Unvergessen
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ZSC-Goalie Rolf Simmen (r.), einer der Helden von 1992. Bild: KEYSTONE

Krutow erzielt im Viertelfinal gegen das «Grande Lugano» seinen legendären Penalty

17. März 1992: Der ZSC schafft eine der grössten Schweizer Play-off-Sensationen und eliminiert im Viertelfinal den haushohen Favoriten Lugano. Für immer in Erinnerung bleiben wird der Penalty der Legende Wladimir Krutow.

17.03.18, 08:37 17.03.18, 10:53
Donat Roduner
Donat Roduner

Wie vergangenes Jahr kommt es 1992 zum Play-off-Viertelfinal zwischen Lugano und dem ZSC. Die Gemeinsamkeiten sind aber gering. Nicht einmal die Namen sind die gleichen, denn der Zürcher SC trägt noch nicht den Zusatz «Lions».

Lugano ist schon Lugano, sogar das richtige «Grande Lugano» unter dem genialen Bandengeneral John Slettvoll. Vier Meistertitel und sechs Finalteilnahmen in den vergangenen sechs Jahren lautet die beeindruckende Bilanz der Tessiner, die als Qualifikationszweite klare Favoriten sind gegen die Zürcher, die erst drei Jahre zuvor wieder in die NLA aufgestiegen sind.

Das Trainerduell

John Slettvoll gegen ... Bild: KEYSTONE

... Arno Del Curto. Bild: KEYSTONE

Der «Zett» gilt als junges, wildes Team mit einem ebensolchen Trainer: An der Bande bestreitet ein gewisser Arno Del Curto, ein bis dahin weitestgehend unbekannter und erst 35-jähriger Engadiner, seine erste NLA-Saison.

Der Auftritt der Legende

Die Vorzeichen sind klar, erst recht weil der ZSC nur eine Woche vor Play-off-Start den Luganesi mit 3:11 unterliegt. Doch als es ernst gilt, überraschen die Zürcher und gewinnen die ersten beiden Spiele, stehen also – da noch Best of 5 gespielt wird – vor der grossen Sensation. Del Curto mahnt und sieht sich bestätigt, als Lugano mit einem glatten 10:0 im zweiten Heimspiel zurückschlägt.

Es kommt also zum legendären vierten Spiel. Lugano arbeitet mit Nachdruck an der Wende und führt zu Beginn des zweiten Drittels 3:1. Aussenseiter ZSC sieht die Felle davonschwimmen, insbesondere, da er nur mit vier Verteidigern und acht Stürmern agiert. Angestachelt vom frenetischen Anhang im komplett verrauchten Hallenstadion finden die Platzherren zurück in die Partie, nach dem Tor von Marcel Wick, dem Vater des heutigen ZSC-Stürmers Roman Wick, schiesst Captain Jiri Faic drei Minuten vor Schluss das 3:3.

Das Telegramm

Zürcher SC – Lugano 3:3 n. V. (1:2, 1:1, 1:0)
Hallenstadion. - 11'500 Zuschauer (ausverkauft). - SR: Moreno (Pfister/Völker).
Tore: 8. Meier (Ausschluss Fritsche) 1:0. 15. Fritsche (Ausschluss Krutow) 1:1. 19. Thibaudeau (Ausschluss Prijachin) 1:2. 22. Eberle (Ausschluss Aeschlimann) 1:3. 33. Wick (Ausschlüsse Weber, Faic, Walder, Ton) 2:3. 57. Faic 3:3.
Zürcher SC: Simmen; Rauch, Zehnder; Faic, Wick; Schenkel, Weber, Hotz; Prijachin, Meier, Krutow; Vollmer, Nuspliger.
Lugano: Wahl; Bertaggia, Sutter; Honegger, Kogger; Massy, Domeniconi; Fritsche, Turcotte, Thibaudeau; Walder, Lüthi, J.-J. Aeschlimann; Eberle, Rötheli, Ton; Morger.
Bemerkungen: ZSC ohne Cadisch, Guyaz und Hager, Lugano ohne Eggimann (alle verletzt). 76. Pfostenschus Krutows. (nzz)

Die Verlängerung wird nötig, dann das Penaltyschiessen. Die Spannung in der Halle ist greifbar, doch die Spieler des Zürcher Schlittschuhklubs scheint das nicht zu beeinflussen. «Dass wir in der Overtime oder im Penaltyschiessen gewinnen würden, war mir klar», wird Center Christian Weber tags darauf in der NZZ zitiert.

Etwas überaltert, etwas übergewichtig: Wladimir Krutow (l.) wird am Flughafen Kloten von ZSC-Präsident Pepe Wiss empfangen. Bild: KEYSTONE

Adrian Hotz und Sergej Prijachin treffen im Shootout für den ZSC, ehe Wladimir Krutow anläuft. Die alternde Hockey-Legende ist fünfmaliger Weltmeister und zweimaliger Olympia-Gold-Gewinner mit der Sowjetunion und Teil des KLM-Sturms mit Igor Larionow und Sergej Makarow, der bis heute von vielen als beste Linie aller Zeiten angesehen wird.

Und so sah das dann aus, als dieser Krutow zum Penalty anlief:

Video: streamable

Als direkt danach Alfie Turcotte für die Tessiner am glänzenden Torhüter Rolf Simmen scheitert, brechen im Hallenstadion alle Dämme. «Was nach dem vierten Spiel in der Halle los war, werde ich wohl niemals vergessen!», sagt Arno Del Curto gegenüber dem «Blick». Und der legendäre ZSC-Kommentator Walter Scheibli meint noch 20 Jahre später: «Die Stimmung im Stadion war nie mehr so gut.»

Der Triumph des Zürcher SC über Lugano geht als «Eishockeywunder» (NZZ) in die Geschichte ein. Er ist unvergessen, aber nicht wirklich nachhaltig. Im Halbfinal scheitert der «Zett» mit 0:3 am nachmaligen Meister, dem SC Bern.

Wer Lust auf früheres NLA-Eishockey hat: Hier das zweite Halbfinalspiel zwischen dem ZSC und dem SCB (im Schluefweg) in voller Länge. Video: YouTube/Cantona31

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Brucho 17.03.2018 16:19
    Highlight Herzlichen Dank für diese schöne Erinnerung, wow das war ein Erlebnis welches ich nie vergesse.
    Vieles hat sich geändert nur nervös bin ich vor dem Match noch genau so wie damals. Hockey ist einfach geil und alle Hockeyfans sind cool - auch die nicht Z-Fans -vor und nach dem Match :-)
    21 0 Melden
  • 1779prost 17.03.2018 14:53
    Highlight War ja auch ein Teil der Legendären KLM-Linie!(Krutow,Larionow,Makarow)
    10 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 17.03.2018 11:38
    Highlight Danke für die Erinnerung. Ich war damals dabei und die Liebe zum ZSC wurde definitiv und für immer im Herzen eingebrannt. Emotional höchstens vergleichbar mit dem Meistertitel 2000 (leider bereits mit dem Zusatz „Lions“ im Namen)
    Der Dreck, der Rauch und der Lärm in der Halle waren damals einfach normal. Vier erfolgreiche Pässe am Stück wurden bejubelt. Um so grösser der Kulturschock, wenn man sich heute ein Spiel des Z in der sterilen und polierten Event-Halle anschaut.
    36 1 Melden
    • fabsli 17.03.2018 15:22
      Highlight Als Spieler kannst du aber froh sein in einer rauchfreien Halle spielen zu dürfen.
      14 5 Melden
  • TGG83 17.03.2018 10:59
    Highlight Legendär✌🏼
    14 1 Melden
  • Tikkanen 17.03.2018 10:24
    Highlight ...wahrhaft geile Zeiten beim alten Z🤔Rauchgeschwängerte Halle, kernige Spieler wie Zesi, Schillerfalter wie Zeiti oder Hotz, tolle, leicht verruchte Stimmung auf der Stehrampe👍🏻Kein Vergleich zu den Lions, phlegmatische Millionäre auf dem Bitz, Hipster auf den Rängen🤢

    Item, noch 9 bis🐻🏆🍻


    18 12 Melden

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