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«Zeit der Kannibalen/Philoktet» im Theater Neumarkt in Zürich



Zur Spielzeiteröffnung spannt das Theater Neumarkt in Zürich einen Bogen von Sophokles über Heiner Müller bis in die globalisierte Welt. «Zeit der Kannibalen/Philoktet» ist packende Bühnenkunst.

Diese runde Bühne in Violett ist die Welt des entgrenzten Kapitalismus, in der Unternehmen rücksichtslos optimiert werden. Die Berater Niederländer (Miguel Abrantes Ostrowski) und Öllers (Bernd Grawert) wollen in ihrer Company zu Partnern aufsteigen. Stress und Konkurrenz öffnen ihre persönlichen Abgründe.

Zum Zyniker Öllers und zum Angstneurotiker Niederländer stösst Bianca März (Lucy Wirth). Nicht Karrieregelüste treiben sie an, sondern die Lust, fremde Kulturen kennenzulernen. Das jedenfalls sagt sie, bevor sie sich als Spitzel der Company outet. Sie soll eine Beurteilung schreiben über ihre beiden Kollegen.

Die fantastisch gespielte und witzige Geschichte erlebt einen Höhepunkt, als März ihre Beurteilungsmacht ausspielt. Hier leitet der Regisseur Peter Kastenmüller über zu Sophokles Drama «Philoktet» und deren Bearbeitung durch Heiner Müller von 1965.

Die Regie zeichnet sich aus durch Vertrauen in die Schauspieler und durch minimale Bühneneingriffe. Als Heiner Müllers «Philoktet» beginnt, setzt auf der Bühne ein Sprühregen ein: ein Kunstgriff, der dem Stoff um Verrat, Lüge, Täuschung und Konkurrenz zupass kommt.

Der Abend switcht zwischen Heiner Müllers Stück und der «Zeit der Kannibalen», dem gleichnamigen Drehbuch von Stefan Weigl und der Bühnenbearbeitung von Johannes Naber. Dass Kastenmüller die beiden entfernten und doch so ähnlichen Stoffe zusammenführt, macht Sinn. (sda)

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