Schweiz
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Ein siebenköpfiges Forscherteam untersuchte von 2012 bis 2016 den Piz Cengalo. bild: giancarlo cattaneo

Die Flanke verschob sich pro Jahr um 10 Zentimeter – so kam es zum Bergsturz in Bondo

Der Piz Cengalo, an dem seit einem Bergsturz mehrere Menschen vermisst werden, wurde seit mehreren Jahren überwacht. Der Abschlussbericht der Forscher liegt watson nun exklusiv vor. Er zeigt: Schmelzendes Eis hat beim Unglück eine Rolle gespielt. 



Der Piz Cengalo galt als gefährlicher Berg. Seit Dezember 2011, als 1,5 Millionen Kubikmeter Fels ins Tal gedonnert war, wurde er ständig überwacht und erforscht. Als Reaktion auf dieses Ereignis wurde damals im Val Bondasca ein Murgang-Alarmsystem eingerichtet. Dieses reagierte am Mittwoch. Einsatzkräfte wurden alarmiert und Strassen gesperrt.

Ebenfalls als Reaktion auf den Bergsturz vor sechs Jahren untersucht seither ein siebenköpfiges Forscherteam den Piz Cengalo. Im Zentrum der Untersuchungen steht der Einfluss von Permafrost auf Bergstürze. Dieser ist laut Experten noch wenig erforscht und war massgeblicher Auslöser des Bergsturzes am Piz Cengalo 2011. Der Abschlussbericht «Einfluss von Permafrost auf Berg- und Felsstürze» liegt der watson-Redaktion exklusiv vor.

Das versteht man unter Permafrost: 

Permafrost beschreibt den Zustand von Boden oder Felsuntergrund, dessen Temperatur für mindestens zwei Jahre nicht über null Grad ansteigt.

Seit Projektbeginn 2012 hat das Forscherteam die Verschiebungen in der Felswand mittels Laser Scanning und einem Radar System überwacht. Aus den Messungen wurde eine geologische Strukturanalyse angefertigt. In ihrem Bericht schreiben die Forscher, dass zwischen 2013 und 2016 die Deformation des oberen Berg-Pfeilers rund dreissig Zentimeter betrug. Einfacher ausgedrückt heisst das: Die Bergflanke hat sich pro Jahr um zehn Zentimeter verschoben.

Der Bergsturz bei Bondo GR

Marcia Phillips vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung war Teil des Forscherteams. Sie sagt, die Struktur des Piz Cengalo begünstige Bergstürze: «Die Felsstruktur ähnelt der Struktur und dem Aufbau einer Zwiebel. Die Schichten können sich voneinander lösen.» 

«Die Felsstruktur ähnelt der Struktur und dem Aufbau einer Zwiebel. Die Schichten können sich voneinander lösen.»

Marcia Phillips

Eine Sprengung sei für solche Felsmassen im Allgemeinen keine Option. «Dafür sind die betroffenen Felsmengen viel zu gross.» Tatsächlich: Ein Bergsturz aus dem Permafrost in diesem Ausmass hat es in der Schweiz, so weit die Überwachung zurückreicht, noch nie gegeben.

Mehrere Einflussfaktoren

Permafrost könne einer der Einflussfaktoren sein, die zu Felsstürzen führten. Jedoch nur einer unter vielen: So könnten auch Entgletscherung oder starke Niederschläge im Sommer einen Einfluss haben. Ebenfalls begünstigend seien grosse Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter.

Eine weitere Erkenntnis der vierjährigen Forschung sei, erzählt Phillips, dass kleinere Felsstürze bis zu 100'000 Kubikmeter hauptsächlich im Sommer stattfinden, grössere Ereignisse hingegen nicht saisonbedingt sind. Ob und inwiefern weitere Schweizer Berge von ähnlich grossen Felsstürzen gefährdet sind, lasse sich nicht voraussagen. 

Korrigendum: In einer ersten Version des Artikels hiess es, die ‹Bergspitze› habe sich pro Jahr um zehn Zentimeter verschoben, es handelt sich jedoch um die ‹Bergflanke›. 

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Video: watson/Laurent Aeberli, Emily Engkent

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