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Hermann Maier hoch in der Luft: Ein Sportbild für die Ewigkeit.
Bild: Getty/carl yarbrough

13.02.1998: Trotz seinem Jahrhundert-Sturz wird Hermann Maier noch Doppel-Olympiasieger

13. Februar 1998: Selten trifft die Redenswendung vom Phoenix, der aus der Asche steigt, besser zu als bei Hermann Maier. Im japanischen Nagano legt er in der Abfahrt einen Aufsehen erregenden Sturz hin – und holt trotzdem noch zwei Mal Gold.

13.02.16, 00:01
«Nach so einem Sturz habe ich mir gedacht: Wenn ich jetzt noch Gold gewinne, dann bin ich unsterblich.»

Hermann Maier

Hermann Maier ist im Winter 1997/98 der überragende Skifahrer. Als Sieger der Abfahrten in Bormio und am Lauberhorn und mit drei weiteren Podestplätzen in der Königsdisziplin tritt er als Topfavorit zur Olympia-Abfahrt an. Doch anstatt dass der Österreicher zum ersten Mal Olympiasieger wird, sichert er sich den Eintrag in die Geschichtsbücher mit einem Jahrhundert-Sturz.

«Ich wollte das Rennen unter allen Umständen gewinnen», erinnert sich Maier an die Abfahrt von Nagano. «Ich war so gierig danach, vor allem weil ich die ganze Saison schon dominiert habe. Olympische Spiele sind für einen Sportler das Grösste.»

Der 25-Jährige startet topmotiviert. Wie immer riskiert Maier Kopf und Kragen: «Ich habe irrsinnig beschleunigt und mir gedacht, dass ich noch enger fahren möchte als im Training.» Doch nach rund 18 Fahrsekunden kommt es bei einer Kuppe zum Ende aller Titelträume. «Ich bin hin zu diesem Tor und in der Rechtskurve rutschte mir der linke Ski weg. Ich versuchte, mich mit dem rechten Fuss abzustützen. Aber es gab dann einen ‹Trampolin-Effekt›».

Der Horrorsturz nach 18 Fahrsekunden.
YouTube/bamboocha99

Maiers einziges Ziel: Heil davonkommen

In der Luft denkt Maier zunächst nicht daran, dass er stürzen könnte. «Ich nahm irrsinnig Höhe auf und dachte mir dann: ‹Ja, ich komm ein bisserl schräg und werde ein bisschen die Linie verlieren. Aber wenn ich dann aufkomme, dann fahre ich das Tor von ein bisschen weiter hinten.› Aber die Skis kamen immer weiter und weiter nach oben und ich merkte, dass ich manövrierunfähig wurde.»

Nun ist auch Maier klar, dass er den Sturz nicht mehr vermeiden kann. Sein einziges Ziel: Heil davonkommen. «Ich bereitete mich auf den Sturz vor und konnte noch den Kopf zur Seite neigen, um nicht mit ihm aufzuschlagen. So schlug ich mit der Schulter auf. Zum Glück gingen die Skis gleich auf und flogen weg. Und dann habe ich mich schon auf die Netze vorbereitet.»

Maier durschlägt die Absperrnetze, überschlägt sich mehrfach und bleibt dann im Pulverschnee liegen. Zu seinem grossen Glück hatte es in den Tagen zuvor in Japan ausgiebig geschneit. «Ich bin dann kurz liegen geblieben, aber ich dachte mir: ‹Nur nicht zu lang, ich muss sofort wieder auf.› Unten stand meine Freundin, die Eltern sassen zuhause vor dem Fernseher.»

Maier schildert, was ihm während des Sturzes durch den Kopf ging.
YouTube/CapSmoker

Die Geburt des «Herminators»

Zunächst vermeidet es Maier um jeden Preis, nach links zu schauen. Er sei sich sicher gewesen, dass der Knochen des Schlüsselbeins herausschaue. «Aber dann habe ich trotzdem nach links geschaut und es sah nicht so schlimm aus. Da war ich schon einmal sehr, sehr erleichtert.»

Wohl nur weil Maier so fit wie kaum ein anderer Athlet ist, kommt er mit dem Schrecken und kleinen Blessuren davon. Drei Tage später im Super-G kann er bereits wieder antreten – und nun klappt die «Mission Gold». Mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung wird der Flachauer vor den zeitgleichen Didier Cuche und Hans Knauss Olympiasieger: Der «Herminator» ist geboren.

Stets am Limit: Hermann Maier unterwegs zu Super-G-Gold.
Bild: AP

Und weil ein Mal kein Mal ist, doppelt Hermann Maier drei weitere Tage später nach. Er gewinnt überlegen auch Riesenslalom-Gold. Mit Stephan Eberharter (Silber) und Mike von Grünigen stehen erneut ein österreichischer Landsmann und ein Schweizer mit ihm auf dem Podest.

Maier mit den beiden Goldmedaillen der Olympischen Spiele 1998.
Bild: EPA

Von der Intensivstation zurück aufs Podest

Für Maier sind es die ersten Medaillen an Titelkämpfen überhaupt. Ende Saison holt er den ersten seiner vier Siege im Gesamtweltcup. Hinzu kommen drei WM-Titel, fünf weitere Medaillen an Grossanlässen und 54 Weltcupsiege, wobei Maier selber von 55 Erfolgen spricht: Ein Sieg wurde ihm aberkannt und Mike von Grünigen zugesprochen.

Seinen grössten Sieg feiert Hermann Maier jedoch abseits der Rennpiste. Im Sommer 2001 ist er auf dem Töff unterwegs, als ihn ein Autofahrer übersieht und «abschiesst». Maier muss darum fürchten, dass sein rechtes Bein amputiert wird.

Maier gibt noch im Spital ein erstes, bewegendes Interview.
YouTube/Hermann Goldgräber

Maier wird jedoch wieder so gesund, so dass er eineinhalb Jahre später sein Comeback geben kann. Und bloss zwei Wochen nach dem ersten Weltcuprennen seiner zweiten Karriere ist Hermann Maier im Super-G von Kitzbühel bereits wieder der Sieger.

Der «Herminator» hat nicht zum ersten Mal eindrucksvoll bewiesen, dass ihn nichts und niemand umhauen kann.

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Kult: Komiker Alfred Dorfer kommentiert als Formel-1-Reporter Heinz Prüller den Horrorsturz von Hermann Maier.
YouTube/Haunebu

Maier tritt in «Wetten, dass …?» gegen einen Rennwagen an.
YouTube/CapSmoker

ORF-Doku zum Rücktritt Hermann Maiers (Teil 1 von 4, hier gibt's Teil 2, Teil 3 und Teil 4).
YouTube/CapSmoker

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In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei. 
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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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