Schweiz

Larible nach Pädophilie-Vorwurf «kaputt» – «Ich habe schon 5 oder 6 Engagements verloren»

06.12.16, 20:34

David Larible ist mit einem harten Vorwurf konfrontiert. screenshot: telezüri

Was sagt David Larible zur Aussage einer 14-Jährigen, der 59-Jährige habe sie mit Zunge geküsst? Der Italiener kämpft nach dem Pädophilie-Vorwurf um seine Karriere: Zusammen mit seinem Anwalt Valentin Landmann äussert sich der Zirkus-Mann dazu in «TalkTäglich» – direkt nach einer Einvernahme durch die Zürcher Staatsanwaltschaft.

Was ist passiert?

24. Oktober: David Larible trifft in einem Zürcher Hotel einen 14-Jährigen Fan. Das Mädchen sagt, Larible habe ihr dabei drei Zungenküsse gegeben.
20. November: Larible wird nach der Abschlussvorstellung des «Circus Knie» in Lugano verhaftet und von einem Staatsanwalt in Zürich vernommen. Er verbringt zwei Tage in Haft.
27. November: Der «Blick», der stets über den Vorwurf berichtete, fragt, warum der Italiener bis dato schweigt. Ein Facebook-Beitrag Valentin Landmanns wird zitiert, in dem der Anwalt eine offensivere Verteidigung anmahnt.
3. Dezember: Larible hat Landmann engagiert und gibt dem «Blick» ein Interview, in dem er seine Unschuld beteuert.
6. Dezember: Nach einer weiteren Einvernahme bei der Zürcher Staatsanwaltschaft stellt sich Larible mit Landmann den Fragen von «TalkTäglich»-Moderator Oliver Steffen.

«Ich habe nichts Schlechtes getan», versichert er gleich zu Beginn: Er hätte nicht mal daran gedacht, mit so einem Vorwurf konfrontiert werden zu können. Anwalt Landmann erinnert daran, dass es bis dato auch niemals ähnliche Vorwürfe gegen seinen Mandanten gegeben habe.

«In der Presse standen Sachen, die sich klar und mühelos widerlegen lassen», ergänzt Landmann mit Blick auf eine Behauptung, der Clown habe extra Räume angemietet, um das Mädchen zu verführen. «Er hat die zwei Hotelzimmer [bereits vor längerer Zeit] für eine Fotografin gemietet.»

Video: kaltura.com

«Weshalb sollte das Mädchen aber lügen?», hakt Moderator Oliver Steffen nach. «Die Frage geht mir seither auch durch den Kopf. Vielleicht ist es eine Fantasie», entgegnet Larible, «ich wollte nicht mit ihr aufs Zimmer gehen.» Später fragt der Moderator erneut: «Warum nimmt man ein Mädchen mit aufs Hotelzimmer? Das macht man nicht!» Larible räumt ein: «Ich war ein Vollidiot. Sie haben Recht. Ich war so naiv.»

Larible (neben Anwalt Landmann, Mitte) stellt sich Oliver Steffens Fragen. screenshot: telezüri

Wie kam es soweit? Larible habe dem Mädchen sein Buch gegeben und mit ihr darüber gesprochen. Er habe ihr ein Foto geben wollen, dass in jenem Hotelzimmer war und seinem Fan gesagt, sie solle warten. Diese habe aber nicht allein zurückbleiben und mitkommen wollen, so seine Darstellung.

Er habe mit ihr auch über Privates gesprochen: Das Mädchen habe erzählt, sie hätte noch nie einen Jungen geküsst. Larible will geantwortet haben, dass passiere von allein, wenn sie den Richtigen fände. Weiter habe sie gestanden, sie liebe jemanden vom «Circus Knie» – und Larible will bei dem «heimlich Geliebten» für sie auch nachgefragt haben, ob Interesse bestünde.

Wann Larible selbst die Situation komisch fand

«Ich hatte das Gefühl, sie braucht Hilfe. Manchmal denken wir, dass wie helfen können. Als ich sah, dass sie Schauspielerin und Artistin werden will, wollte ich ihr Tipps gegeben.» Dann aber sei ein Moment gekommen, der ihn stutzig gemacht habe: «Das Mädchen sagte: ‹David, du sprichst so gut. Ich glaube, jede Frau könnte sich in dich verlieben.›» Das habe er komisch gefunden und den Termin beendet.

Anwalt Landmann räumt einerseits ein: Das Mädchen sei Larible um den Hals gefallen und habe auch einen Kuss auf die Stirn bekommen. Andererseits habe sein Mandant sie von Anfang an darum gebeten, ihre Mutter mitzunehmen, die jedoch verhindert war. Später hätten die Zwei noch gechattet, ergänzt Landmann. In jener Konversation gäbe es keine Hinweise auf eine solche Tat.

Der Italiener wirkte glaubhaft, doch was wahr ist, muss die Justiz klären. screenshot: telezüri

«Ich kann nachts nicht mehr schlafen», gibt der Beschuldigte zu. Sein Anwalt befürchtet, «dass er beruflich vernichtet wird, weil das im Raum steht». Die Auswirkungen bekommt der Clown bereits zu spüren: «Ich bin total kaputt: Ich habe schon fünf oder sechs Engagements verloren. Aber ich verstehe die Leute. Es geht von einer Zeitung zur anderen. Ich muss warten, bis das Problem geklärt ist»

«Wir werden für ein Happy End kämpfen», betont Jurist Landmann. Doch der Spass ist für den professionellen Clown vorbei – egal, wie womöglich die Richter am Ende urteilen. «Ich glaube dem Clown», sagt ein Anrufer in der Sendung. Und gleichzeitig mit Mitleid: «Es wird immer ein fader Nachgeschmack bleiben.»

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Judge Dredd 07.12.2016 09:34
    Highlight Die einseitige Darstellung in einer Talkshow in welcher sich der Beschuldigte und sein Anwalt mit zweifelhaftem Ruf (wieso brauchts im Fernsehen einen Anwalt?) inszenieren, ist genau so verwerflich wie eine Vorferurteilung des Clowns durch die Medien aufgrund von Vermutungen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

    Für die Beurteilung des Falles ist die Justiz zuständig und nicht Tele Züri, der Blick oder sonst wer.
    3 2 Melden
    • Oly 07.12.2016 09:46
      Highlight Gerade der Blick und Tele Züri sind doch die moralischen Stützpfeiler unserer Gesellschaft... ;)
      3 1 Melden
  • Oly 07.12.2016 07:55
    Highlight Schlechte Anwaltswahl... da hat er sich auf jeden Fall einen Bärendienst erwiesen.
    9 1 Melden
    • Hierundjetzt 07.12.2016 08:59
      Highlight Hab ich mir auch gedacht.
      6 2 Melden
  • Charlie Brown 07.12.2016 05:12
    Highlight Unabhängig davon, ob an der Story was dran ist oder nicht. Interesse an einer 14-jährigen ist nicht Pädophillie. "Der Begriff Pädophilie (von griechisch παῖς pais „Knabe, Kind“ und φιλία philia „Freundschaft“) bezeichnet das primäre sexuelle Interesse an Kindern, die noch nicht die Pubertät erreicht haben." Die Pupertät setzt in Mitteleuropa bei Mädchen um das zehnte Lebensjahr ein.

    Damit will ich in keinem Fall gutheissen, wenn ein 60-jähriger mit einer 14-jährigen rummacht (unabhängig von diesen unbewoesenen Vorwürfen). Es geht ausschliesslich drum, korrekte Begrifffe zu verwenden.
    25 5 Melden
  • Philu 07.12.2016 00:28
    Highlight Lügendetektortest und das Problem ist hoffentlich gelöst. Klar kann man die Technik austriksen, jedoch wäre es als erste Massnahme sicher nicht schlecht. Kann auch sein, dass dann die eine Partei gleich zusammenbricht und mit der Wahrheit rausrückt.
    4 42 Melden
    • Raembe 07.12.2016 12:58
      Highlight Lügendetektortests sind vor Gericht als Beweis nicht zulässig
      5 0 Melden
  • Hierundjetzt 06.12.2016 22:44
    Highlight Und nochmals: warum nimmt man im 2016 eine 14 jährige mit aufs Zimmer? Weil aus gründen?

    Und jetzt kein gelabber von wegen "Sie brauchte Hilfe" als Erklärung. Das ist hochnotpeinlich für einen dicken 60ig jährigen

    Ich glaub ihm kein Wort. Sorry 😑
    21 77 Melden
    • füdlibürger 06.12.2016 23:09
      Highlight Weil er dick und alt ist? Dann muss er wohl pädophil sein..
      66 8 Melden
    • Datsyuk * 06.12.2016 23:42
      Highlight Wie kommst du darauf, so etwas zu schreiben?
      32 4 Melden
    • Piri 07.12.2016 00:28
      Highlight Irgendwie finde ich das auch sonderbar...und wieso tauscht er Handy-Nrn. aus, wenn er merkt, dass sie auf ihn angeblich abfährt...also alles sehr sonderbar, ich kann ihm leider so auch nicht glauben....
      16 8 Melden
    • Hierundjetzt 07.12.2016 09:02
      Highlight ...weil mich als Mann Männer extrem nerven und anekeln, die sowas machen.

      Und nein, das war nicht das erste Mal. Das passiert keinem von uns "einfach so".

      Diesesmal hat ers einfach übertieben. Darum brauchts jetzt auch einen Valentin L. als Rechtsbeistand
      3 7 Melden
    • Datsyuk * 07.12.2016 09:24
      Highlight Und deswegen machst du Vorverurteilungen?
      8 0 Melden
    • Hierundjetzt 07.12.2016 11:20
      Highlight In der Schweiz ist man generell extrem zurückhaltend mit Strafanzeigen. Die Anwälte sind extrem teuer.

      Wir werde ja sehen.

      Und wenn Du mal selber Kinder hast, wirst Du meine Reaktion nachvollziehen können.

      Mein Kind alleine draussen beim spielen? Kein Problem.

      Mein Kind alleine bei einem 60 jährigen im Hotelzimmer? No way
      1 4 Melden
    • Datsyuk * 07.12.2016 13:32
      Highlight Du weisst ja gar nicht, was er gemacht bzw. nicht gemacht hat. Es geht mir darum. Eigene Kinder sensibilisieren sicher, aber Grund für Vorverurteilungen sind sie nicht.
      5 0 Melden
  • MacB 06.12.2016 21:45
    Highlight Als Mann wird man in einer solchen Situation erst verurteilt und dann allenfalls begnadigt (siehe Kachelmann). Doch der fade Beigeschmack wird immer bleiben, unabhängig davon, ob er sich etwas zuschulden hat kommen lassen oder nicht.
    Schlimm finde ich, wie die Medien in diesem (Zerfleischungs-)Spiel meist mitmachen...
    121 5 Melden
    • Silent_Revolution 07.12.2016 00:30
      Highlight Der fade Beigeschmack bleibt nur, wenn wie im Kachelmann Fall, die Unschuld nicht eindeutig bewiesen werden kann. Vor dem Gesetz als unschuldig zu gelten ist nicht = unschuldig.

      Es ist allerdings ein Ding der Unmöglichkeit bei zwei Involvierten ohne Zeugen, welche beide verschiedene Storys erzählen den wahren Schuldigen ohne Vermutung zu entlarven. Es sei denn, der Lügner gesteht plötzlich.

      Medien sollten, wenn sie darüber berichten, objektiv beide Seiten aufzeigen und wir sollten nicht urteilen.

      Den Clown oder Kachelmann als unschuldig anzusehen, ist genau so falsch wie umgekehrt.
      14 21 Melden
    • MacB 07.12.2016 08:28
      Highlight @Silent_Revolution:
      Du hast rcht aber mit mit deinem Schlusssatz bin ich nicht einverstanden. Warum ist es falschm, jemanden grundsätzlich als unschuldig anzusehen?
      Erst wenn eine Schuld bewiesen ist, und er verurteilt wird, gilt er als schuldig. Bis zu diesem Tag nicht. Nur weil jemand etwas behauptet, heisst das noch lange nicht, dass es erstmal stimmt. Denke nur an die vielen Falschaussagen im amerikanischen Wahlkampf...
      8 0 Melden
    • Silent_Revolution 07.12.2016 16:34
      Highlight @ MacB

      Wir kennen den Fall aus den Medien, es gibt einen Angeklagten und einen Kläger. Bis zur Verurteilung oder zum Freispruch ist er gesetzlich unschuldig, das ist klar. Trotzdem könnte er es gewesen sein und seine Aussage ist bis zu deren Bestätigung in Form von Beweisen ebenfalls nur eine Behauptung. Bei einem Freispruch aus Mangel an Beweisen, könnte der Freigesprochene doch schuldig sein.

      Und gerade wenn wie hier der Prozess erst noch kommt, sollte man keinen der beiden vorverurteilen.
      2 0 Melden
  • Jaing 06.12.2016 21:00
    Highlight Das ist übrigens ein Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Minderjährigen und nicht der Pädophilie.
    126 1 Melden

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