Wirtschaft
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Zuwanderer aus Europa, die hier Sozialhilfe bekommen, arbeiten oft in Tieflohnbranchen,  wie etwa im Gastgewerbe. Bild: KEYSTONE

Mindestlohn

Sozialhilfebezüger aus der EU sind oft Working poor

Weit über die Hälfte der Sozialhilfebezüger aus EU-Ländern sind weder arbeitslos noch auf Stellensuche, sondern so genannte Working poor: Sie arbeiten zwar, erhalten dafür aber kein ausreichendes Einkommen.

04.04.14, 16:26


Kurz vor der Abstimmung über die Masseneinwanderungs-Initiative war bekannt geworden, dass gewisse Kantone Sozialhilfe an EU-Bürger auf Stellensuche ausrichten. Zahlen zeigen jetzt, dass es unter den Zuwanderern nicht überdurchschnittlich viele Sozialhilfe-Fälle gibt.

Im Auftrag der GPK hatte die Parlamentarische Verwaltungskontrolle den Vollzug der Personenfreizügigkeit, deren Auswirkungen und die Beanspruchung von Sozialleistungen untersucht, wie GPK-Präsident Rudolf Joder (SVP/BE) vor den Bundeshausmedien sagte. Basis des Berichts sind die Zahlen bis Ende 2010. 

Diese zeigen, dass die Sozialhilfe- und Arbeitslosenquoten bei Zuwanderern aus der EU zunächst unter dem Schweizer Durchschnitt lagen, sich diesem aber nach und nach annäherten. Es sei zu erwarten, dass die Quoten mit zunehmender Aufenthaltsdauer weiter steigen würden, sagte Alfred Heer (SVP/ZH), der die zuständige Subkommission geleitet hatte.

Verleiht die Studie der Mindestlohn-Initiative Auftrieb? Bild: KEYSTONE

Sozialämter subventionieren indirekt Tieflohnbranchen

Überdurchschnittlich oft beziehen gemäss dem Bericht Zuwanderer aus dem südlichen Europa Sozialleistungen, da sie häufig in Branchen mit tiefen Löhnen und unsicheren Arbeitsverhältnissen tätig sind - auf dem Bau oder im Gastgewerbe etwa. Die GPK möchte nun vom Bundesrat wissen, was er zu unternehmen gedenkt, «damit mit den erwirtschafteten Löhnen die Lebenshaltungskosten in der Schweiz gedeckt werden können».

Dies ist das Ziel der Mindestlohn-Initiative, über die am 18. Mai abgestimmt wird. Dass die GPK der Forderung Auftrieb gibt, stellte Heer in Abrede: «Wir haben die objektiven Zahlen. Die Schlussfolgerung ist Sache der Parteien.»

Arbeitsmigration

Zahlen zur Personenfreizügigkeit und ihren Auswirkungen enthält der GPK-Bericht noch viele. Beispielsweise kamen fast 80 Prozent der erwachsenen Zuwanderer als Erwerbstätige in die Schweiz. «Bei der Zuwanderung unter dem Freizügigkeitsabkommen handelt es sich um Arbeitsmigration», stellte Joder fest.

Der Bericht deckte in dem Zusammenhang jedoch auch viele Unstimmigkeiten auf: So haben 8 Prozent der Personen, die zu Erwerbszwecken in die Schweiz gekommen sind, nie eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Umgekehrt nahmen 60 Prozent der Personen, die im Familiennachzug einreisten, innerhalb von vier Jahren eine Erwerbstätigkeit auf. (whr/sda)

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 05.04.2014 10:44
    Highlight "Sozialhilfebezüger"
    Das ist aber äusserst seltsam. Als Schweizer Bürger, der aufrund schwer krimineller Straftaten, die gegen ihn verübt wurden und nach wie vor anhalten, und der dadurch den Arbeitsplatz verlor, den er sich 25 Jahre lang mühsam aufgebaut hat, erhält weder Arbeitslosengeld noch Sozialhilfe. Im Gegenteil, man wird massiv bedroht und gewalttätig angeriffen und schwer verletzt, wenn man sich ordentlich auf dem Rechtsweg dagegen wehrt.
    2 0 Melden

Vom Kampfjet-Piloten zum Bio-Bauern

Die Ukraine ist der grösste Brotkorb Europas. Langsam entdecken die Bauern die biologische Landwirtschaft – dank Schweizer Hilfe und dank aussergewöhnlichen Pionieren.

Vasyl Loban war einst Kampfjet-Pilot der sowjetischen Armee. Er stand damit an der Spitze der damaligen Prestige-Hitparade, denn kaum jemand wurde in der ehemaligen UdSSR mehr geachtet als Militärpiloten. Die UdSSR zerbrach und als Ukrainer war Loban seinen Job und sein Prestige los.

Doch Jammern gehört nicht zu seinem Repertoire. Kurzerhand gründete er ein lukratives Geschäft als Benzinhändler. Eines Tages konnte das Dorf Khudoliivka in der Region Poltava Lobans Rechnungen nicht mehr …

Artikel lesen