Unvergessen

1992 übernimmt Jean-Paul Brigger beim FC Sion. Ein Jahr zuvor war er als Aktiver noch Schweizer Fussballer des Jahres. Bild: keystone

Sion will in die neue Champions League – eine fatale Halbzeit lässt alle Träume platzen

4. November 1992: Zwei Wochen nach dem 2:2-Remis zuhause muss der FC Sion in der CL-Quali erneut gegen Porto ran. Die Walliser brauchen einen Sieg oder ein Remis mit mindestens drei Toren, um den portugiesischen Favoriten auszuschalten. Eine Halbzeit lang sieht's gut aus, dann gibt's doch eine Klatsche.

04.11.17, 00:05

Als Schweizer Meister darf der FC Sion im Herbst 1992 den Versuch starten, sich für die neu gegründete Champions League zu qualifizieren. Erstmals wird in dieser Saison statt dem ursprünglichen Cup der Landesmeister ein Wettbewerb mit einer Gruppenphase durchgeführt. Die Rekordanzahl von 36 Vereinen – damals noch alles Meister (!) – nimmt beim wichtigsten europäischen Klubwettbewerb teil. 

Sion wird 1992 zum ersten Mal Schweizer Meister. Bild: KEYSTONE

Um in die Gruppenphase zu kommen, muss der Schweizer Vertreter zuerst zwei K.o.-Runden überstehen. In der ersten Runde wird mit dem ukrainischen Vertreter Tawrija Simferopol mit dem Gesamtskore von 7:2 kurzen Prozess gemacht.

Im Hinspiel ein Remis ...

Danach wartet mit dem renommierten FC Porto ein wesentlich grösserer Brocken auf die Walliser. Am 21. Oktober trifft das Team von Trainer Jean-Paul Brigger im Tourbillion auf den Favoriten. Nach einer torlosen ersten Halbzeit bezwingen die Sittener David Orlando (54.) und Roberto Assis (59.) Porto-Goalie Vitor Baia gleich zweimal innert fünf Minuten und gehen 2:0 in Führung. 

Doch den Gästen gelingt kurz vor Spielende ein noch schnellerer Doppelschlag: Jose Semedo (78.) und Fernando Couto (81.) markieren für den FC Porto den verdienten 2:2-Ausgleich. 

Zwei Wochen nach dem Remis müssen die Walliser im Rückspiel erneut gegen Porto ran. Am 4. November sind im Antas-Stadion 40'000 Zuschauer anwesend, was für den portugiesischen Grossklub eher ein spärlicher Aufmarsch ist. Die Fans des FC Porto warten vielmehr auf die Begegnung vom kommenden Sonntag, wenn der Erzrivale Benfica Lissabon zu Besuch sein wird.   

Das Estadio dos Antas wurde 2004 abgerissen, es fasste 51'211 Zuschauer. bild: tumblr

Sion braucht also im Rückspiel einen Sieg oder ein Remis mit mindestens drei Toren, um den Favoriten auszuschalten. Eine Halbzeit lang hält der FC Sion zumindest resultatmässig gut mit und geht mit einem 0:0 in die Pause. 

Das Telegramm:

FC Porto – FC Sion 4:0 (0:0)
Estadio das Antas. - 35'000 Zuschauer. SR: Hill (England).
Tore: 50. Costa 1:0. 63. Kostadinov 2:0. 85. Paciencia 3:0. 87. Magalhaes 4:0
Porto: Baia: Pinto, Bandeirinha, Costa, Aloisio; Magalhaes, Carlos, Semedo (76. Couto), Filipe; Paciencia, Kostadinov (73. André).
Sion: Lehmann; Quentin (73. Biaggi), Sauthier, Herr, Geiger, Hottiger; Piffaretti, Gertschen (62. Tulio), Orlando; Assis, Carlos.

... im Rückspiel eine Klatsche

In der zweiten Halbzeit brechen bei den Wallisern jedoch alle Dämme, als die Portugiesen den ersten Treffer durch Jorge Costa (54.) markieren können. Domingos (55.), Kostadinov (63.) und Magalhaes (87.) stellen den verdienten 4:0-Erfolg sicher. Die NZZ schreibt nach dem Spiel im Matchbericht vernichtend: «Ein Torhüter, dessen Autorität kaum für den Fünfmeterraum reicht; ein Libero, der die Mittellinie nur auf dem Weg in die Kabine überquert, Mittelfeldspieler ohne Selbstvertrauen, Stürmer ohne Eigendynamik ...» 

Die Tore des Rückspiels. Video: YouTube/sp1873

Einzig Roberto Assis, der ältere Bruder von Ronaldinho, genügt dem internationalen Niveau. Als Alleinunterhalter in der Sittener Offensive kann der Brasilianer die klare Niederlage aber nicht verhindern. Der FC Porto, der nie an seine Leistungsgrenze gehen muss, ist die erwartet zu hohe Hürde für den Schweizer Meister.

Roberto Assis: Einer der besten Techniker, die je auf Schweizer Boden Fussball gespielt haben. Bild: KEYSTONE

Mit dem Out verpassen es die Walliser, in der Gruppenphase gegen die grosse AC Milan spielen zu können. Der spätere Finalist darf sich zu dieser Zeit mit namhaften Spielern wie Franco Baresi , Paolo Maldini, Frank Rijkaard oder Marco van Basten schmücken.

Immerhin ein Trostpflaster gibt es für Sion-Spieler Tulio, der gegen Porto insgesamt 117 Minuten auf dem Platz steht. Der Stürmer belegt am Schluss in der Torschützenliste mit 4 Treffern den 6. Platz. Die hat der Brasilianer jedoch nicht gegen Porto geschossen, sondern in der Runde zuvor gegen Tawrija Simferopol.

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 
Um nichts zu verpassen, like uns auch auf Facebook!

Die grössten Schweizer Europacup-Erfolge im Fussball

Fussball-Quiz

Wer war alles dabei? Bei diesen legendären WM-Aufstellungen kannst du dich beweisen 

Du wirst dich fühlen wie ein Clown – Teil 2 des Trikot-Quiz wird schwierig

Dieses knifflige Rätsel löste mein Chef in 4:14 Minuten – bitte, bitte, sei schneller!

Dieses logische Rätsel hat noch niemand unter 10 Minuten geschafft. Bist du der erste?

Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil des Logos siehst?

Wenn du diese Trikot-Klassiker nicht kennst, musst du oben ohne spielen

Fussball-Stadien, wie sie früher ausgesehen haben. Na, erkennst du sie auch alle?

Italienischer Fussballer oder Pastasorte? Hier kannst du deine Bissfestigkeit beweisen 

Huch, da fehlt doch was! Kennst du das Logo deines Lieblingsklubs ganz genau? Wir sind skeptisch ...

Es sind nicht alle Zitate von Zlatan: Aber zu wem gehören die herrlich arroganten Fussballer-Sprüche dann?

Volume II: Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

In der Disco, im Kino oder beim Fluchen – finde heraus, welcher Fussball-Star du am ehesten bist

Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Ausschnitt seines Logos siehst?

Vom Selfie bis zum Kokser-Fake – erkennst du die Fussball-Stars anhand ihres Jubels?

Achtung knifflig! Natürlich weisst du, wo Diego Benaglio, Mats Hummels oder Gerard Piqué spielen. Aber weisst du auch, bei welchem Verein sie vorher waren?

0, 1+8, 23, 52, 618 – weisst du, wieso Fussballer teilweise so schräge Rückennummern tragen?

Volume III: Erkennst du den Fussballklub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

Dass dieser Bub Wayne Rooney ist, hast du bestimmt erkannt. Aber wie sieht es mit anderen Fussballstars aus?

Achtung, noch kniffliger! Für welchen Klub haben diese 23 Fussballer denn früher gespielt?

Wenn du von einem Fussballer nur den Lebenslauf siehst: Weisst du, wen wir suchen?

11 Fragen bis zum Henkelpott: Hast du die Königsklasse, um dir den Champions-League-Titel zu holen? Aber Achtung, es ist wirklich knifflig

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die Schweiz ist Fussball-Weltmeister! Die U17-Nati setzt ihrem Höhenflug die Krone auf

15. November 2009: Die Schweiz, Fussball-Weltmeister? Das ist bis zu diesem Tag maximal ein Bubentraum. Doch er wird Wirklichkeit. In Nigeria werden die Schweizer U17-Fussballer die besten der Welt.

Es ist ein Abend für die Geschichtsbücher des Schweizer Sports. Bis zu 1,32 Millionen Zuschauer sind vor dem Fernseher live mit dabei, als die U17-Nati in Nigeria gegen den Gastgeber den WM-Final bestreitet. Es ist der Höhepunkt eines Turniers, das von A bis Z fantastisch verläuft.

Die Schweiz startet am 24. Oktober mit einem 2:0-Sieg gegen Mexiko. Mittelfeldspieler Pajtim Kasami haut einen Freistoss zum 1:0 ins Tor, den zweiten Treffer faustet sich der mexikanische Goalie nach einem Freistoss …

Artikel lesen