Schweiz

Sie flirten lieber offline, finden Parteien langweilig und sorgen sich um den Ausländer-Anteil: So ticken jungen Schweizer

01.10.15, 15:49 02.10.15, 07:38

Bild: BENOIT TESSIER/REUTERS

Nicht nur digital unterwegs

Für über 85 Prozent der Schweizer «Digital Natives» spielt das Internet eine wichtige oder gar eine unverzichtbare Rolle. Bei der Generation, die mit der digitalen Welt aufgewachsen ist, prägt das Internet aber nicht alle Lebensbereiche im gleichen Masse.

In der Schweiz dominiert die Online-Abwicklung lediglich in drei Bereichen mehrheitlich: Beim Produktvergleich, der Stellensuche und beim Zahlungsverkehr ziehen knappe Mehrheiten eine Online-Lösung vor.

CS-Jugendbarometer

Für die CS-Studie «Willkommen bei den Digital Natives» wurden zwischen April und Juni 2015 je 1000 16- bis 25-Jährige in der Schweiz, in den USA, in Brasilien und in Singapur befragt. Dabei wurden diesmal speziell Fragen zur Digitalisierung gestellt.

24 Prozent der Befragten wickeln jedoch den Zahlungsverkehr nach wie vor lieber am Bank- oder Postschalter ab. Wenn es um Anleitungen oder Lernen geht, beurteilt ein Drittel beide Kanäle als gleichwertig, 43 Prozent ziehen eine Online-Lernlösung vor.

Datenschutz ist wichtig

Für über 78% ist klar, dass sie sich im Internet selber schützen müssen. 69% wünschen sich aber auch, dass der Staat hier eine bedeutendere Rolle einnehmen würde.

WhatsApp statt Facebook

Das soziale Netzwerk spielt bei allen digitalen Themen eine zentrale Rolle – mehr als die Hälfte der Befragten finden gar, Facebook verändere die Welt. Doch nur gerade 5 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz gaben an, Facebook sei ihre wichtigste Informationsquelle. Dominierend sei WhatsApp.

Facebook als Newsquelle

Bild: LUONG THAI LINH/EPA/KEYSTONE

Facebook hat dafür eine andere Funktion übernommen: 27% der Befragten aus Singapur, 22% aus den USA, 17% aus Brasilien und 5% aus der Schweiz geben an, Facebook sei ihre wichtigste Informationsquelle. Somit ist Facebook für diese Generation ein wichtigeres Nachrichtenmedium als News-Apps, Radio, TV oder Zeitungen.

YouTube statt Fernsehen

Im Jugendbarometer liess sich der Leserschwund von Bezahlzeitungen schon früh erkennen; nun deutet sich an, dass dem Fernsehen ein ähnliches Schicksal drohen könnte: Sogar im TV-Land USA ist das Fernsehen erstmals nicht mehr unter den Top 3 der Dinge, die angesagt sind.

In der Schweiz ist die Popularität des Fernsehens innert fünf Jahren von 80% auf 62% gesunken. Parallel dazu verläuft der Aufstieg der Videoplattform YouTube, die in allen vier untersuchten Ländern als in gilt. Interessanterweise ist das Radio konstant beliebt, zumindest in der Schweiz.

Drogen, Politik und Religion sind out

Bild: EPA/EFE / MEXICAN PROSECUTOR OFFICE

Als unattraktiv in allen vier Ländern gelten Drogen und Rauchen sowie politische Parteien und Religionen. Zudem sind veraltete Internetplattformen wie Myspace und Orkut (mittlerweile nicht mehr in Betrieb) bei den Jugendlichen unbeliebt.

Work-Life-Balance soll stimmen

Diese Generation möchte ein bisschen von allem: Selbstverwirklichung und Arbeit, die erfüllend ist und den eigenen Talenten entspricht. Die Work-Life-Balance soll stimmen und man will viele verschiedene Dinge ausprobieren. Dann erst folgt das, was Vater und Mutter vielleicht eher hören möchten – Karriere machen und mehr Wohlstand als die eigenen Eltern erreichen. Bezeichnenderweise werden diese zwei letzten Punkte vor allem in dem Land genannt, welches das tiefste Pro-Kopf-Einkommen aufweist: Brasilien. In der Schweiz hingegen stehen solche Ziele eher im Hintergrund.

«Die Medien» sind angesagt

Bild:

In welchen Branchen wären die Jugendlichen am liebsten angestellt?

  1. Medien
  2. Tourismus
  3. Bildungswesen
  4. Telekommunikation
  5. Gesundheitswesen
  6. Banken

Jedoch hat eine grosse Anzahl der Befragten in allen Ländern die Erfahrung gemacht, dass weibliche Arbeitskräfte benachteiligt werden. Und nirgendwo ist die Zustimmung zu dieser Aussage so hoch wie in der Schweiz (57%).

Rosige Zukunft

Die befragten Jugendlichen blicken optimistisch nach vorne. In der Schweiz hat die Zuversicht seit 2010 Jahr für Jahr zugenommen, heute sind 64% optimistisch. So hohe Werte erreicht kein anderes Land.

Sorgen mit Ausländern

Zugenommen haben dagegen die Sorgen rund um Ausländer und insbesondere um Flüchtlinge. 51 Prozent der Jugendlichen finden, Ausländer stellten das grösste Problem des Landes dar. 2010 waren es noch 44 Prozent, die diese Meinung vertraten. Die Asylzahlen und das Flüchtlingsdrama im Mittelmeer beschäftigten deutlich mehr junge Menschen in der Schweiz. Das Verhältnis von jungen Schweizern und jungen Ausländern werde von Jugendlichen verbreitet als angespannt wahrgenommen, obwohl die meisten von ihnen Ausländer im eigenen Freundeskreis hätten.

(egg/sda)

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
22
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 07.10.2015 19:00
    Highlight
    1 0 Melden
  • Zeit_Genosse 02.10.2015 09:26
    Highlight Eigentlich wollte die CS nur erheben, ob die "D-Natives" Onlinebanking machen und auf welchen Kanälen mit welchen Botschaften man sie ansprechen muss. Eine streitbare Marketingstudie. Bei Studien immer erst auf den Auftraggeber, Sponsor und dann auf das Institut schauen. Dann kann man abschätzen, welche Fragen wurden warum gestellt und wie verpackt man das, dass Redaktionen daraus, wie hier, eine stattliche Geschichte machen und die PR-Trommel bespielen.
    3 1 Melden
  • Jason96 02.10.2015 08:00
    Highlight Danke fürs Pauschalisieren!
    3 2 Melden
  • spiox123 02.10.2015 00:36
    Highlight Schade ist, dass viele Junge nicht wählen gehen und sich überhaupt nicht für ihr Recht zu wählen intressieren. Damit könmte sie ja schon einige Themen die sie beschäftigen probieren zu ändern! Darum bitte geht wählen, wenn ihr nicht wisst was, das Internet (easyvote) hilft euch!
    11 2 Melden
  • Hüendli 01.10.2015 19:29
    Highlight Gibt es die eBanking-Quote auch nach Ländern aufgeschlüsselt? Jeder zweistellige Wert für die Schweiz würde mich doch sehr überraschen. Ich nutze eBanking, seit ich ein Lohnkonto habe (über 10 Jahre), und hätte keine Ahnung, wie eine Einzahlung am Postschalter funktioniert.
    22 3 Melden
  • The Destiny 01.10.2015 16:47
    Highlight "24 Prozent der Befragten wickeln jedoch den Zahlungsverkehr nach wie vor lieber am Bank- oder Postschalter ab."

    Thats meeee :3
    23 18 Melden
    • atomschlaf 01.10.2015 19:36
      Highlight shocking!
      21 2 Melden
  • spaddel 01.10.2015 16:15
    Highlight 5% in der Schweiz nutzen Facebook als Informationsquelle und Ihr zieht daraus den Schluss, dass Facebook wichtiger sei als Newsapps ?! Mathe kein Thema bei euch ....
    59 2 Melden
    • R&B 01.10.2015 22:33
      Highlight Ui! Heute aber recht hässig drauf?
      7 6 Melden
  • Gelöschter Benutzer 01.10.2015 16:14
    Highlight Jugendliche, die tatsächlich mit Menschen mit Migrationshintergrund tagtäglich in Berührung kommen und mit gewissen Problemen, die durch die enorme Einwanderung entstehen konfrontiert sind, sehen die Situation kritisch.
    Journalisten hingegen, insbesondere die bei watson, welche wahrscheinlich nur auf dem Weg ins Büro marginal vom Thema betroffen sind, glauben aber der Welt erklären zu müssen wie sie die Zuwanderung zu sehen haben und brandmarken alle Andersdenkenden. Diese Studie lässt mich zuversichtlich in die Zukunft blicken, denn sie zeigt die Grenzen des Mainstream-Journalismus auf.
    103 66 Melden
    • Angelo C. 01.10.2015 17:49
      Highlight Wo du recht hast, hast du recht! Die Stimmen mehren sich tatsächlich, die sich gerne eine ausgewogenere und weniger tendenziöse Berichterstattung wünschen. Allerdings bis jetzt vergeblich, man gefällt sich als reine Linkspostille 😉!

      Und die Charakterisierung junger Menschen mag zwar im Flegelalter noch an Politik desinteressiert sein, was sich jedoch nach dem Erreichen der Mündigkeit mehr und mehr verändert, wie der Tagesanzeiger dies im Laufe der vergangenen Woche anschaulich dokumentiert :

      http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/-Junge-fuehlen-sich-der-SVP-nahe---/story/16304938

      36 14 Melden
    • Azrag 01.10.2015 18:04
      Highlight Ich stimme dem zu, jedoch nicht im Bereich, dass Watson Mainstream ist, was die Politik angeht. Hier wird im Gegensatz zu 20 Minuten etc. Meinungsjournalismus betrieben. Ob dies aus Überzeugung geschieht oder weil damit eine Zielgruppe von der reichweitenstärkeren Konkurrenz weggeschnappt werden soll, vermag ich nicht zu beurteilen.
      35 1 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.10.2015 19:03
      Highlight Blöd nur, dass alle Sozialwissenschaftlichen und -psychologischen Studien zeigen, dass gerade die Leute, die viel Umgang mit Ausländern oder Menschen mit Migrationshintergrund haben, weniger Vorurteile und Bedenken haben. Das nennt sich Kontakthypothese und ist auf breiter Basis empirisch bestätigt worden. Offenbar hat ein grosser Teil der Jugendlichen einfach immer noch zu homogene Freundeskreise.
      37 25 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.10.2015 19:42
      Highlight Emjay, eindruecklich dass sie alle Studien zum thema gelesen haben! ;) Sie bestaetigen hier die confirmation bias (bitte googeln). Sie sehen in den studien, das was sie sehen wollen. Jede Studie weist Verzerrungen auf. So kann eine Studie unter Expats sehr wohl diese Resultate bestaetigen, die Zustimmung zu SVP Vorlagen in Schwammendingen, der Gemeinde mit den meisten Auslaendern, ist aber mindestens so aussagekräftig und besagt das Gegenteil. Und nur weil Soziologen dies so sehen wollen ist es noch lange nicht die Wahrheit.
      23 20 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.10.2015 19:45
      Highlight Emjay schauen sie doch mal die dokumentation schlank durch schokolade
      Es wird ihnen aufzeigen wie wertvoll, die meisten wissenschaftlichen studien zur erklärung von realen sachverhalten sind
      14 17 Melden
    • Zuagroasta 01.10.2015 21:49
      Highlight Dass diese Dokumentation ein Humbug ist, weiss mittlerweile jeder, Mirzo.

      Übrigens, so viel Wert auf den Punkt 10 würde ich nicht legen.
      Bei jungen Menschen ändert sich die Meinung schneller als einem lieb ist. Die wird nämlich erst später mit der Lebenserfahrung gefestigt.
      10 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 01.10.2015 22:23
      Highlight Zuagroasta, sie haben die dokumentation offensichtlich nicht geschaut. Daher danke
      8 5 Melden
    • R&B 01.10.2015 22:31
      Highlight Warum lesen Sie noch Watson? Sie wollen ein zweites 20 Minuten, dass auch Meinungen bilden möchten. Ich lese kein 20 Minuten, weil ich es zu populistisch finde. Seien Sie doch konsequent und lesen Sie kein Watson mehr, wenn Sie alles hier doof finden.
      13 15 Melden
    • phreko 01.10.2015 23:27
      Highlight Beispiel Schwammedingen: Im selben Dorf wohnen und Kontakt haben ist nicht das Selbe. Zur Abgrenzung reicht eine Hauswand und ein nicht-grüssen im Treppenhaus. Des Weiteren sind ausländereiche Gemeinden eher günstige Wohnlagen, womit auch die Schweizer eher weniger reich sind. Nun, um den schönen Kreis zu schliessen, welche Partei ist in der Schweiz der Favorit der wenig Begüterten und was wie hiess deren Initiative schonwieder?
      4 8 Melden
    • Zuagroasta 02.10.2015 00:34
      Highlight Mea culpa. Hab das mit der Fakestudie, auch von Arte bzw. ZDF, verwechselt. Die Doku hab ich gesehen. Ist aber schon ein
      paar Tage her, dass ich mich nicht mehr an jedes Detail erinnere.
      Es lässt sich aber schnell in einem Satz erklären, ohne eine Stunde auf YT abzuhängen.
      Wenn ich das Ergebnis einer Studie vorher festlege und ich alle verfügbaren Daten so interpretieren, dass ich zu dem von mir gewünschten Ergebnis komme plus dies noch ansprechend verpacke, kann ich fast alles behaupten.
      Punkto ist, mehr als eine Quelle zu "Rate" zu ziehen.
      Und das ist hier nicht gegeben.

      5 2 Melden
    • dracului 02.10.2015 07:49
      Highlight @eMJay Können die Wissenschaftler mal in die Schulklasse meiner Tochter kommen? Schweizer sind in der Minderheit und werden meinungsmässig massiv unterdrückt. Dieser Umstand macht es auch für Eltern schwierig für Offenheit und Toleranz zu werben.
      6 3 Melden
    • Gelöschter Benutzer 02.10.2015 08:04
      Highlight phreko, ich finde ihre kritische Haltung gut, wirklich. Mit einer kritischen Haltung könnte man dann aber auch zum Schluss kommen, dass in Schwamendingen ebenso die wenig Begüterten oder, um es spitz zu formulieren, die "Problemausländer" leben und es daher wirklich zu Ressentiments und Spannung kommt. Soziologie kann gut Vorurteile zementieren, Tatsachen bestätigen kann sie aber nicht. Dies weil das Zusammenleben viel zu komplex ist als das es Experimenten erklärt werden kann. Dies wird ihnen aber kein Soziologe sagen, da er weder seine Arbeit noch die ganze Disziplin in Verruf bringen will
      3 2 Melden

Eigentlich wollte Zukkihund über Bettler motzen, aber dann kam ihm was dazwischen

«Wein doch!» – das Format, in dem sich watson-Mitarbeiter betrinken und sich über irgendetwas beklagen. Diese Woche: Rafi über Gratiskultur.

Artikel lesen