Blogs

Happy Birthday, «Bravo»!

Bild: shutterstock

Eine Erinnerung.

19.06.16, 14:25 19.06.16, 15:17

In der heutigen Sonntagszeitung findet sich ein Bericht darüber, dass das «Bravo» dieses Jahr 60 wird – dass es aber langsam aber sicher vom Aussterben bedroht sei. Dem Bericht zufolge hat das gute Gründe.     

Die Blütezeit des Heftlis jedoch sei 1996 gewesen – damals war das «Bravo» sozusagen Pflicht. Und deshalb kann ich stolz verkünden, zum Erfolg massgeblich beigetragen zu haben: Ich war nämlich Abonnentin. Und wie. Ich hatte in meinem bisherigen Leben genau zwei Zeitschriften-Abos: Den «Spick» und das «Bravo». Man kann mich also wahrscheinlich als sexuell neugierigen Teenager-Streber bezeichnen. Passt auch heute noch wie angegossen, der Ausdruck.  

Das «Bravo» war damals eins der Highlights meiner Woche. Es kam immer dienstags ins Haus geflattert, wenn ich mich recht entsinne, und meine Mutter hatte Glück, wenn ich noch halbwegs zu einem «Hallo» in der Lage war, wenn ich mich, von der Schule nach Hause kommend, sofort auf die heiss ersehnte Lektüre stürzte. Tür zu, «Bravo Hits» an, lesen.  

Als erstes «las» ich immer die Foto-Lovestory (jawoll, auch in einem Heftli mit der Textdichte eines «Bravo» suchte ich mir noch den Teil, der die meisten Bildli hatte).

Ich liebte die Foto-Lovestory. Jungs mit Flaumbart (Julian) und Mädchen mit grünen Marusha-Augenbrauen (Simone) in den Wirrungen ihrer junger Liebe, und immer war da die böse «Bitch» (Alexandra), die sie auseinanderbringen wollte (im Nachhinein fällt mir auf, dass das fast nie ein Junge war, pfui «Bravo»), aber ihre Liebe hielt allen Widrigkeiten stand und am Ende fanden sie sich und machten Heavy Petting.  

Apropos: Dr. Sommer. Ein grosses Kapitel in der Sexualgeschichte so manchen Teenagers vieler, vieler Generationen. So auch der meinen. Verloren gegangene Tampons, zu klein geratene Penisse/Brüste, Vaginalausfluss, frühzeitige Ejakulation, Soft und Heavy Petting, das erste Mal. Over and over and over. Und es wurde nie langweilig. Eine Art «Spick» für den erwachenden Sexualtrieb. Wunderbar.  

Literarisch anspruchsvoller war dann der Bravo-Roman. Und mit «Roman» waren sechs- bis zehnteilige Geschichten gemeint, die spannende Titel wie «Kein Platz für die Liebe» (Susanne und Thomas gehen schon mega lange miteinander, aber finden keinen Ort für ihr obligates Heavy Petting) oder «Ein Zwilling kommt selten allein» (Sascha und Oliver geniessen Vertausch-Spielchen mit Mädchen, oh làlà) trugen. Ich war gefesselt.  

Auch sehr grossartig waren die «Persönlichkeitstests», die man jeweils gegen Ende des Heftes fand. «Bist du eine gute Freundin?» lauteten da beispielsweise die Titel und es galt, Fragen wie «Wenn deine beste Freundin auf denselben Typen steht wie du, was tust du dann?» zu beantworten. Zur Verfügung standen drei Optionen wie «Ich überlasse ihn natürlich ihr. Girlpauer forewer!», «Wenn er auf eine von uns steht, dann soll sie mit ihm zusammen sein können» und «I’m gonna kill that f***ing whore!!!!», und wenn man ehrlich war und c wählte, war man dann sehr überrascht, wenn die Auswertung einem erklärte, man sei doch nicht so eine gute Freundin, wie man gedacht hatte. Das «Bravo» kannte einen eben so richtig.  

Und schliesslich waren da die lebensgrossen Poster in der Mitte des Heftes, die eben eigentlich doch nie lebensgross waren, was uns aber komplett egal war, solange wir unseren Liebling von der «Kelly Family» oder «Hanson» oder «Take That» oder den «Backstreet Boys» an unsere Wand pappen und ihm einen Gute-Nacht-Kuss geben konnten und er das Erste war, was wir morgens nach dem Aufwachen erblickten. Schmelz.  

Ich bin sicher, obwohl schon alle alten Hefte entsorgt und vergessen sind, finden sich auch heute in manchem ehemaligen Kinderzimmer noch immer Klebestreifenreste von Bravo-Postern an den Wänden – sie sind alles, was von unserer jugendlichen Leidenschaft übrig geblieben ist.

Nun denn: Happy Birthday, «Bravo», und danke für unsere Jugend.

Und den Ausdruck «Heavy Petting».

Yonni Meyer

Yonni Meyer (34) ist Psychologin und schreibt als Pony M. über ihre Alltagsbeobachtungen – direkt und scharfzüngig. Tausende Fans lesen mittlerweile jeden ihrer Beiträge. Bei watson schreibt die Reiterin ohne Pony – aber nicht weniger unverblümt. 
Pony M. auf Facebook
Yonni Meyer online

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
22
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • just sayin' 26.06.2016 23:54
    Highlight ahhh... (schwelg)
    danke yonni :-)
    1 0 Melden
  • dracului 20.06.2016 07:28
    Highlight Was sogar ein Abo für's Bravo? Also bei uns musste man sich das Bravo noch heimlich kaufen. Hier ein Video, wie das Bravo damals "heiss" diskutiert wurde. 😀
    8 0 Melden
    • Bolly 20.06.2016 09:07
      Highlight Da war ich 10, haha. Da mein großer Bruder dazumal
      Schön das Bravo hatte, war es für uns ein leichteres. Meine Eltern hatten nie ein Drama daraus gemacht. Als dann meine Tochter damit anfing, war es doch irgendwie schon, das es an die nächste Generation weiter ging. Mein Sohn wird
      Jetzt denn auch in das Alter kommen. Finde das gut! Selbst in der heutigen Zeit sind es noch die gleichen Fragen. Nur schade das ich fast nichts mehr davon aufbewahrt habe. Aber dank www, oder wie der Betrag oben, kann man zurück blicken. 👍🏼
      2 1 Melden
  • pamayer 19.06.2016 19:25
    Highlight Für mich war das bravo rund 1 - 2 Generationen früher ebenso wichtig.
    Star infos, der nie alternde dr sommer, die fotoromanzen und überhaupt alles.
    alles, worauf wir keine Antworten erhielten, fanden wir darin.
    Dank den Postern in lebensgrösse kaufte nan die nächsten 5 folgen. Verkaufstüchtiges konzept.

    Prädikat sehr wertvoll.
    13 0 Melden
    • Spooky 19.06.2016 20:53
      Highlight @pamayer
      Genau so war es. Erst nach vielleicht einem Dutzend Bravo-Heften hatte man den ganzen Winnetou. Und was ist Winnetou ohne Old Shatterhand? Also noch ein Dutzend "Bravo" kaufen. Haha ;-))
      18 0 Melden
    • sentir 20.06.2016 00:17
      Highlight Ja Poster! Suzi Quatro lebensgross, Sweet, Emerson Lake and Palmer, hab ich heute nach über 40 Jahren noch. Nicht aufgehängt aber bei meinen persönlichen Erinnerungen.
      Ich kannte noch keinen Song von ihr, aber das Poster von Juliane Werding mit ihren langen roten Haaren...
      BRAVO war mit schuld, dass in meinem Zeugnis stand; er träumt sehr gerne hahaha
      8 0 Melden
  • Spooky 19.06.2016 18:48
    Highlight An Winnetou und Old Shatterhand, beziehungsweise Pierre Brice und Lex Barker, als lebensgrosse Poster in der Mitte des Heftes - daran kann sich wahrscheinlich kein Watson-User mehr erinnern. Ich als alter Sack aber sehr wohl.
    24 0 Melden
    • JaneSoda 19.06.2016 21:46
      Highlight Ich nenne mich zwar keinen alten Sack aber erinnere mich bestens
      15 0 Melden
    • pamayer 20.06.2016 07:00
      Highlight Auch miterlebt.
      Hält jung und frisch.
      3 0 Melden
  • Madison Pierce 19.06.2016 17:47
    Highlight Solche Heftchen kamen bei uns nicht ins Haus. Um so beliebter war dann die Altpapiersammlung, wo es öfter eine "Praline" zu holen gab. Die wurde dann immer sehr gut versteckt und hatte einen hohen Tauschwert. :)
    42 2 Melden
    • SemperFi 19.06.2016 21:30
      Highlight Genau, Papiersammlungen, das waren Momente beim Noschen im Eisenbahnwagen oder im dunklen Keller, wenn wir die gefundenen Schätze noch vor Ort duregschnöigget haben.
      25 0 Melden
  • Lichtblau 19.06.2016 17:23
    Highlight Schöner, nostalgischer Artikel. Auch ich stürzte mich jeweils auf das Bravo, nicht zuletzt weil ich sogenannt "frühreif" war. Ich fälschte sogar mein Geburtsdatum, um in der Pestalozzi-Bibliothek an die Romane mit "Stellen" ran zu kommen. Unvergessen die schockierte Reaktion unseres eigentlich coolen Oberstufen-Lehrers, der ein Heft konfiszierte, weil darin Dr. Sommer recht nonchalant auf folgenden Hilferuf reagierte: "Mein Freund hat nicht aufgepasst".
    9 4 Melden
  • Luca Brasi 19.06.2016 17:16
    Highlight Na dann, los! Was ist jetzt dieses "Heavy Petting"? (Hatte kein Bravo) ;)
    17 1 Melden
    • Grins 19.06.2016 17:35
      Highlight Wir nannten das Hardcore-Petting.... Egal, kurz HP bedeutet Sex haben, ohne Einführen des Gliedes ;-) So quasi Trockensex
      19 1 Melden
    • Luca Brasi 19.06.2016 17:51
      Highlight Und was ist dann "Soft Petting"? ;)
      15 1 Melden
    • amore 19.06.2016 18:00
      Highlight Trocken blieb es aber dann gleichwohl nicht.
      23 1 Melden
    • pamayer 19.06.2016 19:21
      Highlight Alles ausser Geschlechtsverkehr.
      11 1 Melden
    • SemperFi 19.06.2016 21:27
      Highlight Hey Watson! Gibt es hier keinen Alterscheck, das wird ja ziemlich explizit hier!
      17 4 Melden
    • pamayer 20.06.2016 07:01
      Highlight Guck dir mal eine us teenie Komödie an!!
      Von wegen explizit.
      6 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.06.2016 10:13
      Highlight Offensichtlich hatte Herr Luca Brasi nicht nur keine Bravo, auch Heavy Petting gabs für ihn anscheinend nicht!😝
      *duckundweg*
      4 0 Melden
    • Luca Brasi 20.06.2016 10:48
      Highlight Weder soft noch heavy. Oder ich kannte den Begriff einfach nicht und tat es einfach. :P
      4 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 20.06.2016 12:08
      Highlight Ich denke letzteres😁
      5 0 Melden

Wegwerfgesellschaft der Herzen? Die Liebe in Zeiten der Freiheit

Am letzten Sonntag diskutierte ich in der Arena/Reporter-Sendung die ewige Liebe. Basis war der aktuelle Reporter-Film, welcher zwei Paare im hohen Alter begleitete (bitte vor allem den Film unbedingt anschauen, er ist unheimlich berührend).  

Aus Debatten im Studio und danach mit Gästen der Sendung und mit Zuschauern kam hervor: «Wir sind oberflächlicher geworden in der Liebe.»  

Aha. Ist das so?  

Schon einmal habe ich an dieser Stelle geschrieben, dass die grosse Liebe in …

Artikel lesen