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Wegen Film «Odyssee»: Elon Musk ist hässig auf Christopher Nolan

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Elon Musks gibt gerne den Kulturkämpfer – dabei offenbart er sich manchmal als Rassist.Bild: keystone

Helena ist ihm nicht blond genug – Elon Musk ist hässig auf Christopher Nolan

Die umstrittene Frage, ob weisse Schauspieler auch Schwarze spielen dürfen, und umgekehrt, hat neuen Zündstoff erhalten. Dabei gäbe es eine einfache Lösung zur Konfliktvermeidung.
12.02.2026, 04:2012.02.2026, 05:52
Thomas Studer / ch media

Elon Musk war mal wieder wütend. «Chris Nolan hat all seine Integrität verloren», twitterte der reichste Mann der Welt am vorletzten Wochenende. Er bezog sich damit auf den Regisseur Christopher Nolan («Oppenheimer»), dessen Verfilmung des griechischen Epos «Odyssee» im Sommer 2026 erscheinen soll.

Abgedreht ist Nolans «The Odyssey» bereits, doch die Besetzungen der Rollen sind noch nicht alle bekannt gegeben. So auch die Rolle der schönen Helena, die im Mythos der Grund ist, weshalb der Trojanische Krieg ausbricht. Aller Wahrscheinlichkeit nach aber ist es die Schauspielerin Lupita Nyong’o, die bei Nolan als Helena auftritt – und diese Aussicht ist es, die Musk schäumen lässt.

Christopher Nolan poses in the press room with the awards for best director and best picture for "Oppenheimer" at the Oscars on Sunday, March 10, 2024, at the Dolby Theatre in Los Angeles. ( ...
Einer der renommiertesten Regisseure der Gegenwart: Christopher Nolan zieht den Zorn Elon Musks auf sich.Bild: keystone

Denn: Die US-Kenianerin Nyong’o ist Schwarz. In der vermuteten Entscheidung, sie als Helena zu casten, erkennen Musk und andere rechte Kulturkämpfer woken Wahnsinn und einen Verrat am Mythos, wenn nicht gleich ein weiteres Indiz für den Untergang des Abendlands. Schliesslich sei völlig klar, dass Helena weiss und blond gewesen sei.

epa11936010 Kenyan-Mexican actor Lupita Nyong'o arrives on the red carpet during the 97th annual Academy Awards ceremony at the Dolby Theatre in the Hollywood neighborhood of Los Angeles, Califor ...
Lupita Nyong'os Hautfarbe passt Elon Musk nicht.Bild: keystone

Als Homer-Purist zeigt sich Musk nicht

Zunächst scheint hinter dem Argument derselbe essenzialistische Gedanke zu stecken, mit dem vor ein paar Jahren linke Kulturkämpfer für Schlagzeilen sorgten. Nur Schwule sollten Schwule spielen, hatte etwa der Drehbuchautor Russell T. Davies («Doctor Who») 2021 gefordert.

Ähnliches war damals auch für die Besetzungen von behinderten, transsexuellen und nicht-weissen Figuren zu hören. Dabei waren manche der Forderungen sinnvoll; dass es für einen Weissen wenig gute Gründe gibt, eine spezifisch Schwarze Rolle zu spielen, ist nachvollziehbar.

Bei anderen Argumentationen hingegen ging bisweilen vergessen, dass die Fähigkeit, die eigene Identität zu verwandeln, der Kern der Schauspielkunst ist. Als ob es für eine gute, heterosexuelle Schauspielerin grundsätzlich unmöglich wäre, vor der Kamera glaubhaft so zu tun, als begehrte sie Frauen.

Der Trailer zu «The Odyssey»:

Im Fall der Helena wiederum ist der Fall recht klar. Bei Homer, dem mutmasslichen Autor von «Ilias» und «Odyssee», ist Helenas Aussehen zwar entscheidend. Denn es ist ihre Schönheit, die ihren Raub provoziert, der dann zum Krieg und letztlich zu Odysseus’ Irrfahrten führt.

Allerdings: Abgesehen davon, dass Helena die Schönste und Anmutigste sei, verschweigen die historischen Texte weitgehend, wie sie aussieht. Zwar nennt Homer sie «weissarmig», was sich jedoch darauf bezieht, dass sie nicht in der Sonne arbeiten muss. Von ihrer Haarfarbe ist nichts zu lesen. Womit sich der Aufschrei von Musk und den Seinen nicht als Beitrag besorgter Homer-Puristen entpuppt, sondern als schlichter Rassismus.

Heftige Drohungen gegen die Casting-Verantwortliche

Scheinbar ähnliche Diskussionen umwuchern eine Buchverfilmung, die ab dieser Woche im Kino zu sehen ist: «Wuthering Heights» von Regisseurin Emerald Fennell («Saltburn»). Es handelt sich um eine Adaption des gleichnamigen Romans (auf Deutsch: «Sturmhöhe»), den die britische Autorin Emily Brontë im Jahr 1847 veröffentlichte.

Brontë erzählt darin von der Beziehung zwischen der launischen Catherine und dem cholerischen Heathcliff, die sich im ländlichen Yorkshire des späten 18. Jahrhunderts unerfüllt anschmachten.

Wie Nolan erhielt nun auch Regisseurin Fennell scharfe Kritik für ihre Casting-Entscheidung. Es gehe nicht an, dass sie die Rolle des Heathcliff mit dem Weissen Australier Jacob Elordi besetzt sei, befanden Kritiker. Auf Instagram kommentierte ein User, die Casting-Verantwortliche solle erschossen werden.

Grund dafür ist die im Buch ungeklärte Herkunft der Figur. Heathcliff ist ein Findelkind, seine Mitmenschen beschreiben ihn als «dark gipsy» (in deutschen Übersetzungen meist «dunkelhäutiger Zigeuner»). Eine Dienerin meint, er sehe aus wie der Sohn eines chinesischen Kaisers oder einer indischen Königin. Während Brontë nichts über Heathcliffs Eltern schreibt, macht sie relativ klar, dass er Rassismus erfährt und auch deswegen zum unglücklichen Eigenbrötler gerät.

Wo Ödnis in der Vorlage ist, glitscht der Film

Fennell wiederum geht insgesamt recht frei mit der Buchvorlage um, was ihr gutes Recht ist. Ihren Film hat sie barock überladen und die im Original erotisch dürre Geschichte mit allerhand glitschigen Sexszenen angereichert. Ihr von Elordi gespielter Heathcliff ist kein von Rassismus geprügelter Hund, sondern ein geheimnisvoller Gentleman mit starken Händen.

Die im Original gesellschaftskritische Geschichte wird damit zur Schmonzette, wenngleich zu einer aufregend bebilderten. Irritiert hat die Regisseurin jedoch mit ihrer Antwort auf die Kritik ihrer Besetzung.

Sie habe «Wuthering Heights» mit 14 Jahren verschlungen und das Buch jetzt so verfilmt, wie es sie damals wahrgenommen hatte, sagte Emerald Fennell. Der Schauspieler Jacob Elordi sehe mit Koteletten nun mal aus wie Heathcliff auf den Illustrationen der Ausgabe, die sie als Teenager gelesen habe.

«Wuthering Heights», Regie Emerald Fennell, mit Margot Robbie und Jacob Elordi
Jacob Elordi und Margot Robbie in «Wuthering Heights».Bild: Warner Bros.

Offen rassistisch wie Elon Musks Äusserung ist das nicht, unbeholfen aber schon. In beiden Fällen gilt: Genaue Lektüre könnte Kulturkämpfe verhindern.

Emerald Fennells «Wuthering Heights» kommt am 12. Februar ins Kino, Christopher Nolans «The Odyssey» Mitte Juli 2026. (aargauerzeitung.ch)

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67 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Lduc
12.02.2026 06:30registriert September 2016
An die Hautfarbenexperten in den Kommentaren: Ich glaube den antiken Griechen wäre es so „läng wir breit“ welche Hautfarbe Helena hat - zumal sie eine unglaubliche Hassfigur innerhalb der Mythologie war. Wenn Euch die Hautfarbe nicht passt, den Film einfach nicht schauen.

Ich staune weiterhin, wie viele Menschen noch immer auf den Kulturkampf reinfallen. Verhindern solche Filme, dass ihr einen gerechten Lohn bekommt oder bei der Arbeit richtig behandelt werdet? Ich glaube nicht. Konzentrieren wir uns doch auf diese Themen.
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Wolfgang Bumbuy
12.02.2026 07:32registriert November 2024
Am aller schlimmsten ist aber , dass die alle Englisch sprechen in dem Film. Also das geht gar nicht. Der muss auf altgriechisch gedreht werden.
Der Typ hat Probleme, die würden extra für ihn erfunden. Wie genau man sich in Hollywood an eine Vorlage aus der Literatur hält, dass ist doch bekannt.
Sturm im Wasserglas. Keiner fragt mehr, was er mit den ganzen Daten macht, die seine Hackerbande letztes Frühjahr geklaut hat.
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The Mac
12.02.2026 06:47registriert Juni 2024
Nick Fury war in den Comics auch ein weisser Typ mit grauen Haaren bis er von Samuel L. Jackson gespielt wurde. Ich denke am Ende spielt das alles keine Rolle, wenn der Film gut ist. Ich kannte mal nen Typen, der fand Herr der Ringe schlecht, weil das Pferd von Gandalf im Buch eine andere Farbe hatte als im Film... argh!
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