis. Jetzt sagt Pfister: «Die Mehrheit der Deutschschweizer CVP-Parlamentarier wird morgen Cassis wählen.»

Vorsichtiger zeigt sich SVP-Präsident Albert Rösti. Sicher sei noch gar nichts - zumal sich die SP und die CVP nach den Hearings nicht klar geäussert hätten. Er rät diesen Parteien, keine Spielchen zu spielen. «Das wäre staatspolitischer Unsinn.»

Dass Teile der SP in den ersten Wahlgängen für eine wilde Kandidatin wie etwa die ehemalige Tessiner Staatsrätin Laura Sadis stimmen werden, ist zwar möglich, ein Coup scheint aber praktisch ausgeschlossen. Diese Meinung teilen auch verschiedene Chefredaktoren im Foyer des Hotels Bellevue.

Festival der Journalisten

Trotz weniger Spannung als auch schon versammeln sich von Stunde zu Stunde mehr Personen an den Stehtischen: Händeschütteln hier, Smalltalken dort, der Lärmpegel steigt - und auch die Trinklaune. «Alle kommen für die Show», sagt «Blick»-Chef Christian Dorer. Der ganze Anlass sei ein Festival der Journalisten.

Die Crew des Schweizer Fernsehens baut derweil die Kulisse für die Sendung «10vor10» auf, die direkt aus dem Nobelhotel berichtet. Fraktionschefs und Politstrategen diktieren den Journalisten Prognosen und Analysen ins Mikrofon. Alles nach Drehbuch.

Vielleicht ist das das Zeichen für den bevorstehenden Wahltag, an dem Überraschungen ausbleiben dürften. Der Tessiner Ignazio Cassis bleibt Favorit. Obwohl die Würfel noch nicht definitiv gefallen sind, lässt sich sagen: Die Messer dürften in dieser Nacht eher stumpf denn lang sein. Der Mythos lebt aber weiter. (sda)

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