Unvergessen

Amerikanisches Traumpaar: Marilyn Monroe und Joe DiMaggio. Bild: Uncredited/AP/KEYSTONE

Eine US-Ikone erklärt ihren Rücktritt – «Where have you gone, Joe DiMaggio?»

11. Dezember 1951: Ausnahme-Baseballer Joe DiMaggio gibt seinen Abschied vom Sport bekannt. Keine drei Jahre später heiratet er Marilyn Monroe. Sehnsüchtig trauern Amerikaner noch heute einem ihrer grössten Idole nach.

11.12.17, 00:01 11.12.17, 19:16

Die Song-Zeile stammt von 1968. Doch sie hat auch heute noch ihre Gültigkeit. In ihrem Hit «Mrs. Robinson» erinnern Simon & Garfunkel an vergangene Zeiten: «Where have you gone, Joe DiMaggio? A nation turns its lonely eyes to you», singt das Duo. «Wo bist du nur hin, Joe DiMaggio? Eine Nation wendet dir ihre einsamen Augen zu.» Sie tut es immer noch.

«Mrs. Robinson», Nummer-1-Hit im Juni 1968. Video: YouTube/SimonGarfunkelVEVO

Sagenhaft erfolgreich und noch heute in den Rekordbüchern

Zum Zeitpunkt, als der Song in die Charts kommt, ist Joe DiMaggio schon bald zwei Jahrzehnte kein Baseball-Spieler mehr. In den Schlagzeilen war er nach seinem Rücktritt dennoch: Als Ehemann von Marilyn Monroe, dem blonden Sex-Symbol der Nachkriegszeit.

In seinem Sport hatte DiMaggio alles erreicht. Seine gesamte Karriere absolvierte er, der als Sohn eines eingewanderten Fischers in San Francisco aufwuchs, für die New York Yankees. Als Centerfielder absolvierte er 13 Saisons, in jeder wurde er ins All-Star-Team berufen und er gewann mit den Yankees sagenhafte neun Mal die World Series. DiMaggio gelang in 56 Spielen in Folge ein Hit – ein Rekord, der noch heute Bestand hat.

DiMaggio rutscht in den World Series 1939 zur Base – er holt im Final einen von neun Meistertiteln. Bild: AP

Kein Abschluss, aber Geld wie Heu

DiMaggio war der Überflieger seiner Zeit. Als erster Profisportler kassierte der «Yankee Clipper», der keinen Schulabschluss besass, mehr als 100'000 Dollar im Jahr. Aber Anfang der 1950er-Jahre hatte er immer öfter mit Verletzungen zu kämpfen, konnte kaum mehr schmerzfrei gehen. So zieht er 37-jährig am 11. Dezember 1951 einen Schlussstrich unter seine Karriere.

Damit endet Teil eins der Biographie – und ein neues, spannendes Kapitel beginnt. Im Jahr nach seinem Rücktritt lernt der aus einfachen Verhältnissen aufgestiegene Giuseppe Paolo DiMaggio die Schauspielerin Marilyn Monroe kennen. Er ist weiss Gott nicht der einzige, der sich in die sexy Blondine verliebte – doch seine Liebe wurde erwidert.

Genossen den Lifestyle der Reichen und Schönen: Marilyn Monroe und Joe DiMaggio in Florida. Bild: AP NY

Drei Mal wöchentlich rote Rosen an Monroes Grab

1954 heiratete das Paar. Das Glück schien perfekt zu sein, doch die Ehe hielt nur kurz. Nach 274 turbulenten Tagen reichte Monroe die Scheidung ein. Man sagt, dass DiMaggio es nur schwer ertragen konnte, dass seine grossen Tage vorbei waren, seine Gattin jedoch in der Blüte ihrer Karriere stand und ein Weltstar war.

DiMaggio konnte seine grosse Liebe dennoch nie vergessen. Als Monroe 1961 in eine Nervenklinik eingewiesen wurde, kümmerte er sich um sie. Und er arrangierte nach ihrem Tod 1962 die Beerdigung und er liess ihr während 20 Jahren drei Mal wöchentlich rote Rosen ans Grab liefern.

Bevor man dem Schatz mit WhatsApp Herzchen schickte: Ein Liebesbrief von DiMaggio an Monroe, der im November 2014 versteigert wurde. Bild: Jae C. Hong/AP/KEYSTONE

Hommage von Nobelpreisträger Hemingway

Auch mit Popstar Paul Simon, der über ihn sang, er sei verschwunden, versöhnte sich Joe DiMaggio. Einige Jahre nach der Veröffentlichung des Lieds trafen sich die beiden zufällig in einem Restaurant, wobei der einstige Baseball-Star dem Sänger zu verstehen gab, dass er mitnichten verschwunden sei. Simon erklärte ihm, wie er seine Songzeile gemeint habe: Für Simon gab es immer weniger Heldenfiguren wie DiMaggio und er wollte mit seinem Song diese Leere nach seinem Rücktritt beschreiben. DiMaggio verstand und akzeptierte es.

Auch Madonna, Billy Joel, Tom Waits und John Fogerty sangen über John DiMaggio. Schriftsteller Ernest Hemingway baute ihn in seinen Roman «Der alte Mann und das Meer» ein, einen Klassiker der Weltliteratur. Hemingway erhielt auch wegen dieses Buchs den Literaturnobelpreis.

Als die Bilder laufen lernten: Kurz-Doku über die Karriere von Joe DiMaggio. Video: YouTube/WatchMojo.com

Die Nummer 21 ist die Nummer 1

1999 starb Joe DiMaggio an Lungenkrebs. Bei den New York Yankees wurde sein Trikot mit der Rückennummer 5 nach dem Rücktritt nie mehr vergeben.

Für den US-Sender ESPN gibt es in der Geschichte des Baseballs zwanzig Spieler, die besser gewesen sind. Doch nur von einem wollen die Amerikaner sehnsüchtig wissen, wohin er verschwunden ist: «Where have you gone, Joe DiMaggio?»

Der Handschuh von Joe DiMaggio – US-Präsident Barack Obama wusste beim Besuch der Hall of Fame des Baseballs im Mai, womit er sich ablichten lassen wollte. Bild: Susan Walsh/AP/KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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