Spass
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De Ohrfiige na

Was ist dir wichtiger: Ein Guter Ruf oder viel Geld? Egal, zum Sieg brauchst du eh beides!

Bild: AP/AP

Neulich in Indien: Wir haben für euch «Rajas of the Ganges» gespielt.



Wir spielen heute:
«Rajas of the Ganges»

Worker-Placement- und Legespiel von Inka und Markus Brand für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: 45 bis 120 Minuten. Verlag: Huch! Preis: etwa 65 Franken.

Thema:

Im Indien des 16. Jahrhunderts versuchen die Spieler, ihre Ländereien zu wohlhabenden und prächtigen Provinzen auszubauen. 

Was macht man?

Rajas of the Ganges, Spielszene

Bild: Huch!

Arbeiter-Figuren auf den Spielplan setzen und zugehörige Aktionen durchführen. Mit Geländeplättchen neben dem Spielplan klug eine eigene Provinz gestalten und dadurch möglichst viel Geld und Ruhm aus errichteten Märkten und Gebäuden ziehen. 

Besondere Features:

Imposante Materialfülle mit Holzfigürchen, Booten, Markern, 48 bunten transparenten Würfeln, einer Unmenge von Plättchen und einem zusammensteckbaren Startspieler-Elefanten (der allerdings dauernd auseinanderfällt).  

Rajas of the Ganges, Box mit Spielmaterial

Auf dem Hauptspielplan werden Arbeiter gesetzt, in den Spieler-Provinzen Plättchen klug verpuzzelt. Bild: Huch!

Geeignet für:

Erfahrenere Spieler, die Worker-Placement mögen und es herausfordernd finden, im Wettstreit mit anderen das Beste aus vielen Möglichkeiten herauszuholen.

Wir haben es für euch gespielt!

Eine bunte Kartonkiste aufgemacht und – wusch – schon befinden wir uns in Indien: Genauer, im 16. Jahrhundert am Ende des Mogulreichs. Mitten durch die Landschaft des grossen Spielplans schlängelt sich der Ganges. Zusätzlich bekommt jeder Spieler aber auch noch ein eigenes kleines Spielbrett: Ein Tableau, auf dem jeder zusätzlich zu allem, was auf dem grossen Spielbrett passiert, mit quadratischen Landschaftsplättchen – ähnlich wie bei «Carcassonne» –  eine möglichst lukrative Provinz zusammenpuzzeln soll. Damit dieses Unterfangen gelingt, bestellt man sich am besten vor Beginn der Partie als Gehirnnahrung noch ein scharfes Curry beim Inder.  

Denn zuerst muss man sich durch 12 Seiten Regeln arbeiten. Alles ist aber gut erklärt und reich bebildert. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels ist mit «Village» vergleichbar, dem «Kennerspiel des Jahres 2012», das vom gleichen extrem vielseitigen Autorenpaar Inka und Markus Brand stammt.

«Rajas of the Ganges» ist ein «Worker Placement»-Spiel. Aber auch Würfel in vier verschiedenen Farben spielen eine grosse Rolle. Immer wenn man welche bekommt, muss man sie werfen  und mit der geworfenen Seite in den Händen einer Kali-Statue lagern. Je nach Farbe und geworfener Zahl ermöglichen die Würfel später unterschiedliche Aktionen. Holzfigürchen setzt man auf Feldern des Spielplans ein, um in der eigenen Provinz Landschaftsplättchen zu bauen, durch den Verkauf von Seide, Tee oder Gewürzen Geld zu erwirtschaften, neue Würfel zu holen, mit einem Schiff für Sonder-Belohnungen auf dem Ganges zu fahren oder sein Karma zu erhöhen, was das Drehen von Würfeln auf bessere Seiten ermöglicht. Viel genauer mag ich hier gar nicht auf alle Vielfältigkeiten, die das Spiel bietet, eingehen.  

Rajas of the Ganges, Kali

Bild: Huch

Wichtig ist, dass man in seiner Provinz sowohl repräsentative Gebäude wie den Taj Mahal oder das Rote Fort als auch Märkte  für Tee-, Gewürze und Seide bauen muss. Denn die Gebäude bringen am Ende Ruhm, die Märkte Geld. Speziell am Spiel ist,  dass um den Spielplan herum zwei gegenläufige Wertungsleisten angebracht sind: Eine Geldleiste und eine Ruhmesleiste. Eine Partie endet, sobald der Ruhmes- und der Geldmarker eines Spielers aufeinandertreffen. 

Was ist «Worker Placement» und was ist «Legacy?» Mehr dazu hier: 

Auch mit scharfem Curry im Hals: Ein Gefühl, in Indien zu sein, stellt sich dann leider nicht ein. Thematisch wirkt das Spiel im Unterschied zu «Village» doch ziemlich konstruiert, man hätte auch Ougadougou oder Appenzell Innerrhoden nehmen können. Am Schluss gibt es aber keine Zähl-Orgie von Siegpunkten, wie es in anderen Worker-Placement-Spielen beliebt ist. Nein, sobald die Marker eines Spielers auf den gegenläufigen Leisten aufeinandertreffen, hat dieser Spieler normalerweise einfach gewonnen, ausser ein anderer Spieler schafft dasselbe auch noch in der gleichen Runde. Bis es soweit ist, dauert es im Gegensatz zur Schachtelangabe, die maximal 75 Minuten behauptet, in Viererbesetzung dann aber doch meistens rund zwei Stunden.

Zunächst geht es recht gemächlich los. Das Spiel beschleunigt sich aber immer mehr, so dass das Ende sehr überraschend und plötzlich kommen kann. Während der Partie muss man höllisch aufpassen, dass einem nicht die Würfel ausgehen. Das Spiel hält viele interessante Entscheidungen bereit, und auch mit geringen Würfelzahlen gibt es doch immer wieder sinnvolle und gute Aktionen auszuführen. Es hat sich aber in unseren Partien leider gezeigt, dass die eine Strategie, gleich zu Beginn auf drei verschiedene, möglichst hohe Märkte zu setzen und dann in jeder Runde die Belohnungen dafür abzugrasen, ziemlich unschlagbar war. Letztlich bleibt das Gefühl zurück, das «Raja of the Ganges» zwar ein paar Partien lang gut unterhält, aber dann doch in der Masse an Neuerscheinungen ein eher durchschnittliches Spiel bleibt.    

Rajas of the Ganges, Cover

Bild: Huch

Ist das Spiel zu zweit spielbar?

Ja und sogar ganz gut. Dann wird man durch die Gegner nicht so stark eingeengt und auch die Spieldauer hält sich im Rahmen. 

Tom Felber ist ...

... der Vorsitzende der internationalen Kritiker-Jury «Spiel des Jahres» und veröffentlicht seit 1985 Spiele-Rezensionen in verschiedenen Medien. Er stellt hier für uns regelmässig neue Brett- und Kartenspiele vor.

Bild

bild: zvg

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