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Saddam Hussein an der AK-47: Eine von vielen Persönlichkeiten der jüngeren Vergangenheit, die sich mit der populären Waffe ablichten liessen. Bild: AP

Wenn du Frieden willst, kauf' dir eine AK

26.04.15, 11:49 26.04.15, 14:18

Michail Kalaschnikow, der Erfinder der AK-47, hat in einem Interview einmal gesagt: «Ich hätte lieber ein Gerät produziert, das einen Nutzen für die Menschen hat, zum Beispiel einen Rasenmäher.»

Stattdessen hat seine Erfindung so viele Menschen auf dem Gewissen wie keine andere Feuerwaffe. 

Michail Kalaschnikow mit einem Prototyp «seiner» AK-47 (2006). Bild: AP

100 Millionen AKs

Produziert in den unmittelbaren Nachkriegsjahren, 1946 bis 1949, wurde die Avtomat Kalashnikova im Kalten Krieg nicht nur zur Standardwaffe der Roten Armee, sondern war in allen Staaten innerhalb der kommunistischen Einflusssphäre das bevorzugte Tötungsgerät.

Heute existieren weltweit schätzungsweise 100 Millionen Exemplare des russischen Sturmgewehrs – damit hat es die Kalaschnikow sogar ins Guinness Buch der Rekorde geschafft. Bis zu 80 Staaten nutzen die AK und ihre diversen Nachfolgemodelle (AKM, AK-74, AK100, AK-12) als Standardsturmgewehr. Und unzählige Milizen, Drogenbanden, Kleinkriminelle, Privatarmeen, Warlords, Spezialeinheiten und Waffennarren schwören auf die zuverlässige und robuste Waffe mit dem ikonischen Holzschaft und dem bananen-krummen-Magazin. 

Einfach in der Handhabung, robust, zuverlässig und zu einem Spottpreis verfügbar: Die AK-47. bild: wikipedia

Das beste Argument für die AK-47 ist – neben der Verfügbarkeit – ihr Preis: Phillip Killicoat kam in einer Studie für die Universität Oxford 2005 auf 534 Dollar, wobei der Preis vor allem in afrikanischen Ländern weit unter dem Durchschnitt liegt (In der Schweiz erhält man – einen gültigen Waffenerwerbsschein vorausgesetzt – eine AK-47 für 690 Franken).

Aber dem Unternehmen, das die Waffe herstellt, geht es schlecht. Erst 2013 wurde der Kalaschnikow-Konzern teilprivatisiert, nachdem das Staatsunternehmen im Jahr zuvor Bankrott anmelden musste.

Längst hat die AK-47 Eingang in die Populärkultur gefunden: Screenshot aus dem Computerspiel Counter-Strike. bild: screenshot/counterstrike

Seither sucht man in Moskau verzweifelt nach neuen Absatzmärkten. Das ist – für ein Rüstungsunternehmen – ein heikles Unterfangen. Zwar listet die jährliche Studie des Departments of Peace and Conflict Research der Universität Uppsala für das Jahr 2013 global 33 Konflikte auf. Und die Nachfrage nach Kriegsgeräten wird sich wohl auch in naher Zukunft nicht verringern. Jährlich geben Staaten mehr Geld für Rüstungsgüter aus, zuletzt lag der weltweite Verteidigungsetat bei 1767 Milliarden Dollar

Aber weil der Markt mit billigen, lizenzierten AKs geflutet ist, ist die Herstellung in Russland zum Verlustgeschäft geworden.

Die Friedenstaube

Jetzt hatte man in der Teppichetage des Konzerns die zündende Idee: Eine Neupositionierung des Brands soll die entscheidende Wende bringen. Die AK-47 und ihre Nachfolgemodelle sollen nicht mehr mit mexikanischen Drogenkartellen oder islamistischen Milizen in Verbindung gebracht werden. Sondern mit dem besorgten Familienvater, mit dem Vollstrecker von Recht und Ordnung, mit dem amerikanischen Modell, wenn man so will.

Auf der Nationalflagge von Mosambik ist eine AK-47 abgebildet. Das Sturmgewehr soll die gewaltsame Loslösung von der portugiesischen Kolonialmacht symbolisieren.  Bild: AP

Der neue Slogan von Kalaschnikow lautet übersetzt etwa: «Waffe, die den Frieden bringt», und steht in der Vorstellung seiner Entwickler für ein Produkt, «das gemacht wird, um Frieden in der Welt zu verbreiten.» Und weiter: «Sie hilft den Nationen, ihre Unabhängigkeit und ihre friedliche Existenz zu wahren und erlaubt es ihnen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen.»

Nicht der erste «Friedensbringer»

Die AK-47 ist nicht die erste Feuerwaffe, die sich das Etikett des «Friedensbringers» auf den Abzug geheftet hat. Der legendäre Colt Peacemaker, 1872 entworfen, ist nach weitverbreiteter Einschätzung, «die Waffe, die den wilden Westen erobert hat.» 

AK-47: Augenzeuge und Hauptdarsteller aller grösseren Konflikte seit dem 2. Weltkrieg 

Und wenn man noch ein wenig philosophischen Unterbau will, so kann man etwa bei Augustinus stöbern, der die Idee des «gerechten Krieges» propagierte oder man fördert die Überreste des Latein-Unterrichts zutage, wo es irgendwann einmal hiess: «Si vis pacem, para bellum». Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor. 

«Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor» – Inschrift über dem Eingang des Kriegsmuseums in Madrid.  bild: wikimedia

Oder, im Sinne der Marketingstrategen bei Kalaschnikow: «Wenn du Frieden willst, kaufe dir eine AK-47.»

Das Aushängeschild der neuen Kampagne ist in Russland eine altbekannte Person. Tina Kandelaki, 39 Jahre alt, in der georgischen Hauptstadt Tiflis geboren. Kandelaki machte sich einen Namen als Journalistin, wurde 2006 zur «heissesten TV-Moderatorin Russlands» gewählt, bevor sie 2009 in die Politik wechselte. Daneben besitzt sie ein Restaurant, ist Miteigentümerin einer Mediengruppe und hat Werbedeals mit einem Kosmetikunternehmen. Und jetzt also Kalaschnikow. 

Tina Kandelaki, verantwortlich für das Rebranding der populärsten Feuerwaffe der Welt. bild: wikimedia

Kandelaki hat ein Faible für schnelle Autos und teure Klunker und gewährt auf Instagram ihren 800'000 Followern regelmässig Einblick in ihr Privatleben. Ihr Image als «Russian Postergirl» soll aber nicht über den Erfolg hinwegtäuschen. Apostol Media Group ist unter ihrer Führung zum grössten Medienkonzern des Landes avanciert, wohl nicht zuletzt dank ausgezeichneter Kontakte zum Kreml und zu einzelnen Oligarchen. 

In einem Interview mit dem amerikanischen Magazin Maxim erläutert Kandelaki ihre Vision für die Marke Kalaschnikow: «Für die Amerikaner ist es eine alte Geschichte. Wenn in der Welt Ungerechtigkeit herrscht, geht der amerikanische Soldat hin und beschützt die Schwachen und Hilflosen. Wir wollen mit unserer Marke zeigen, dass wir bereit sind, unsere eigenen Leute zu beschützen.» 

Ein Schelm, wer angesichts dieser Aussage und des virulenten Konflikts in der Ostukraine Böses denkt. (wst)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 26.04.2015 14:45
    Highlight Sollte ich vielleicht was nehmen, dass nach 50 schuss in folge nicht mehr zu gebrauchen ist, weil zu heiss, der lauf geblaeht, das magazin klemmt keine normale munition reinpasst und dazu noch extrem teuer ist.

    wenn ich schon eine waffe einsetze soll das eine sein, einfach zu handhaben, zuverlaessig, robust und immer funktionierend (auch wenns mal regnet oder sandstuermled).


    ps.
    mein beitrag koennte zynische, ironische und/oder satirische randbemerkungen beinhalten
    6 5 Melden
  • goschi 26.04.2015 13:01
    Highlight #2

    Ausserdem ist der Artikel komplett tendenziös, es wird so dargestellt, als wenn die Waffenhersteller nur an Kriegsgebieten verdienen würden und geradezu darauf gieren würden, dorthin zu liefern, selbst Russland kann sich dies längst nicht mehr leisten, hierbei ist die chinesische Norinco, als der mittlerweile grösste Kleinwaffenhersteller viel mehr zu beachten. Gross verdient wird an Staatsaufträgen zur Ausstattung regulärer Armeen und anderer staatlicher Einheiten.
    Abgesehen davon findet man in Krisengebieten auch viele andere Waffentypen.
    11 7 Melden
  • goschi 26.04.2015 12:56
    Highlight Der Artikel ist voller Fehler, das fängt bei kleinen Details an und geht bis in Grundlegendes, ich bezweifle gerade arg die Recherche- und Analysefähigkeit des (nicht genannten) Autoren.

    Fangen wir damit an, dass die AK-47 nicht alleine von Izmash (dem russischen Staatskonglomerat) hergestellt wird, sondern von dutzenden Ländern und zivilen Herstellern in Lizenz hergestellt wird.
    Ebenso ist die AK-47 längst nicht mehr in Produktion, sondern wenn, dann deren Nachfolger AKM (modernisierte AK-47) und AK-74 (modernisiert und im Kaliber 5.45x39)
    13 5 Melden
    • just sayin' 26.04.2015 14:10
      Highlight meine rede

      und, dass vielfach autoren nicht genannt werden, ist wirklich mindestens seltsam
      6 2 Melden
    • WStern 26.04.2015 14:14
      Highlight Im Artikel (und in der Bildstrecke) finden sowohl die klassische AK-47 als auch die Nachfolgemodelle Erwähnung. Der Einfachheit halber wurde in erster Linie auf die Bezeichnung AK-47 zurückgegriffen, auch, weil im alltäglichen Sprachgebrauch die AK-47 oftmals Synonym für alle Kalaschnikow-Modelle ist. Tatsächlich könnte diese Unterscheidung aber deutlicher gemacht werden. Dass die Kalaschnikow auch im Lizenverfahren produziert wird, steht im Artikel.
      10 4 Melden
    • goschi 26.04.2015 15:18
      Highlight Wieso verwenden Sie dann das falsche AK-47, wenn sie wissen, dass es falsch ist?
      Sie haben einen vermeintlich kritischen Artikel geschrieben, da erwarte ich Faktentreue, keine Anlehnung an "wird halt oft so genannt", es wird einfach alles in einen Topf geworfen.
      Differenzierung ist wichtig und elementar, wie celodecen zurasrichtig schrieb, nennen sie die Waffe einfach Kalaschnikov, das ist allgemeiner und weniger falsch.

      Dies ist nur eines der vielen sehr deutlichen Zeichen dafür, wie schlecht die Recherchearbeit hinter diesem Artikel ist, das ist wahrlich kein Ruhmesblatt.
      0 0 Melden
  • just sayin' 26.04.2015 12:21
    Highlight und wenn man den bericht wirklich wahrheitsgetreu schreiben wollte, wären es "kalashnikovs". die wenigsten hier gezeigten waffen sind tatsächlich ak-47.

    der brand "ak-47" (bei der, die medien mehrheitlich zur "vermarktung" beigetragen haben) ist heute eher ein vereinfachtes symbol waffen russischer herkunft, die gegen den westen eingesetzt werden.
    wäre sonst fast, als würde man allen pc's imac sagen (und das will ja niemand, oder?) ;-)
    11 9 Melden

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