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Erschöpfung, Erleichterung, Freude: Elvis Merzlikins nach dem Sieg gegen den ZSC. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Analyse ist einfach: Die Zürcher scheiterten an Luganos Torhüter 

Nun können wir das Finale auf eine einzige Frage reduzieren: kann Luganos Torhüter Elvis Merzlikins noch einmal so gut spielen wie am Montagabend?

17.04.18, 04:59 17.04.18, 11:25


Noch vor dem Spiel sagt einer der meist bestraften ehemaligen Spieler der Nationalliga erwartungsfroh, Lugano werde «böse» sein. Provozieren. Mit allen Mitteln den Sieg anstreben. Aber Lugano ist nicht «böse» und wird bloss sechs Strafminuten verbüssen. Davon zwei wegen zu vielen Spielern auf dem Eis.

Lugano spielt zwar voller Energie und Leidenschaft. Aber smart und konzentriert. Am Ende wird es ein perfektes Spiel mit sehr tiefer Fehlerquote. Zum ersten Mal in den Playoffs 2018 gelingt den ZSC Lions nicht ein einziges Tor.

Die Zürcher sind nach dem Spiel selbstkritisch. Verteidiger Christian Marti moniert unter anderem fehlende Härte («wir waren zu soft»). Andere sagen, man sei zu passiv gewesen. Die Rede ist von zu vielen Fehlern. Das, was halt nach so einer Niederlage erzählt wird. Dabei war es einfach das typische Verhalten von Spielern, die gewinnen möchten, aber nicht unbedingt müssen.

Raffaele Sannitz traf zum 1:0. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Dazu gehört die Erwartung, dass der Gegner, der sich keine weitere Niederlage leisten kann, mit allen Mitteln «kommen» wird. Daraus ergibt sich der logische Vorsatz, sich ja nicht provozieren zu lassen, ja keine Fehler zu machen, ja diszipliniert zu sein. Musterschüler-Hockey. Das ist es, was die ZSC Lions gespielt haben. Gutes, solides Musterschüler-Hockey.

Lugano hatte die Emotionen und die Leidenschaft unter Kontrolle und brachte genau die richtige Härte ins Spiel.

Lugano ist nicht in die Falle getappt wie so viele Mannschaften, die unbedingt gewinnen müssen. Die sich keine weitere Niederlage leisten können. Lugano hatte die Emotionen und die Leidenschaft unter Kontrolle und brachte genau die richtige Härte ins Spiel. Nicht zu viel, nicht zu wenig und gerade genug, um einen starken Gegner in Schach halten zu können.

Von Niederlagen und Märchen

Wir können auch sagen, dass es einer dieser verhexten Abende war. Bei einer Mannschaft läuft alles schief. Bei der anderen werden Märchen geschrieben.

ZSC-Trainer Hans Kossmann ersetzt auf der Ausländerposition den Kanadier Drew Shore, der beim 5:4 n.V. im Hallenstadion ein Tor und zwei Assists produziert hat, durch Pascal Pelletier – und der ist in Lugano eine offensive Nullnummer. ZSC-Trainer Hans Kossmann lässt seinen jungen Verteidiger Tim Berni (18) ruhen und bringt erstmals in diesem Finale den Veteranen Mathias Seger (40) – und der muss mit einer -2-Bilanz vom Eis.

Er konnte punkten: Alessio Bertaggia. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Bei Lugano werden hingegen Märchen geschrieben. Die Legende Raffaele Sannitz (34), schon 2001 dabei, erzielt das wegweisende 1:0. Alessio Bertaggia, der Bub der Lugano-Legende Sandro Bertaggia, entscheidet die Partie mit dem 2:0. Am Samstag hatte er alleine vor Torhüter Lukas Flüeler noch den Siegestreffer vergeben.

Die Niederlage des ZSC ist mehr den Qualitäten des Gegners als den eigenen Schwächen geschuldet.

Die ZSC Lions waren von den Hockey-Göttern verlassen, die am Samstag noch geholfen hatten. Sie waren viel besser, als sie sich selber nach dem Spiel gesehen haben und als sie von den enttäuschten Kritikern aus dem Züribiet gemacht worden sind. Die Niederlage ist mehr den Qualitäten des Gegners als den eigenen Schwächen geschuldet.

Einer wurde bisher zu wenig gewürdigt

Aber der alles entscheidende Faktor, auf den wir uns eigentlich beschränken können und der eigentlich alles, was der Chronist bis zu dieser Zeile geschrieben hat, unnötig macht, ist ganz banal und ist nach dem Spiel viel zu wenig gewürdigt worden: Die Leistung von Torhüter Elvis Merzlikins (24). Selbst die «Curva Nord», die kreativste, heisseste Fankurve der Hockeywelt, feiert ihn nur einmal ausgiebig. Als er den alleine anstürmenden Ronalds Kenins stoppt.

Star des Abends: Elvis Merzlikins Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Der athletische, flinke, reflexschnelle, emotionale Riese (191 cm/83kg) hat wahrscheinlich den besten wichtigen Match seiner Karriere gespielt. Und das hat dazu geführt, dass spätestens bei Spielmitte allen im Stadion und insgeheim wohl auch den Zürchern klar wird: Heute können wir fünf Stunden spielen und es fällt kein Tor.

Es gibt diese Tage, an denen ein Torhüter einfach alles hält. Und wenn er doch an einen Puck nicht mehr herankommt, dann stehen ihm die Hockeygötter bei. Wie beim Pfostenschuss von Pius Suter beim Stande von 0:0. Aber Trainer Hans Kossmann sagt, dass selbst eine 1:0-Führung wahrscheinlich nicht vorentscheidend gewesen wäre. Am Ende steht es ja 3:0.

Es gibt diese Tage, an denen ein Torhüter einfach alles hält. Und wenn er doch an einen Puck nicht mehr herankommt, dann stehen ihm die Hockeygötter bei.

Nur mit einem «guten» Elvis Merzlikins hätte Lugano dieses Spiel gegen die starken ZSC Lions nicht gewonnen. Es brauchte einen grossen, einen magischen Elvis Merzlikins. Er hielt die Hockeygötter davon ab, zu würfeln.

All die klugen Analysen über dieses dritte Finalspiel, über die smarte, disziplinierte Spielweise Luganos, über die Passivität der Zürcher, über die Energie, die das Publikum auf die Mannschaft übertragen hat und weiss ich noch was alles, wären Makulatur, wenn Elvis Merzlikins nicht auf den Kopf gestanden wäre.

Merzlikins gegen die Zürcher

Er hat 29 Pucks pariert. Die ZSC Lions haben die Partie mit 29:21 Torschüssen dominiert. Gegen diese starken ZSC Lions in einem so wichtigen Spiel alle Pucks zu halten – das ist wahrlich eine grossartige Leistung. Wer es ein bisschen polemisch mag, kann diese Partie, kann alle weiteren Spiele dieser Finalserie auf einen Satz zuspitzen: «Elvis Merzlikins gegen die Zürcher».

Wenn wir also wissen wollen, ob Lugano am Mittwoch im Hallenstadion gewinnen und die Serie zum 2:2 machen kann, dann müssen wir bloss fragen: Kann der lettische Nationalgoalie mit Schweizer Lizenz noch einmal so auf dem Kopf stehen wie am Montagabend? Ist er jetzt so «heiss», dass er diese Finalserie zu entscheiden vermag? Oder wird es im Hallenstadion wieder ein Würfelspiel wie am letzten Samstag beim 5:4 n.V. ?

Das wissen nur die Hockeygötter.

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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17
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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Forsberg 18.04.2018 16:14
    Highlight In Spiel 1 gegen Biel wurde Elvis ja sogar ausgewechselt ... und hat danach in jedem Spiel phantastisch gehalten. Und nebst dem Gezeigten auf dem Feld bewies er auch absolute Grösse als Sportsmann indem er dem jungen Ersatzgoalie von Biel (Paupe) in Spiel 5 zu seiner Leistung gratulierte. OK - er konnte das tun weil beide zum besten Spieler des Games ernannt wurden, aber er hätte es nicht tun müssen! Ich verneige mich vor dieser tollen Geste und er hat für mich dabei sehr viel an Achtung gewonnen! Ob er im Final in jedem Spiel so "dicht" hält? Die Bestätigung ist immer schwieriger!
    1 0 Melden
  • Ah-Jah 17.04.2018 21:31
    Highlight Ich würde mal sagen Zürich hat nicht verloren weil Lugano besser war, sondern weil Zürich schlecht gespielt hat!!! Und den Pfostenschuss von Pius soll man nicht bejammern! Das haben andere Vereinsfans schon zu genüge getan!!
    2 4 Melden
  • Dogbone 17.04.2018 12:45
    Highlight Die Statistik der Torschüsse kannst Du vergessen Chläusu. Die ist nicht sehr aussagekräftig. Der Z war nicht „eigentlich“ besser, weil sie mehr in Richtung gegnerisches Tor gepfeffert haben. Beide Mannschaften haben sehr gut gespielt und auch bei Lugano nicht nur Merzlikins. Das muss einfach gesagt sein.

    Mich freuts, dass die Serie nicht schon ins Lanweilige versunken ist und freue mich auf sieben Spiele!

    Bleibt nur die Frage: was hat Merzlikins nun entschieden und hält er sich daran oder nicht?😜
    12 2 Melden
  • Wilson_Wilson 17.04.2018 10:22
    Highlight Ziemlich lustig manchmal, dieser Zaugg. Er, der selbst mehrfach geschrieben hat, Statistiken seien überbewertet, schreibt nun: «Die ZSC Lions haben die Partie mit 29:21 Torschüssen DOMINIERT.»

    Torschüsse sagen selten bis nie auch nur die halbe Wahrheit. Und wer das Spiel gesehen hat, und gleichzeitig von Dominanz (bei acht Torschüsschen mehr) des ZSC schreibt – ja, kann man so ein Eismeister sein?
    51 2 Melden
  • Devante 17.04.2018 08:56
    Highlight Sag' ich schon lange, Merzlikins ist der Beste Goali der Liga, sehe ihn noch vor Genoni, Flüeler, Hiller etc. mit dem Potential ein ganz grosser zu werden....!
    56 11 Melden
  • Vord Lader 17.04.2018 08:47
    Highlight Als ZSC-Fan muss ich doch auch meinen Hut ziehen vor der Leistung von Elvis. Ab einem gewissen Punkt wurde mir klar das heute kein Puck ins Tor von Elvis fallen wird. Hoffe einfach das er nicht Meister werden will.
    56 5 Melden
  • greeZH 17.04.2018 08:43
    Highlight Die Würfel der Hockeygötter sind gefallen. Und der ZSC ist nicht Meister.
    19 9 Melden
    • greeZH 17.04.2018 09:22
      Highlight Ach die haben noch gar nicht gewürfelt. Entschuldigung ich hatte den Text nicht gelesen.
      26 2 Melden
  • AllknowingP 17.04.2018 06:56
    Highlight Hat der Elvis ächt entschieden Meister zu werden ? ;-)
    209 8 Melden
  • onfire 17.04.2018 06:50
    Highlight Elivs hat entschieden Meister zu werden!
    108 4 Melden
  • Einer Wie Alle 17.04.2018 06:42
    Highlight Vielleicht entschied ja Elvis Meister zu werden?

    Schlussendlich war es nicht nur Merzlikins, sondern auch die eiskalte Effizienz Luganos. Jeder siebte Schuss ein Treffer! Man erinnere sich, dass Lugano im ersten Spiel das Tor ebenfalls nicht gelang.

    Die Serie ist zur Zeit hauptsächlich eines und das ist geil! Es kann auf beide Seiten kippen, beide Mannschaften machen Fehler und grossartiges. In dieser Serie gibt es nur ein Problem, es hätten beide den Titel verdient. Aber es kann nur einen geben!
    144 6 Melden
    • Servette 1989 17.04.2018 11:13
      Highlight Tja Effizient Torchance erspielen Zahlt sich am Schluss aus.
      Das müssen noch ein paar Clubs dieser Liga lernen.
      Vorallem Powerplay haben noch nicht alle im Griff.
      Von 10 Überzahl Spiele gehen meist nur 1 bis 3 Pucks ins Tor.
      Das liegt vieleicht auch am Gegner oder dem Torwart aber auch an Ideenlosigkeit oder Schwachen Abschlüsse oder Fehlpässe die Gefährlich sein könnten.
      Lugano und der ZSC haben gute Goalis und Verteidiger.
      Aber auch im Sturm sind die gut.
      Dafür sind Robert Mayer und Barry Brust die Schlechtesten Goalis der Liga.
      Mayer mit seiner Patzer oder Ausflüge.
      4 6 Melden
  • Ville_16 17.04.2018 06:22
    Highlight Elvis ist on fire!
    45 2 Melden
  • morax 17.04.2018 06:04
    Highlight Merzlikins hat beschlossen, Meister zu werden.
    56 4 Melden
    • Amboss 17.04.2018 07:50
      Highlight Da ich für den ZSC bin, hoffe ich dies natürlich :)
      27 3 Melden
    • Amboss 17.04.2018 09:18
      Highlight Wobei....
      Merzlikins ist nicht Genoni.
      Vielleicht hält Merzlikins seine Beschlüsse ja ein...

      27 3 Melden
  • Platonismo 17.04.2018 06:04
    Highlight Die Frage ist also: Will Elvis Merzlikins Meister werden?
    65 2 Melden

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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