Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05036471 Switzerland's Roger Federer (R) is congratulated by his compatriot Stanislas Wawrinka (L) after winning their semi final match of the ATP World Tour Finals tennis tournament in London, Britain, 21 November 2015.  EPA/WILL OLIVER

Federer und Wawrinka – zwei Schweizer, die sich auf höchstem Niveau duellieren.
Bild: WILL OLIVER/EPA/KEYSTONE

Roger Federer und Stan Wawrinka – die historischen Dimensionen eines Sport-Wunders

Roger Federer und Stan Wawrinka im Halbfinale des Masters. Zwei Schweizer, die sich in einem Weltsport auf höchstem Niveau duellieren. Das hat es seit mehr als einem halben Jahrhundert, seit den Zeiten von Ferdy Kübler und Hugo Koblet, nicht mehr gegeben.



Zwei Schweizer als Titanen eines Weltsportes. Das haben wir bis heute erst einmal erlebt. In den frühen 1950er Jahren. Im Radrennsport. Hugo Koblet gegen Ferdy Kübler. Die Parallelen zu Roger Federer und Stan Wawrinka sind erstaunlich.

ARCHIVE --- DER RADRENNFAHRER HUGO KOBLET STARB VOR 50 JAHREN, AM 6, NOVEMBER 1964, NACH EINEM AUTOUNFALL. ZU HUGO KOBLET STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFÜGUNG --- Swiss bicycle racers Hugo Koblet (left) und Ferdy Kuebler (right) control their spare wheels during the Six-day racing at the Hallenstadion in Zurich, Switzerland, pictured in March 1956. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str)

Die Schweizer Radrennfahrer Hugo Koblet (links) und Ferdy Kuebler (rechts) pruefen im Maerz 1956 am Sechs-Tagerennen im Hallenstadion in Zuerich ihre Ersatzraeder. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str) === ONE TIME USE ONLY, NO SALES, NO ARCHIVES, BW ONLY ===

Koblet und Kübler pflegten früher eine erbitterte Rivalität.    
Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Hugo Koblet gewinnt 1950 als erster Ausländer den Giro. Ferdy Kübler als erster Schweizer die Tour de France. 1951 triumphiert Hugo Koblet in der Tour de France und Ferdy Kübler wird Strassen-Weltmeister. Der Radrennsport ist in diesen Jahren populär wie nie zuvor. Während der Tour de France steht die Sportwelt still. Die grossen Zeitungen engagieren für die Tour Schriftsteller. Um den Lesern das grandiose Geschehen in würdigen Worten zu schildern. Das wird heute nicht einmal mehr zu Ehren von Roger Federer und Stan Wawrinka gemacht.

Der «Roger Federer des Radsportes»

Im Vergleich zur globalen Ausstrahlung der Erfolge von Ferdy Kübler und Hugo Koblet und von Roger Federer und Stan Wawrinka verblassen selbst die Rivalitäten zwischen Bernhard Russi und Roland Collombin, Tom Lüthi und Dominique Aegerter oder die kurze Zeit gemeinsamer Auftritte von Jo Siffert und Clay Regazzoni in der Formel 1 zu Episoden der Sport-Weltgeschichte.

Swisshistory ARCHIVE --- DER RADRENNFAHRER HUGO KOBLET STARB VOR 50 JAHREN, AM 6, NOVEMBER 1964, NACH EINEM AUTOUNFALL. ZU HUGO KOBLET STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFÜGUNG ---  Der Schweizer Radrennfahrer Hugo Koblet wird am 17. August 1947 auf der 2. Etappe der 11. Tour de Suisse von Davos nach Bellinzona auf einer Strasse bei Zillis-Reischen im Kanton Graubuenden von drei Jungen angefeuert. (KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV/Str) === ONE TIME USE ONLY, NO SALES, NO ARCHIVES, BW ONLY ===

Koblet gewann 1951 die Tour de France.
Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Hugo Koblet ist für eine kurze Zeit der «Roger Federer des Radsportes.» Der grosse französische Sportjournalist Gaston Bénac schreibt nach Koblets Sieg bei der Tour de France unter anderem: «Der Mann dominiert über seine Rivalen durch seine Klasse und seine Intelligenz. Sein Stil ist von erhabener Reinheit. Er gibt nie das Letzte und selbst in vollem Kampf scheint er nicht zu leiden. Man tendiert dahin, ihn als einen der grössten aller Zeiten zu bezeichnen. Ich rufe meine Erinnerungen wach und finde keinen, der mit einer so selbstverständlichen Leichtigkeit, mit einem derart wundervoll weichen Tritt und einer derartigen Realisationskraft die Tour gewann. Koblet ist zweifelsohne ohne Beispiel.»

Mit diesen Worten liesse sich auch Roger Federer würdigen. Die Franzosen verehren Hugo Koblet als «Pédaleur de charme». Sein Sieg in der Tour von 1951 mit exakt 22 Minuten Vorsprung auf Raphael Geminiani ist einer der grössten Schweizer Sporterfolge aller Zeiten. Hugo Koblet lässt alle Titanen seiner Zeit hinter sich. Gino Bartali, Fiorenzo Magni, Fausto Coppi, Louison Bobet, Raphael Geminiani. So viel globale Strahlkraft wie dieser Triumph werden mehr als 50 Jahre später erst wieder Roger Federers Siege haben.

Mehr Kämpfer als Stilist

Ferdy Kübler spielt eher die Rolle von Stan Wawrinka. Er ist mehr Kämpfer als Stilist. Er fasziniert das Publikum nicht durch Eleganz. Sondern durch einen schier unglaublichen Willen und seine Härte gegen sich selbst. Die Franzosen bewundern ihn als «Le fou pédalant.» Seinen ersten ganz grossen Triumph (Australien Open 2014) feiert Wawrinka auch, weil sein Finalgegner Rafael Nadal nicht mehr fit ist. Bei seinem ersten ganz grossen Triumph (Tour-Sieg 1950) profitiert Ferdy Kübler davon, dass die italienischen Titanen nach einem Zwischenfall heimkehren. Kübler erbte das gelbe Trikot von Fiorenzo Magni.

ARCHIVE --- DER EHEMALIGE RADRENNFAHRER FERDY KUEBLER WIRD AM 24. JULI 2014 95 JAHRE ALT. ZUM GEBURTSTAG DES FRUEHEREN WELTMEISTERS, TOUR DE FRANCE- UND MEHRMALIGEN TOUR DE SUISSE-SIEGERS STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Swiss bicycle racer Ferdinand

Mehr Kämpfer als Stilist: Kübler faszinierte das Publikum nicht mit Eleganz. 
Bild: PHOTOPRESS-ARCHIV

Die goldenen Jahre des Schweizer Radsportes dauern bei weitem nicht so lange wie die goldenen Jahre des Schweizer Tennis. Es sind im Grunde nur fünf Jahre. Von 1949 bis 1954. Ferdy Kübler tritt 1957 zurück, Hugo Koblet beendet seine Laufbahn 1958. Beide können nach 1954 nicht mehr an ihre grossen Triumphe anknüpfen. Bis wieder ein Schweizer in der Tour de France um den Sieg pedalen wird, dauert es mehr als 40 Jahre (Alex Zülle kommt 1995 auf Platz 2).

Eine offene Feindschaft

Anders als zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka ist die Rivalität zwischen Ferdy Kübler und Hugo Koblet eine erbitterte. Ja, sie spaltet die Schweiz. Es gibt kaum Kübler- und Koblet-Anhänger. Es gibt nur Kübler- oder Koblet-Anhänger. Man ist entweder im einen oder im anderen Lager. Und zwischen den beiden Lagern besteht mehr als nur eine sportliche Rivalität. Es herrscht teilweise sogar offene Feindschaft.

Ferdy Kübler und Hugo Koblet vergessen zwar im Wettkampf die Fairness nie, sie machen aber auch kein Geheimnis daraus, dass sie sich nicht mögen. Die Reporterlegende Sepp Renggli schildert einmal die wohl dramatischste Szene dieser Rivalität: «Ich erinnere mich einer Episode anlässlich einer Tour-de-Suisse-Passage am Gotthard. Koblet wich nicht von Küblers Rad und Kübler wich nicht von Koblets Rad. Es war mörderisch heiss und Ferdy schrie nach Flüssigkeit. Da pedalte Koblet an Küblers Seite, zeigte ihm seinen vollen Bidon Tee, sagte zu Ferdy «Ich habe überhaupt keinen Durst» und leerte vor Küblers Augen den Bidoninhalt auf die Strasse. Das war der kalte Krieg Koblet – Kübler, den beide mitunter bis zum Exzess aufführten». Man stelle sich vor, welches Tosen, Sausen und Brausen durch alle Kanäle der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts ginge, wenn es zwischen Roger Federer und Stan Wawrinka eine ähnlich intensive Rivalität gäbe.

Aber unversöhnlich waren die beiden «Velo-Titanen» nicht. So wie sich Roger Federer und Stan Wawrinka ab und zu verbünden (Olympisches Doppel, Davis Cup), so waren auch Hugo Koblet und Ferdy Kübler hin und wieder bei Paarzeitfahren und beim Zürcher Sechstagerennen ein Team.

LONDON, ENGLAND - NOVEMBER 21:  Roger Federer of Switzerland shakes hands with Stanislas Wawrinka of Switzerland after his victory in their men's semi final on day seven of the Barclays ATP World Tour Finals at the O2 Arena on November 21, 2015 in London, England.  (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Wawrinka und Federer haben eine freundschaftliche Rivalität. 
Bild: Getty Images Europe

Roger Federer ist im Werbebusiness, in der Vermarktung seiner Erfolge, zweifelsfrei erfolgreicher als Stan Wawrinka. Ja, er ist der bestverdienende Schweizer Sportler aller Zeiten. Bei den beiden «K» war es umgekehrt: Ferdy Kübler war der bessere Geschäftsmann als der charismatischere Koblet.

Inzwischen nehmen wir die grandiosen Leistungen von Roger Federer und Stan Wawrinka fast als Selbstverständlichkeit und vergessen beinahe, dass wir Zeitzeugen einer der glanzvollsten Epochen des Schweizer Sportes sind. Vielleicht müssen wir mehr als ein halbes Jahrhundert auf das nächste sportliche Wunder mit diesen Dimensionen, auf zwei Schweizer Titanen in einem Weltsport warten. So lange wie wir seit den Zeiten der beiden «K» auf Roger Federer und Stan Wawrinka warten mussten.

Federer vs. Wawrinka – die bisherigen Duelle

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

«Diese Ekstase macht süchtig» – Federer holt den neunten Titel in Basel

Roger Federer (ATP 3) ist nicht ganz Hundert. An den Swiss Indoors in Basel feierte er seinen 99. Turniersieg, den 9. in Basel und den 4. hintereinander. Den Final gegen Marius Copil (ATP 93) gewann Federer nach Rückstand in beiden Sätzen in 94 Minuten 7:6 (7:5), 6:4.

Die Siegerehrung zog sich in die Länge. Roger Federer dankte allen - in englisch, französisch und schweizerdeutsch. Er verdrückte am Ende Freudentränen und meinte, er sei der glücklichste Mensch der Welt. Federer war bewegt und bewegte die Massen. «Es ist immer sehr emotional hier», so Federer.

In seiner Dankesrede blieb Federer bei den Offiziellen hängen. Bei jenen Leuten, die hinter den Kulissen arbeiten - wie beispielsweise den Verantwortlichen fürs «Hawkeye» - das «Adlerauge», das die …

Artikel lesen
Link to Article