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Hinter Hacker-Angriffen können Privatpersonen, kriminelle Netzwerke oder gar Staaten mit politischen Absichten stecken. Die Schweiz ist davon nicht verschont. bild: shutterstock

So wappnet sich die Schweiz gegen Hacker-Angriffe

Fake-News haben die US-Wahlen möglicherweise entscheidend beeinflusst. Die Schweiz beobachtet «aufmerksam».

10.01.17, 05:34 10.01.17, 06:08

Antonio Fumagalli / Nordwestschweiz



Die Schlagzeile der «Süddeutschen Zeitung» hatte es in sich: «Berlin fürchtet russische Hackerangriffe», titelte das renommierte Blatt gestern Morgen. Grund der Aufregung: Im Herbst dieses Jahres finden in Deutschland Bundestagswahlen statt, die amtierende Kanzlerin Angela Merkel strebt eine vierte Amtszeit an. Aber ist das auch im Sinn von Wladimir Putin? Der Artikel zitierte führende deutsche Politiker, welche sich vor einer Einflussnahme der russischen Regierung in den Wahlkampf fürchten.

Die Ängste haben einen direkten Bezug zu den US-Wahlen von vergangenem November. Mehrere amerikanische Geheimdienste veröffentlichten jüngst einen Bericht, wonach Russland mittels Hacker-Attacken die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gezielt diskreditiert und damit möglicherweise dem republikanischen Anwärter Donald Trump zum Sieg verholfen hätten. Dieser zeigt sich weiterhin unbeeindruckt über die Erkenntnisse.

Doch wie sieht es in der Schweiz aus? Strecken ausländische Regierungen auch hierzulande ihre digitalen Fühler aus und versuchen die politische Grosswetterlage auf virtuellem Weg zu beeinflussen? In Erinnerung bleiben jüngst vor allem die Hacker-Angriffe gegen die bundeseigene Rüstungsbeschafferin Ruag, bei der 20 Gigabyte Daten entwendet wurden, und die Cyber-Spionage während der internationalen Atom-Konferenz in Genf im Sommer 2015, als mithilfe eines ausgeklügelten Virus Telefonanlagen und Computer eines Luxus-Hotels verwanzt wurden.

«Täuschen ist so alt wie der Krieg»

Gezielte Cyber-Attacken im Zusammenhang mit Wahlen und Abstimmungen sind in der Schweiz hingegen noch nicht bekannt, wie die Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani des Bundes auf Anfrage mitteilt –  wobei es keine Meldepflicht für Cybervorfälle gibt. Während in den USA spätestens nach den Wahlen die Verbreitung von Fake-News, also von halb- oder unwahren Nachrichten, für grosse Aufregung sorgte, sei dies in der Schweiz «bisher kein zentrales Thema», so Melani-Leiter Pascal Lamia. «Wir beobachten aber die Entwicklung auch in diesem Bereich aufmerksam.»

Das Verteidigungsministerium seinerseits äussert sich nicht konkret zur Gefahr durch Fake-News. «Täuschen ist so alt wie der Krieg selber», schreibt das VBS. Nur erlaubten es neue Mittel, «unmittelbar, weltweit, ohne Vorwarnzeit und für ganz kleine Investitionen sogenannte Information Operations durchzuführen». Dieses Phänomen werde regelmässig beobachtet.

Gerade in Bezug auf Putins Machtapparat zeichnet der Nachrichtendienst des Bundes ein ziemlich düsteres Bild. Der Konflikt zwischen dem Westen und Russland sei «aller Wahrscheinlichkeit nach kein vorübergehendes Phänomen, sondern eine langfristig wirksame Veränderung im strategischen Umfeld der Schweiz», schreibt der NDB in seinem letzten Jahresbericht. Die Staaten der NATO antizipierten nicht nur rein militärische Bedrohungen, sondern auch «Herausforderungen unterhalb der Kriegsschwelle» – wie etwa Cyberangriffe oder Informationskriegsführung.

Was das genau heisst, führt der NDB weiter hinten im Bericht aus: «Diese sogenannten Informationsoperationen erstrecken sich von legitimer Informationspolitik über gezielte Propaganda bis hin zu mit nachrichtendienstlichen Mitteln geführten Manipulationskampagnen. Für die Verbreitung von Informationen werden klandestine Netzwerke geschaffen.»

28 neue Stellen geschaffen

Der Schutz vor digitalen Risiken betrifft eine Vielzahl von Aufgabenbereichen des Bundes, kein Departement ist vor Angriffen aus dem Netz gefeit. Bereits 2012 hat der Bundesrat die Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken (NCS) und ein Jahr später den entsprechenden Umsetzungsplan verabschiedet. Dieser sieht 16 Massnahmen vor, die bis Ende dieses Jahres umgesetzt sein müssen: von «Erstellung Lagebild und Lageentwicklung» über «Kooperation auf der Ebene der internationalen Sicherheitspolitik» bis zu «Aktive Massnahmen zu Identifikation der Täterschaft».

Das alles braucht Zeit – und Personal: Mit der Verabschiedung des Umsetzungsplans hat der Bundesrat für den Kampf gegen Cyber-Risiken 28 zusätzliche Stellen in der Verwaltung geschaffen. 

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Christoph99 10.01.2017 23:35
    Highlight So wie es aussieht, haben die Einen eine Vorsprung und die Andern beklagen das als unfair.
    1 0 Melden
  • Radiochopf 10.01.2017 09:16
    Highlight Ja Putin wird sicher höchstpersönlich unsere AKW's angreifen und auch das Watson-Forum lahmlegen.. bei diesen ganzen Angstmacherei geht es nur um Geld! Geld um mehr Stellen zu bekommen oder selber das Geld einzusacken.. die US-Geheimdienste haben vor Trump Angst, dass er einsparen will, darum machen sie nun so ein Tamtam um russische Hacker.. die Russen haben genau so wie die Amerikaner vor den Wahlen auch schon gehackt! das ist keine neue Bedrohung oder Phänomen, das gab es seit Jahren schon..
    8 9 Melden
  • Der Beukelark 10.01.2017 08:08
    Highlight Um fake-news zu entlarven, ist in erster linie ein schlaues volk nötig. Es wäre darum wichtig, dass die bildung während der lehre etwas ausgeweitet wird. junge leute die einen handwerklichen oder technischen beruf erlernen, bekommen nur fachspezifisches vermittelt. auch wenn es ungewöhnlich klingt, aber vielleicht sollte man dort geisteswissenschaften als fächer miteinbeziehen. muss ja nicht viel sein. eine stunde pro woche reicht, um für zusammenhänge auf dieser welt zu sensibilisieren.
    41 7 Melden
    • Newsaddicted 10.01.2017 08:57
      Highlight Auf den Punkt gebracht.
      3 2 Melden
    • Blutgruppe 10.01.2017 09:10
      Highlight Das stimmt so nicht. Ich in der Informatiklehre (und auch in anderen Lehren ist dies ein Fach) habe Allgemeinbildenden Unterricht.
      Dieser könnte bzw. sollte natürlich noch ausgebaut werden.
      7 0 Melden
    • Olaf! 10.01.2017 09:17
      Highlight "bekommen nur fachspezifisches vermittelt" Wohl keine Lehre gemacht, denn das stimmt schlicht und einfach nicht, es gibt das Fach Allgemeinbildung welches jeder Lernende besucht.
      6 2 Melden
    • Alnothur 10.01.2017 10:16
      Highlight Naja, wenn ich mir teilweise meine Kommilitonen ansehe, kann ich nur sagen: Da ist alle Liebesmueh vergebens...
      4 0 Melden
    • walsi 10.01.2017 11:16
      Highlight Damals, in den 80ern, hatten wir in der Berufsschule das Fach Allgemeinbildung. Da haben wir z.B. gelernt wie unser Staat aufgebaut ist und was die Gewaltentrennung ist.
      3 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 10.01.2017 14:36
      Highlight Ich persönlich halte mich für einigermassen gut gebildet und informiert und ich investiere viel Zeit in Lektüre und Recherche. Trotzdem fällt es mir immer öfter schwer Fake von Wahrheit zu trennen. Bei jeder Quelle schaue ich jeweils wer dahinter steckt und das ist manchmal sehr aufschlussreich. Wenn das jeder machen muss schafft man das nicht. Darum plädiere ich daür, dass der Staat dafür sorge trägt, dass die schweizer Medienvielfalt und Unabhängigkeit (wieder besser) gewährleistet ist.
      1 0 Melden
  • Caturix 10.01.2017 07:49
    Highlight Wichtige Einrichtungen wie AKW's, Spitäler, Militär... gehören nicht ans Internet.
    37 0 Melden
    • Olaf! 10.01.2017 09:19
      Highlight Das ist jetzt aber fies, hat die Schweizer Armee doch gerade eben dieses Social Media Dingens entdeckt und jetzt willst du es ihnen wieder wegnehmen?
      6 1 Melden
    • Ibrahimofish 10.01.2017 10:19
      Highlight Ein System muss nicht unbedingt am Internet angeschlossen sein damit es infiziert werden kann.
      Siehe Stuxnet im Iran.
      2 2 Melden
    • walsi 10.01.2017 11:12
      Highlight @Slädu: Korrekt es ist aber wesentlich aufwändiger. Um das geht es bei der Sicherheit, je aufwändiger es wird das System zu knacken um so lukrativer muss es sein. Wenn der potentielle Ertrag unter dem nötigen Aufwand liegt lohnt es sich nicht.
      2 0 Melden
  • Töfflifahrer 10.01.2017 07:46
    Highlight Die grössten Ersteller und Verteiler von Fake News sind wohl weniger Hacker, als viel mehr die Parteien selbst!
    39 0 Melden
  • Wilhelm Dingo 10.01.2017 07:37
    Highlight Die Schweiz muss sich klar werden, dass sie sich nur begrenzt vor Cyberangriffen und Fakenews schützen kann. Was zählt, ist eine Reduktion von potentieller Angriffsfläche. So sollten kritische Infrastrukturen möglichst autark sein und auf eine Informatisierung wo möglich verzichtet werden. Weiter sollten elektronische Abläufe im demokratischen Prozess nur sehr geziehlt eingesetzt werden. Weiter wäre es wichtig, die Unabhängigkeit und Vielfalt der Medienlandschaft zu fördern um das Meinungsgefüge der Schweiz robuster zu machen.
    30 0 Melden
    • Madison Pierce 10.01.2017 08:00
      Highlight Für die Sicherung von Infrastrukturanlagen benötigt es eine amtliche Prüfstelle.

      Erst kürzlich bei einem Kunden (KMU, arbeitet für Gemeinden) erlebt: Icon "Reservoir" auf dem Desktop. Ist eine VNC-Verbindung zum Wasserreservoir der Gemeinde. Es erscheint ein Windows 2000 Anmeldebildschirm. Enter drücken und man ist bei der Pumpensteuerung... Schade habe ich keinen Screenshot gemacht.

      Autos müssen zum Abgastest, für jedes Produkt gibt es eine Sicherheitsprüfung, nur nicht für die IT.

      Aber bezüglich Medien bin ich voll mit Dir einig!
      16 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 10.01.2017 08:13
      Highlight @Madison Pierce: spannend, arbeite im ähnlichen Umfeld und erlebe ebenfalls haarsträubendes.
      8 0 Melden
    • walsi 10.01.2017 11:08
      Highlight Solche Lösungen sind schön bequem und einfach. Was fehlt ist die Einsicht das bequem und einfach nur ganz selten auch sicher ist.
      1 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 10.01.2017 11:28
      Highlight @walsi: verstehe ich nicht. Es ist nicht bequem wenn Prozesse weiter manuell gehandhabt werden sollen, es ist auch ziemlich unbequem die Medienvielfalt zu fördern.
      2 0 Melden
  • Wehrli 10.01.2017 07:36
    Highlight Wo bleiben die Putinski-Trolle? Freue mich schon auf das Gebrabel des VFS, der vereinigten Freunde Stalins, mir ihrer amüsanten Geschichtsklitterung.
    2 3 Melden
  • walsi 10.01.2017 07:07
    Highlight Diese russischen Hacker müssen wirklich Trufelskerle sein, dagegen sind die Boys der CIA und NSA nur "Göttibuebe".
    10 3 Melden

Tausende Rehkitze sterben jedes Jahr elend den Mähtod – doch es gibt eine Lösung

Eine Reportage aus dem Zürcher Unterland.

Das Wichtigste in Kürze:

Inhaltsverzeichnis:

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